Massiver Schub für IT-Berufsbildung

12. Januar 2010, 16:07
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"Wir brauchen nicht nur Applikationsentwickler": Credit Suisse greift der IT-Berufsbildung in der Schweiz mit 10 Millionen Franken unter die Arme. Verbände in einem Boot.

"Wir brauchen nicht nur Applikationsentwickler": Credit Suisse greift der IT-Berufsbildung in der Schweiz mit 10 Millionen Franken unter die Arme. Verbände in einem Boot.
Der IT-Dachverband ICTSwitzerland lanciert zusammen mit den im "IT Leadership Forum" zusammengeschlossenen grossen Anwenderfirmen und finanziell unterstützt von der Grossbank Credit Suisse das Programm "ICT-Berufsbildung Schweiz". Ziel: Bis 2015 sollen tausend neue IT-Lehrstellen geschaffen werden. Hintergrund ist der an dieser Stelle bereits mehrmals beschriebene drastische Mangel an IT-Fachkräften der nahen und ferneren Zukunft.
ICTSwitzerland geht davon aus, dass in den nächsten Jahren jährlich 5'000 bis 6'000 neue Stellen in der Informatik zu besetzen wären, aber 1'500 bis 2'500 nicht durch den Nachwuchs in der Schweiz gedeckt werden können. Viele davon könnten in einer Lehre (allenfalls mit Berufsmatura und Weiterbildung auf der Fachhochschule) ausgebildet werden, wie gestern an einer Medienveranstaltung von ICTSwitzerland mehrmals erwähnt wurde. Noser: "Wir brauchen nicht nur Informatiker. Wir brauchen auch IP-Telephonie- und Security-Spezialisten, Servicetechniker, Produktmanager und Leute die Netzwerke bauen und betreuen." Auch Landert betonte, dass die riesige IT-Organisation von Credit Suisse mit weltweit über 10'000 und in der Schweiz immer noch 4'000 InformatikerInnen nicht nur auf die oft gewünschten brillianten Software-EntwicklerInnen angewiesen sei, sondern auch "ganz normale" Berufsleute mit Berufsausbildung brauche.
Credit Suisse ganz konkret
Entsprechend konkret (und für die IT-Branche erfreulich) ist das Engagement der Grossbank. Sie unterstützt die IT-Ausbildung in den nächsten Jahren mit maximal 10 Millionen Franken und will damit der Ausbildungsoffensive zu einer Anschubfinanzierung verhelfen. Die Bank finanziert die Hälfte der ersten Projektphase (siehe unten) und wird die "Stiftung für die IT-Berufsbildung Schweiz" auch künftig alimentieren.
Zudem verdoppelt Credit Suisse die Anzahl der Lehrlinge und "Career Starters" (Mitarbeitende ab Hochschule) im eigenen Unternehmen von heute 50 auf über 100.
Welche Ausbildung in der Berufslehre?
Voraussetzung für die Schaffung von zusätzlichen Lehrstellen ist die Definition der für Firmen notwendigen Tätigkeitsfelder und Qualifikationen der künftigen IT-Berufsleute. Dies soll in einem ersten Projekt von "ICT-Berufsbildung Schweiz" bis Ende Jahr geschehen. Ebenfalls bis dann will man eine schweizweite "Organisation der Arbeitswelt" (OdA), wie sie im Berufsbildungsgesetz vorgesehen ist, auf die Beine stellen.
In das Projekt integriert sind die bisherigen Träger der IT-Berufsbildung, so I-CH und die regionalen Lehrmeistervereinigungen. Nicht ohne Stolz vermerkte Noser gestern, dass es auch gelungen ist, die Lehrmeistervereinigungen aus der Romandie und dem Tessin mit an Bord zu holen.
Organisatorisch getragen wird das Projekt, das von Bundesamt für Berufsbildung und Technolgie mitfinanziert werden soll, vom "Verein ICT-Berufsbildung Schweiz". Projektleiter ist Andreas Kaelin, im Steuerungsausschuss sitzen Ruedi Noser von ICTSwitzerland, Andreas Knöpfli von Swico und Thomas Flatt von SwissICT sowie ein bis zwei Vertreter von Unternehmen. Im Projektteam sind dann die "Macher" vertreten, nämlich die Vertreter der regionalen Informatik-Lehrmeistervereinigungen, zwei Leute von I-CH sowie Vertreter der ausbildenden Unternehmen.
IT-Berufsbildung erhält Schub
Vorausgesetzt, das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie macht mit und beteiligt sich wie zu erwarten an der Finanzierung des Projekts, erhält die IT-Berufsbildung durch "ICT-Berufsbildung Schweiz" gewaltig Schub. Mit Credit Suisse steht wie schon bei "Informatica08" ein potenter Sponsor hinter dem Projekt. Und mit ICTSwitzerland, SwissICT, den kantonalen IT-Lehrmeistervereinen und I-CH beteiligen sich Organisationen mit Erfahrung und Fachwissen. Die Unterstützung durch das "IT Leadership Forum" lässt zudem hoffen, dass nicht nur schöne und gescheite Lehrpläne geschaffen werden, sondern dass die Firmen auch tatsächlich Lehrstellen anbieten werden. Und zwar nicht nur für die besten der besten Jugendlichen, sondern auch für die ganz "normalen", die einen spannenden und zukunftsträchigen Beruf erlernen wollen. (Christoph Hugenschmidt)

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