Luzerner Grundbuch-Deal geht an VRSG

21. November 2014, 13:08
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VRSG gewinnt den Grundbuch-Deal in Luzern und soll künftig das Luzerner Auskunftssystem Gravis vertreiben.

VRSG gewinnt den Grundbuch-Deal in Luzern und soll künftig das Luzerner Auskunftssystem Gravis vertreiben.
Der Kanton Luzern hat sich nach einer entsprechenden Ausschreibung für die Grundbuchsoftware Terris der Verwaltungsrechenzentrum AG St. Gallen (VRSG) entschieden. Terris stammt zwar aus der Küche der IT-Abteilung des Kantons Thurgau, doch die Software wird seit kurzem von der VRSG weiterentwickelt und gewartet. Der Auftrag hat einen Wert von 1,6 Millionen Franken.
Die VRSG soll nun als Generalunternehmen die neue Grundbuchlösung in Betrieb nehmen und supporten. Teil des Deals ist auch, dass die VRSG die vorhandenen, "grundbuchnahen", Eigenentwicklungen des Kantons übernimmt. Für den Kanton, der sparen muss, bietet diese Bedingung Investitionsschutz. Mit Eigenentwicklungen ist insbesondere das vom Kanton Luzern gebaute Auskunftssystem Gravis gemeint. "Bei Gravis handelt es sich um eine Applikation mit einem neuartigen Konzept, welche Grundbuchinformationen und Informationen der Amtlichen Vermessung in einem System zur Verfügung stellt", erklärt VRSG-Chef Peter Baumberger auf Anfrage. Die Übernahme des Supportes und der Wartung von Gravis sei Bestandteil der Ausschreibung im Kanton Luzern gewesen. Gravis und Terris sollen zunächst über Schnittstellen verbunden werden. "Danach kann durchaus eine stärkere Anbindung bis hin zur Integration erfolgen", so Baumberger. Es sei nach Absprache mit dem Kanton Luzern "durchaus möglich, ja sogar gewünscht", dass Gravis seitens VRSG künftig auch anderen Kantonen angeboten werde.
Im Rennen um den Luzerner Auftrag befand sich auch Bedag. Der IT-Dienstleister, der dem Kanton Bern gehört, hatte seine Standardsoftware Capitastra offeriert. Bedag hatte erst kürzlich einen umstrittenen Auftrag des Kantons Zug gewonnen. "Wir bedauern, dass wir den Auftrag nicht erhalten haben und sind überzeugt davon, dass Capitastra die zurzeit modernste eGov-Grundbuchplattform in der Schweiz ist", schreibt Bedag in einem Statement gegenüber inside-it.ch. Und weiter heisst es aus Bern: "Unsere Kunden müssen in den nächsten Jahren nicht mit teuren und risikobehafteten Erneuerungsprojekten rechnen."
Auf der Bedag-Seite ist man also der Meinung, dass sich Luzern mit der Lösung Terris/Gravis für eine veraltete Software, die noch erneuert werden muss, entschieden hat. "Dies ist aus unserer Sicht nicht der Fall", wehrt sich VRSG-Chef Baumberger. "Die umfassenden Funktionalitäten und die jeweils rasche Umsetzung neuer gesetzlicher Anforderungen des Bundes in Terris beweisen dies immer wieder. Ebenfalls sind die Benutzer von Terris hoch zufrieden." Terris sei eine etablierte und bewährte Standardsoftware mit umfassender Funktionalität für das Grundbuchwesen, welche in zwölf Kantonen und dem Fürstenland Liechtenstein seit Jahren erfolgreich im Einsatz sei, so Baumberger.
Auch der Kanton Luzern betont auf Anfrage, Terris sei ein fertiges Produkt, das in mehreren Kantonen seit Jahren produktiv eingesetzt werde und auch vom Bundesamt für Justiz abgenommen wurde. Terris verfüge auch über ein Auskunftsmodul, welches ebenfalls von den Terris-Kunden produktiv verwendet werde. "In unserer Ausschreibung haben wir eine Anbindung von Gravis verlangt, welche alle Anbietenden so offeriert haben. Diese Anbindung entspricht einer Anbindung eines bereits produktiv im Einsatz stehenden Umsystems. Ob Gravis via diese gesetzlich vorgeschriebenen Schnittstellen auch anderen Kunden zur Verfügung gestellt wird, wird in kommenden Gesprächen sicher diskutiert werden. Auf die Ausschreibung des Kantons Luzern hat dies jedoch keinen Einfluss", heisst es aus Luzern.
Der Kanton Luzern zählt zusammen mit Zug, Zürich, Solothurn, Schaffhausen und der Stadt Chur zu jenen ehemaligen IBM-Kunden, die vor drei Jahren ein Software-Projekt mit IBM gestoppt haben. Daraufhin mussten diese Kantone eine Alternative zu IBMs ISOV-Anwendung suchen. (Maurizio Minetti)

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