Lohngleichheit: Politiker und ICT-Verband wollen neuen Nachweis

15. September 2016, 15:45
  • politik & wirtschaft
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Will ein Anbieter mit der öffentlichen Hand geschäften, so verlangt das öffentliche Beschaffungswesen unter anderem, dass die Lohngleichheit von Mann und Frau respektiert wird.

Will ein Anbieter mit der öffentlichen Hand geschäften, so verlangt das öffentliche Beschaffungswesen unter anderem, dass die Lohngleichheit von Mann und Frau respektiert wird. Für die Überprüfung und den Nachweis der Einhaltung der Lohngleichheit steht Firmen ein Selbsttest zur Verfügung namens Logib, der den Kontrollorganen vorgelegt werden muss.
Am 15.9.2016 hat SVP-Nationalrat (und Green-Besitzer) Franz Grüter gemeinsam mit elf Mitunterzeichnern eine Motion eingereicht, welche die Beurteilungsmethodik der Lohngleichheit im Beschaffungswesen ändern will. Sie soll, so der Titel der Motion, "fair und korrekt" werden.
Im Einklang mit den Motionären erläutern Grüter und der ICT-Anbieter-Verband Swico, was unfair und nicht korrekt sei: die Methodik des Standardmodells des Bundes, Logib, habe versagt und bewirke gar das Gegenteil des Erwünschten. "Das Problem liegt darin, dass nur statistische Methoden in Betracht gezogen werden. Dies führt dann dazu, dass wichtige Faktoren nicht angemessen berücksichtigt werden können", so Swico.
Einige der laut Swico, nicht korrekt berücksichtigten Faktoren: der Bund berücksichtige die höchste Ausbildungsstufe ohne Bezug auf die Funktion im Betrieb, die Berufserfahrung werde nicht wirklich reflektiert und bei Funktionsstufen und Qualifikationen bestehe ein "grobschlächtiger" Raster.
Kurz, Logib sei ein "weltfremdes und schikanöses System." Ein konkretes Alternativmodell stellen weder Grüter noch Swico zur Diskussion. Sie fordern, dass Firmen im Beschaffungswesen künftig ihre Konformität mit dem Lohngleichheitsparagraphen auch mit neutralen und unabhängigen Gutachten belegen können. Ausserdem habe das Kontrollorgan bei der Beurteilung "unternehmensspezifische Besonderheiten angemessen zu berücksichtigen".
Logib: Wer, was, wie in Kürze
Logib wurde 2006 im Auftrag des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG entwickelt. Ein negatives Resultat kann dazu führen, dass Firmen Sanktionen erleiden müssen. Doch das Modell berücksichtigt, dass der Lohn von weiteren objektiven Erklärungsfaktoren beeinflusst werden kann, die in der standardisierten Logib-Analyse nicht berücksichtigt werden. Eine Toleranzschwelle von fünf Prozent kommt deshalb zum Tragen. Erst wenn der festgestellte Unterschied zwischen Frauen- und Männerlöhnen signifikant über der Toleranzschwelle liegt, wird Lohndiskriminierung vermutet.
Logib ist auch in Deutschland und Luxemburg im Einsatz.
Würde die Motion vom Parlament angenommen, so wäre sie für die Regierung verbindlich. (mag)

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