Macht Samsungs Galaxy Tab Steve Jobs nervös?

22. Oktober 2010, 15:55
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iPad-Killer wird es einen Monat vor Erscheinen schon genannt, Samsungs 'Galaxy Tab' als angeblich smartere und kompaktere Alternative.

iPad-Killer wird es einen Monat vor Erscheinen schon genannt, Samsungs 'Galaxy Tab' als angeblich smartere und kompaktere Alternative. Kompakter ist es tatsächlich, weil das Multitouch-Display nicht 10 Zoll, sondern nur 7 Zoll gross ist, was Apple-Chef Steve Jobs zu der abfälligen Bemerkung veranlasste, das Konkurrenzprodukt sei "dead on arrival", normalerweise mit Transportschaden, hier aber wohl treffender mit Totgeburt zu übersetzen. Tatsächlich ist das Display des Galaxy Tab um etwa 45 Prozent kleiner als das des iPad.
"Kein Tablet kann mit der Mobilität eines Smartphones konkurrieren, damit, wie leicht es in deine Hosentasche passt und mit seiner Unaufdringlichkeit in der Menge. Da alle Tablet-Nutzer schon ein Smartphone in der Tasche mit sich führen, ist es eindeutig der falsche Kompromiss, auf Display-Fläche bem Tablet in deiner Tasche zu verzichten. Die 7-Zoll-Tablets sind 'Tweeners', zu gross, um mit einem Smartphone zu konkurrieren und zu klein, um mit einem iPad zu konkurrieren”, giftete der Apple-CEO. Ein "Tweener" ist ein Wrestler, der wie Superstar Billy Graham den Guten (Face) wie den Bösen (Heel) spielt.
Industriebeobachter sind laut "The Korea Times" uneins, ob Jobs harte Worte Ausdruck von Selbstvertrauen sind oder einer Nervosität entspringen, weil immer Mitbewerber mit Konkurrenzprodukten auf den Markt drängen.
Zum Beispiel Samsungs grosser einheimischer Kontrahent LG Electronics. Das Unternehmen hat für die erste Hälfte 2011 ein Tablet-PC angekündigt und versprochen, das Display werde grösser als das von Samsungs Galaxy Tab, aber kleiner als das des iPad sein. So zitiert "The Korea Times" zumindest einen LG-Manager, der aber nicht namentlich genannt werden wollte.
Auch wenn LG die Display-Grösse des geplanten Tablet-PCs bewusst zurückhält, gibt es dem koreanischen Magazin zufolge ein Indiz. Denn wie aus Industriekreisen zu erfahren war, steht LG Display, die LCD-Sparte der LG Group, in den Startlöchern, die Schwestergesellschaft LG Electronics mit 9-Zoll-Displays zu beliefern. Zufälligerweise ist LG Display auch Lieferant der 10-Zoll-Displays für Apples iPad. Das könnte sich aber schnell ändern, denn gebaut wird das iPad wie auch das iPhone und der iPod von Foxconn. Der Apple-Partner aus Taiwan verfügt nämlich als Mutter von Chimei Innolux (CMI), dem drittgrössten Panel-Hersteller, über eine eigene starke LCD-Produktion.
Wie dem auch sei, hat Jobs mit seinen Bemerkungen nun auch RIM-CEO Eric Schmidt aufgebracht. Der Chef des kanadischen BlackBerry-Herstellers warf Jobs vor, ein Feld der Realitätsverzerrung aufzubauen und sagte, dass selbst Apple-Fans seiner hochmütigen Kommentare langsam müde würden.
Im Juli und August 2010 hat Apple weltweit rund 4,19 Millionen iPads verkauft. Die erwarteten fünf Millionen Stück in den ersten zwei Monaten hat das Unternehmen somit nicht erreicht.
Samsungs Galaxy Tab wird im November zunächst in den USA auf den Markt kommen, soll dann aber recht bald in 120 Ländern angeboten werden. Bis Jahresende will der koreanische Hersteller davon zwei Millionen Stück absetzen. Ob das gelingt, ist allerdings auch eine Frage des Preises. Obwohl Samsung diesen erneut vor Verkaufsstart auf nun unter 600 Dollar erneut gesenkt hat, liegt er immer noch über dem für das iPad.
Wie Shin Jong-kyun, Chef der Mobile-Sparte ankündigte, will Samsung im Laufe des nächsten Jahres 6- und 10-Zoll-Modelle folgen lassen, die mit AMOLED-Display (Aktivmatrix-OLED) bei Sonnenlicht besser zu lesen sind als LCDs. Da Apple mit dem iPad auch im Markt für E-Book-Reader wildert, hat Amazon zurückgeschossen und sich in einem Werbespot mit einer Szene am Pool über die schlechte Lesbarkeit des iPad bei Sonnenschein lustig gemacht. Das "Kindle" des E-Reader-Weltmarktführers verfügt über ein E-Ink-Display, das sich praktisch reflexionslos fast wie eine Buchseite liest. (Klaus Hauptfleisch)

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