Massive Korruptionsvorwürfe gegen Media Markt

21. Februar 2012, 16:28
  • media markt
  • intel
image

Deutsches Wirtschaftsmagazin erhebt massive Vorwürfe gegen Media Markt und schreibt von "Korruption und unlauteren Geschäften" .

Deutsches Wirtschaftsmagazin erhebt massive Vorwürfe gegen Media Markt und schreibt von "Korruption und unlauteren Geschäften".
Der ehemalige Deutschlandchef von Media Markt, Michael Rook, sitzt unter Korruptionsverdacht in einem deutschen Untersuchungsgefängnis genauso wie weitere Manager des grössten und lautesten deutschen UE-Händlers. Ihnen wird Bestechlichkeit vorgeworfen.
Das angriffige deutsche Magazin 'WirtschaftsWoche' (WiWo) erhebt nun in einem ausführlichen Artikelweitere, teils massive, Vorwürfe gegen den deutschen UE-Retailer. Im Prozess gegen Rook und andere Media-Markt-Manager geht es um Bestechungsgelder, die der Besitzer einer Promotion-Agentur an den Verantwortlichen für Media Markt in Süddeutschland bezahlt haben soll. Diese Zahlungen hätten der Zentrale bereits früher auffallen können (und sollen), doch bemerkte offenbar niemand, dass immer nur die gleiche Agentur Aufträge erhalten hat, die auch nie ausgeschrieben worden waren, schreibt das Blatt.
Vorwurf: Beteiligung am Gewinn eines Lieferanten
Die 'WiWo' berichtet ausserdem von einer seltsamen geheimen Zusatzklausel in einem Vertrag zwischen Media Markt und der ehemaligen Swisscom-Tochter debitel. Als Bedingung für die Verlängerung eines für debitel wichtigen Vertrags liess sich Media Markt heimlich am Gewinn von debitel und sogar am Erlös des Verkaufs von debitel durch den britischen Finanzinvestoren Permira beteiligen. Damit war Media Markt dann an der Bevorzugung von debitel gegenüber Konkurrenten wie O2 interessiert.
"Sizilianische" Angebote und die Intel-Affäre
Dass Hersteller, die ihre Produkte bei Media Markt (prominent) platzieren wollen, auch in der Schweiz so genannte Werbekostenzuschüsse "abdrücken" müssen und bei Preisverhandlungen massiv unter Druck gesetzt werden, ist ein offenes Geheimnis in der Branche. Es sei üblich, dass drei bis fünf Prozent des Jahresumsatzes eines Herstellers mit Media Markt, an den Händler zurückfliessen, zitiert das Blatt den Buchautoren Jürgen Cleve.
Und einige Filialleiter, die bei Media Markt über das Sortiment entscheiden, haben sich für die Präsenz von Anbietern angeblich zusätzlich belohnen lassen. So seien Geschenke (manchmal als "Testgerät" verbrämt) wie Handys oder TV-Geräte bis 2000 "fast selbstverständlich" gewesen, schreibt die WiWo. Gegen Philips-Mitarbeitende ermittelte 2006 die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen "sizilianischen Angeboten" (Uhren, Anzüge, Reisen, Gartenmöbel) an Media-Markt-Einkäufer. Andere Filialleiter hätten Fussboden-Werbung, Herstellerlogos an Werbeflächen und sowieso bevorzugte Plätze für Warenpaletten für tausende Euro verkauft.
Media Markt war ebenfalls in die Intel-Affäre verwickelt. Bekanntlich wurde Intel 2009 zu einer Riesenbusse wegen Missbrauchs der Marktmacht verurteilt. Und mit Microsoft soll sich Media Markt über den Ladenpreis für Office verständigt haben, wofür Microsoft gemäss 'WiWo' ebenfalls 2009 verurteilt worden ist.
Allerdings: Im Fall Intel war Media Markt nur als Zeuge beteiligt, im Fall Microsoft wurde das Verfahren gegen den UE-Retailer eingestellt und im Philips-Fall waren nicht nur Media-Markt-Leute involviert. (Christoph Hugenschmidt)
(Foto: Anti-Diebstahl-Plakalt von Media Markt. Autor: Stephan Mosel.)

Loading

Mehr zum Thema

image

AMD schlägt sich durch, Intel-CEO muss einbüssen

Trotz der schwierigen Wirtschaftslage kann sich AMD gut behaupten. Beim Konkurrenten sieht es anders aus: Intel spart bei den Löhnen – auch CEO Pat Gelsinger muss einstecken.

publiziert am 1.2.2023
image

Intel-Zahlen rasseln in den Keller

Im vergangenen Quartal fiel der Umsatz im Jahresvergleich um 32% auf 14 Milliarden Dollar. Unter dem Strich steht sogar eine rote Zahl.

publiziert am 27.1.2023
image

Stefan Fraude wird General Manager Schweiz bei Media Markt

Fraude kommt von Digitec Galaxus. Sein Vorgänger Vittorio Buonfiglio geht zurück nach Italien.

publiziert am 21.12.2022
image

Emil-Frey-Angreifer erpressten weltweit 100 Millionen Dollar

FBI und CISA haben einen Bericht zur Ransomware-Bande Hive veröffentlicht. Emil Frey bezahlte wohl nicht, doch viele andere Opfer taten es.

publiziert am 18.11.2022