Menschen machen Maschinen machen Menschen gescheiter

19. August 2013, 15:22
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Ein Blick auf Gartners Hype Cycle of Emerging Technologies 2013.

Ein Blick auf Gartners Hype Cycle of Emerging Technologies 2013.
Wer je ein Kleinkind, dem man ein iPad in die Hand gegeben hat, beobachtet hat, der weiss, dass sich die "Beziehungen" zwischen Mensch und Maschine verändern. Wir benützen mehr Maschinen (und die Resultate ihres Tuns) und diese wiederum "verstehen" uns besser. Und es geht schon lange nicht mehr nur darum, dass Maschinen in Vergangenheit Menschen ersetzt haben und in Zukunft noch mehr ersetzen werden.
Der US-Technologieberater Gartner analysiert in der neuesten Ausgabe des "Hype Cycle of Emerging Technologies" (Grafik oben) welche Technologien im Zusammenhang mit den "Beziehungen" zwischen Menschen und Maschinen wichtig sind und welchen Reifegrad sie erreicht haben. Gartner beobachtet drei Szenarien, wie die neuen Technologien von Pionieren eingesetzt würden: Erstens die "Verbesserung" von Menschen durch Maschinen, zum Beispiel durch Computer als Bekleidungsbestandteile. Zweitens Maschinen, die Menschen ersetzen, zum Beispiel ein digitaler, virtueller Assistent als Verkäufer. Und drittens die Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen, zum Beispiel die gemeinsame Erledigung von Aufgaben durch Roboter und Lagerangestellte.
1. Die Verbesserung der Menschen
Hier eine Zusammenfassung, welche der "Emerging Technologies" für Firmen in welchen Zusammenhängen von Bedeutung sein könnten. Technologien für die "Verbesserung des Menschen" könnten die Produktivität steigern (was man früher ja auch Rationalisierung genannt hat). Gartner nennt bioakustische Wahrnehmung, 3D Biodruck, Hirn-Computer-Schnittstellen, Sprechen-zu-Sprechen-Übersetzung, Interfaces als Kleidungsstücke, Augmented reality, Gestenerkennung und "quantified self".
2. Maschinen statt Menschen
Die Vorteile, die es Firmen bringt, wenn man Menschen durch Maschinen ersetzen kann, liegen auf der Hand und sind bekannt. Maschinen könnten nicht nur schneller und billiger arbeiten, sondern neuerdings auch "besser", da sie rascher mehr Informationen aufbereiten können. Technologien, die man beobachten sollte, sind: holografische und 3D-Displays, autonome Fahrzeuge, mobile Roboter und virtuelle Assistenten.
3. Mensch und Maschine Hand in Hand
Eine neue Generation von Maschinen wurde entwickelt, um Menschen nicht zu ersetzen, sondern zu ergänzen. So IBMs Watson, der Ärzte als superschneller Research-Assistent bei der Diagnose unterstützen kann. Die Entwicklung von autonomen Fahrzeugen, mobilen Robotern, Kommunikation über natürliche Sprache und virtuelle Assistenten werden die Zusammenarbeit von Mensch und Maschinen fördern.
Möglich gemacht wird diese Szenarien durch den Forschritt in drei Technologie-Feldern: Maschinen "verstehen" Menschen und ihre Umgebungen besser, zum Beispiel durch Spracherkennung, die auch gewisse emotionale Signale interpretieren kann. Menschen "verstehen" Maschinen besser, zum Beispiel durch den massenhaften Einsatz von Sensoren (Internet der Dinge). Und Maschinen und Menschen werden im Umgang miteinander klüger.
Maschinen verstehen Menschen besser
Maschinen werden Menschen laufend besser interpretieren können. Es beginnt bei einfachen Aktionen: Maschinen zeigen eine Information, wenn ein bestimmter Mensch in der Nähe ist. Weiter geht es mit der Interpretation von Wertungen, zum Beispiel durch die massenhafte maschinelle Auswertung von Facebook-Einträgen zur Bewertung von Kundenreaktionen auf ein Produkt. Schliesslich werden virtuelle Assistenten komplexe Dialoge mit Menschen führen können. Technologien dafür sind bioakustische Wahrnehmung, smart dust (wer Stanislav Lem mag, kennt das Konzept), quantified self, Hirn-Computer-Schnittstellen, 3D-Scanner, Biochips, NLQA (natural language question and answering), Analyse von Zusammenhängen, Gestenerkennung und -Steuerung, biometrische Authentifizierungsmethoden, Spracherkennung und Ortung.
Menschen verstehen Maschinen besser
Wenn Maschinen mehr menschliche Tätigkeiten übernehmen sollen, so müssen Menschen ihnen vertrauen und sich sicher fühlen. Deshalb müssen sie auf Menschen reagieren können, zum Beispiel erkennen, wenn diese mit einer Antwort nichts anfangen können. Gartner nennt als Beispiel einen Robert namens "Kismet" (Schicksal, Vorsehung), dessen Sensoren soziale Zeichen erkennen können und der mit dem Darstellen von Gesichtsausdrücken reagieren kann. Wichtige Technologien in diesem Zusammenhang: Internet der Dinge, Maschine-zu-Maschine Kommunikation, Mesh Netzwerke und das Erkennen von Aktivitäten durch die Analyse der Datenströme von vielen Sensoren (unsere freie Übersetzung des Begriffs "sensor activity streams").
Maschinen und Menschen gemeinsam smarter
Der Aufschwung von Big Data, Datenanalyse und Ansätze zu "cognitive computing" (formerly known as "artificial intelligence") werde Entscheidungsfindung und Automatisierung für Menschen ermöglichen, während Maschinen "bewusster" und "intelligenter" würden, schreibt Gartner. Firmen sollten sich in diesem Zusammenhang Technologien wie Quantencomputer, In-Memory-Datenbanken, NLQA (siehe oben), Big Data, Cloud Computing und predictive analytics anschauen.
Wer nun Angst vor den "Emerging Technologies" auf Gartners Hype Cycle bekommen hat, der sollte sich nicht einschüchtern lassen. Manche der "Emerging Technologies", zum Beispiel "Virtual Reality" (remember 2nd Life), sitzen bei Gartner seit Jahren im "Through of Disillusionement" (Tal der Desillusion) und bewegen sich nicht. (Christoph Hugenschmidt)

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