"Meilenstein": Bildungsprogramme bei PC-Zulieferern

24. September 2009, 12:06
  • international
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Erste konkrete Taten der Kampagne "High Tech – No Rights?" von 'Fastenopfer' und 'Brot für alle'. Der weltgrösste PC-Hersteller Hewlett-Packard gibt hinsichtlich der Wahrnehmung seiner sozialen Verantwortung in China den Ton an.

Erste konkrete Taten der Kampagne "High Tech – No Rights?" von 'Fastenopfer' und 'Brot für alle'. Der weltgrösste PC-Hersteller Hewlett-Packard gibt hinsichtlich der Wahrnehmung seiner sozialen Verantwortung in China den Ton an.
Die vor knapp drei Jahren von Schweizer Hilfswerken lancierte Kampagne "High Tech – No Rights?" gegen die Ausbeutung von Menschen bei der Herstellung von Computern hatte einen Einfluss auf den weltgrössten PC-Hersteller Hewlett-Packard. Wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist, konnten chinesische Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) in Zulieferbetrieben von HP erstmals ein Bildungsprogramm zu den Arbeitsrechten durchführen. Dies sei "ein erster Schritt hin zu sozialer Unternehmensverantwortung, die sich auf die Erfahrung von Arbeitern abstützt", schreibt 'Fastenopfer' in der Mitteilung.
Dass chinesische NGOs in zwei HP-Zulieferfirmen Pilotprojekte für Arbeiterinnenbildung durchführen konnten, bezeichnet Chantal Peyer von 'Brot für alle' als "Meilenstein". Die Pilotprojekte in China würden wesentlich dazu beitragen, Sozialstandards für die Elektronikindustrie zu etablieren, glaubt Peyer. Es sei wichtig, sagt Peyer, alle Beteiligten in diesen Prozess zu integrieren.
Zwei Projekte
Bei den zwei Zulieferfirmen handelt es sich um Delta Electronics und Chicony Electronics. Bei Delta Electronics in der chinesischen Boom-Stadt Dongguan führte die Nichtregierungsorganisation LESN (Labor Education & Service Network) mit 1549 ArbeiterInnen ein Trainingsprogramm für Arbeitsrechte durch. Darüber hinaus wurden Leitungskräfte bis hinauf ins mittlere Management für Fragen der Unternehmensverantwortung sensibilisiert. Die ArbeiterInnen erhielten eine Broschüre mit einer leicht verständlichen Fassung des chinesischen Arbeitsrechts.
Im Verlauf eines Jahres besuchten bei Chicony (ebenfalls in Dongguan) 2714 ArbeiterInnen den eintägigen Kurs zu den Arbeitsrechten. Die lokale NGO CWWN (Chinese Working Women Network) richtete ausserdem einen permanenten Telefondienst ein, bei dem die ArbeiterInnen ihre Beschwerden und Sorgen anonym deponieren konnten. Dabei ging es um Lohnfragen ebenso wie um das Fehlen von heissem Wasser oder um das Prozedere bei Kündigungen. Konfrontiert mit den Klagen konnte die Fabrikleitung einige der Versäumnisse beheben. In einer letzten Programmetappe wurden zehn Arbeiter-Vertreterinnen mit Verhandlungstechniken vertraut gemacht, damit sie Diskussionen mit der Fabrikleitung selber und besser führen können.
"Der Weg ist noch lang"
Beide Pilotprojekte hätten gezeigt, dass sich der Dialog verbessere, wenn das obere Kader eines Betriebs die Forderungen und Sorgen der ArbeiterInnen kenne und verstehe, sagt Jenny Chan, oberste Koordinatorin bei der Studentenorganisation SACOM (Students & Scholars Against Corporate Misbehavior). "Doch der Weg zur sozialen, auf die Arbeiter bezogenen Unternehmensverantwortung ist noch lang", so Chan.
"Den Fairen Computer gibt es noch nicht", sagt auch Chantal Peyer von 'Brot für alle'. "Aber ein Anfang hin zum Fairen Computer ist gemacht. Und wir sind stolz, dass 'Fastenopfer' und 'Brot für alle' hier in der Schweiz diesen Anfang einleiten konnten." Weitere Informationen zur Kampagne gibt es hier. (mim)

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