Meine Güte, arme Telcos!

6. November 2007, 05:22
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Analysys: "Triple Play ist zu wenig". Gartner: "Content als Ausweg? Schafft Ihr nicht". Steria-Mummert: "Ausserdem verschwendet Ihr Geld für Software".

Analysys: Triple Play ist zu wenig. Gartner: Content als Ausweg? Schafft Ihr nicht. Steria-Mummert: Ausserdem verschwendet Ihr Geld für Software.
Wen man nach den Warnungen von Marktforschern geht, die in den letzten Stunden bei uns eingetroffen sind, haben die Verantwortlichen bei Telekommunikationsunternehmen in den nächsten Jahren viel Arbeit vor sich, wenn sie den kontinuierlichen Umsatzverlust im klassischen Geschäft kompensieren wollen.
Die Umsätze der westeuropäischen Telcos im Sprach- und Dienstleistungsgeschäft mit Endkunden werden gemäss einem Report des Marktforschers Analysys bis 2012 jährlich im Durchschnitt um 4 Prozent sinken. Der Umsatz in der klassischen Festnetztelefonie soll sich bis dann sogar mehr als halbieren. Das Wachstum im "Triple-Play"-Geschäft, der Zusammenfassung von Telefonie, Internet- und Fersehanschlüssen, werde ausserdem allein definitiv nicht ausreichen, um den Umsatzzerfall zu kompensieren. Telcos müssten daher im klassischen Bereich immer mehr Kosten einsparen, und dies mit investitionen in weitere Service-Bereiche ausbalancieren.
Einer der oft genannten weiteren Bereiche, in denen sich Telcos engagieren könnten, sind die Inhalte. Viele Telcos hoffen, dass sie in irgendeiner Form, sei es als Produzent oder mindestens als "Reseller" direkt an den medialen Inhalten verdienen können, die sie übermitteln. Der Analysys-Konkurrent Gartner warnt aber auch in dieser Beziehung vor zu grossen Hoffnungen. Auch weitere Player wie Apple, Nokia oder Google, die eher ein Verständnis für die Bedürfnisse der Konsumenten mitbringen würden, machen sich im Geschäft mit Inhalten breit. Bis zu 80 Prozent aller Telcos dagegen, so prophezeit Gartner, werden bei ihren Bemühungen im Bereich Content scheitern, sei es wegen mangelnden Ideen oder aus mangelnder Erfahrung und Einsicht in die Ansprüche des sich verändernden Marktes.
Zu den erfolgreichen 20 Prozent werden gemäss Gartner die Telcos gehören, die sich mit innovativen (aber nicht zu technologielastigen) Services bei den Konsumenten profilieren können. Als Beispiel nennt Gartner interaktives TV, bei dem User Fersehsendungen ansehen und gleichzeitig mit ihren Bekannten übers Internet chatten könnten.
Auch Steria-Mummert redet den Telcos ins Gewissen, allerdings nicht auf die Zukunft sondern auf die Gegenwart bezogen. Vier von zehn Telcos, so die deutschen Ratgeber, hätten zu viel Software eingekauft, die nun ungenutzt Ressourcen verbrauche. Typischerweise hätten Telcos oft über 100 Software-Anwendungen im Einsatz, wobei lediglich ein Drittel für die Alltagsarbeit benötigt werde. Bei Grossunternehmen seien es sogar um die 1000 Anwendungen.
Ein Grund dafür sei die unklar definierte Beschaffungsstrategie. Es werde oft Software beschafft, zum Beispiel Datenbankapplikationen oder Softwaremodule, die nur kurzfristig benötigt werde oder bei der man später feststellte, dass sie für weitere Einsätze nicht zu gebrauchen sind. Wie viel diese Verschwendung die Telcos im Durchschnitt kostet, beziffert Steria-Mummert allerdings nicht. (Hans Jörg Maron)

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