"Menschkraft" als Elektrizitätsquelle und andere Zukunftsvisionen

20. Dezember 2011, 15:42
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Keine Science Fiction, sondern Technologien, die die Welt verändern werden, meint IBM.

Keine Science Fiction, sondern Technologien, die die Welt verändern werden, meint IBM.
"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen", soll der frühere deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt haben. Ein Expertenteam bei IBM hält sich schon seit einiger Zeit nicht an dieses Motto und hat zum sechsten Mal seine jährliche und immer wieder interessante Liste der "Five in Five" veröffentlicht: Fünf Technologietrends, die nach dem Glauben der IBM-Experten das Potential haben, innnerhalb der nächsten fünf Jahre unser Leben umzukrempeln. Die Liste beruht jeweils auf allgemeinen Markt- und Gesellschaftstrends sowie Inputs aus den IBM-Forschungslaboratorien.
Bewegung besser in Energie umsetzen
"Power to the People", sang einst John Lennon. Das ist lange her und IBM meint nun mit "People-Power" etwas ganz anderes: Alles was sich bewegt, erzeugt Energie, die theoretisch genützt werden könnte. So auch der Mensch, sinnieren die IBM-Leute, beim Gehen beispielsweise, beim Joggen oder Radfahren. Fortschritte in der Energietechnologie werden es Menschen erlauben, glauben sie, diese kinetische Enenrgie zu nützen. Über in Trottoirs eingebaute "parasitäre" Mechanismen könnte man so die "Trampelenergie" von Fussgängern einfangen. Oder ein Radler könnte beim Fahren gleich auch ein paar Akkus aufladen und selbst Strom für seinen Hausverbrauch erzeugen.
Sofern er denn bereit ist, den zusätzlichen Kraftaufwand zu leisten, denn leider entsteht die Energie denn doch nicht automatisch. Die zusätzlichen Watt, neben dem Weg, den man ja zurücklegen will, wollen erst in die Pedale gedrückt werden. Wer zudem nicht gerade Lance Armstrong ist, wird sowieso nur ganz wenige Lichtlein leuchten lassen können. Ein Live-Experiment der BBC zeigte vor zwei Jahren, dass es mit der heutigen Technologie etwa 10 gleichzeitig strampelnde Radler braucht, um einen Toaster zu betreiben, 17 für eine Waschmaschine, 24 für einen Backofen und nicht weniger als 78 für eine heisse Dusche.
Der Beitrag, den "Menschkraft" an unser Energieproblem leisten kann, ist also ziemlich beschränkt – diese IBM-Idee dient hauptsächlich dazu, Aufmerksamkeit zu erregen. Der wichtigere, ernste Hintergrund der IBM-Prophezeiung ist aber, effzientere Wege zum Einfangen von kinetischer Energie aus allen möglichen, wesentlich reichhaltigeren Quellen zu finden. In Irland forschen IBM-Leute beispielsweise an Möglichkeiten, die Wellenenergie von Ozeanen effizient und umweltverträglich zu nützen.
Nie mehr Passwörter brauchen
Die Systeme für die Nutzung von biometrischen Merkmalen zur Personenidentifizierung, wie Gesichts- und Stimmerkennung oder Retinascans, werden bald so weit entwickelt sein, dass man auf Passwörter völlig verzichten kann, glaubt IBM. Einem Geldautomaten müsste man zum Beispiel nur noch seinen Namen sagen, damit er Geld ausspuckt.
Eine Kombination der genannten Merkmale kann von Software auch zu einem einheltlichen Online-"Passwort" zusammengesetzt werden, das man für alle möglichen Services brauchen könnte. Laut IBM müssten die User aber eine einfache Kontrolle darüber haben, welche Informationen verwendet werden, damit sie Vertrauen in diese Art der Identifizierung fassen.
Gedankenlesende Geräte
