Lösungen, die Probleme suchen

18. April 2011, 07:52
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High Performance Computing ist eine IT-Disziplin, die auf hochstehende Technologie angewiesen ist, aber vor allem in Europa erst wenig industrielle Anwendung findet.

High Performance Computing ist eine IT-Disziplin, die auf hochstehende Technologie angewiesen ist, aber vor allem in Europa erst wenig industrielle Anwendung findet.
Der Halbleiterriese Intel und der IT-Marktführer Hewlett-Packard (HP) zeigten an einem Medienanlass in ihrem gemeinsamen "High-Performance Computing (HPC) Benchmark Centre" in Grenoble die Kombination ihrer neuesten HPC-Produkte und beispielhafte Anwendungen, vor allem aus der Welt der Forschung.
Schrittmacher der Wirtschaft?
Xavier Poisson Gouyou Beauchamps, HP-Verkaufsdirektor für Enterprise Servers, Storage und Networks sowie für Converged Infrastructure in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA), bezeichnete in seiner Eröffnungsansprache das High Performance Computing etwas vollmundig als "Enabler der Wirtschaft", beklagte aber zugleich, dass diese Sparte der Informatiktechnologie in der europäischen Wirtschaft und Industrie noch zu wenig verbreitet sei.
Dazu muss festgestellt werden, dass HPC-Rechenanlagen - oft als Supercomputer bezeichnet - in den letzten Jahren bedeutend kostengünstiger geworden sind. Mussten früher Millionenbeträge für HPC-Geräte - Rechen- und Speicheranlagen sowie zugehörige Netzwerke - investiert werden, so ist dieser Investitionsaufwand in wenigen Jahren um mehr als das Zehnfache gesunken. In ihrem Konzept der Converged Infrastructure, das Hardware, Software, Speicheranlagen sowie interne und externe Netzwerke von Rechenzentren abdeckt, hat HP nicht nur die neuesten Multi-Core-Prozessoren von Intel integriert, sondern auch das komplexe Management all der zugehörigen Data- Center-Komponenten vereinfacht. Damit ist HPC nicht mehr allein grossen Forschungsinstitutionen und Konzernen vorbehalten, sondern - zumindest finanziell, wenn auch noch nicht vom Know-how her - in die Reichweite von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gerückt. Denn was aus der Sicht der Hersteller noch fehlt, ist die Einsicht des Managements von KMU-Firmen in den mittelbaren und unmittelbaren Nutzen, den ihnen der Einsatz von HPC verschaffen kann.
Spezialkenntnisse auf dem Weg zum ICT-Allgemeinfachwissen
Zumindest vorderhand ist HPC noch ein Spezialfach, dessen Anwendung sich auf relativ wenige und sehr rechenintensive Problemlösungen beschränkt. Das ging nicht zuletzt aus der Herkunft der HPC-Anwendungsbeispiele hervor, die in Grenoble gezeigt wurden: Aus dem Cern in Genf, dem CSR4 (Centro di Ricerca, Sviluppo e Studi Superiori in Sardegna) in Sadinien, dem National Supercomuter Center NSC in Schweden sowie, als einziges nichtakademisches Beispiel, der französischen Quinta Industries Group aus der Unterhaltungsindustrie, die sich mit Kino-, TV- und Audioproduktionen befasst. Andere bekannte HPC-Anwendungen, die aber in Grenoble nicht angesprochen oder gezeigt wurden, sind beispielsweise Crash-Test-Simulationen in der Autoindustrie oder die Risikoanalyse mit Finanzmodellen im Bank- und Versicherungswesen.
Am Beispiel der Quinta Industries Group wurde ersichtlich, dass HPC in Film- und Videoproduktionen sowie deren Vertonung zum unverzichtbaren Werkzeug geworden ist. Sowohl die Bild- als auch die Audioverarbeitung sind sehr rechenintensiv, Quinta setzt gegenwärtig eine Anlage ein, deren Architektur aus 225 Compute Nodes mit zwei Intel Xeon 5620 Quad core (2,4 GHz) Prozessoren mit 24 GB DDR3 Memory und 160GB-Harddisk besteht.
HPC-Know-how-Transfer in die Wirtschaft und Industrie
High Performance Computing ist zwar kostengünstiger, aber keineswegs billig geworden. Immer noch weitere Miniaturisierung in der Halbleitertechnik, Standardisierung von Hardware- und Softwarekomponenten sowie Virtualisierung von Servern und Speicheranlagen haben dem Moor'schen Gesetz vom Leistungswachstum und entsprechender Kostenreduktion auch in der HPC-Sparte Gültigkeit verschafft. Es ist offensichtlich, dass HPC heute einen Wachstumsmarkt darstellt, in dem vorhandene Lösungen als Wegweiser auf neue Probleme in vielen Bereichen der realen Welt hindeuten. Dies gilt beispielsweise für die Bioinformatik, die Medizin, die Materialwissenschaft ebenso wie die Hochenergiephysik - und nicht zuletzt für die Unterhaltungsindustrie. (Gregor Henger)

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