"Gedankenlesen" sei nicht mehr Science Fiction, so IBM. Gemeint ist damit allerdings dann doch nicht wirkliches Gedankenlkesen, sondern die Benutzung von elektrischen Hirnimpulsen zur Steurung von Geräten mittels einfacher Befehle. Man denkt also beispielsweise "aufwärts", ein Headset mit Sensoren fängt das elektromagnetischen Muster auf, das dabei entsteht, eine Software interpretiert sie und der Cursor auf einem Bildschirm bewegt sich tatsächlich aufwärts. An der ETH-Lausanne wird als konkretes Beispiel dafür ein solches System zur Steuerung von Rollstühlen entwickelt.
IBM glaubt, dass in fünf Jahren die ersten kommerziellen Anwendungen dieser Technologie auftauchen werden, zuerst in der Gaming- und Unterhaltungsindustrie.
Der "digitale Graben" verschwindet
Auf der Erde leben etwa 7 Milliarden Menschen. Gegenwärtig trennt der "digitale Graben" noch die entwickelte Welt von der grossen Masse von Erdenbewohnern, die keinen oder kaum Zugang zu Informationstechnologie haben. Laut der IBM-Vorhersage werden mobile Zugangsgeräte aber immer billiger und in fünf Jahren sollen weltweit 5,6 Milliarden Handys, Smartphones und andere mobile Geräte verkauft worden sein - 80 Prozent der Menschen könnten also dann schon ein solches Gerät besitzen.
Bei IBM werden zudem Technologien zur Spracherkennung entwickelt, die es auch Analphabeten ermöglichen sollen, das Internet zu nutzen.
Spam bald tot
In fünf Jahren werden Spamfilter so raffiniert sein, dass man sich nie mehr mit Spam wird herumschlagen müssen, so die letzte Prophezeiung der IBM-Leute. Dies liegt unter anderem an Fortschritten der intelligenten Interpretation von Sprache im Stil des Jeopardy-spielenden Supercomputers Watson.
Was aber nicht heissen soll, dass es keine unerwünschten Werbenachrichten mehr gibt. Nur sollen diese für den einzelnen so relevant werden, dass er sie nicht mehr als "Spam" einordnet, sondern nützlich findet.
Dies soll der Zusammenzug von Online-Informationen aus verschiedensten Quellen, wie verwendete Suchbegriffe, gelesene Bücher, gehörte Songs, gelistete Interessengebiete persönliche Kalender und vieles mehr ermöglichen. Der IBM-Beitrag dazu wären Systeme, um die Daten zu integrieren und zu interpretieren. Ein Konzertveranstalter könnte einem so beispielsweise gleich zwei Tickets für das Konzert der Lieblingsband, das nächsten Monat tollerweise am einzigen noch freien Abend im eigenen Kalender stattfindet, reservieren und anbieten.
Trefferquote durchzogen
Die Liste ist allerdings eher dazu gedacht, die Gedanken anzuregen und auf Technologien mit hohem Potential hinzuweisen – ob diese dann auch wirklich unser Leben verändern, und das schon in wenigen Jahren, ist dagegen sehr unsicher. Die IBM-Auguren waren jedenfalls in den bisherigen Ausgaben keineswegs unfehlbar.
In der ersten Ausgabe der "Five in Five" von Ende 2006, in der also Technologien zu finden sein sollten, die mittlerweile unser Leben bestimmen sollten, findet man beispielsweise:
- Durchbruch von auf geografischen Daten basierenden Handy-Services. Fazit: Ziemlich eingetroffen.
- Das Internet wird von 3D-Welten à la Second Life dominiert, und zwar nicht nur in Online-Spielen. Fazit: Keine Spur davon.
- Gesundheitliche Fernüberwachung über das Internet durch vernetzte Sensoren im eigenen Heim. Fazit: Immer noch ein Thema, aber noch kaum Realität.
- Spracherkennung in Echtzeit. Fazit: Macht merkliche Fortschritte, aber erst seit kurzem.
- Nanotechnologie hilft bei der Entwicklung von umweltschonenderen Technologien. Fazit: Noch selten Realität. (hjm)

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