Microsoft bekennt Liebe zu Zürich

10. Dezember 2008, 14:11
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Im Zürcher Entwicklungszentrum für IP-gestützte Telekommunikationslösungen von Microsoft sollen in drei Jahren 200 Software-Spezialisten arbeiten.

Im Zürcher Entwicklungszentrum für IP-gestützte Telekommunikationslösungen von Microsoft sollen in drei Jahren 200 Software-Spezialisten arbeiten.
Gestern Dienstag hat Microsoft im Zürcher Kreis 2, in Wollishofen, das 'Development Center für Unified-Communications-Produkte' in Europa eingeweiht. In dem vor drei Monaten umgebauten Gebäude sollen künftig 200 Software-Entwickler arbeiten.
Trotz Banken- und Wirtschaftskrise wertet Microsoft in diesem Jahr den Standort Schweiz weiter auf. Laut Peter Waser, Chef Microsoft Schweiz, steht das gestern eröffnete neue Entwicklungszentrum an der Seestrasse nämlich in einer Reihe mit dem "Innovation Cluster for Embedded Software", der im Frühjahr mit der ETH Zürich und der EPF Lausanne gestartet wurde. Dazu komme die kürzlich initierte BizSpark-Initiative, mit der Schweizer Startups über drei Jahre kostenlos auf Entwickler-Tools von Microsoft zurückgreifen können. Und schliesslich sei soeben erst mit der Hochschule für Technik in Rapperswil die Unterstützung von Forschung und Praxis durch Schulungs- und Beratungsangebote von Microsoft vereinbart worden. Seine Liebe zur Schweiz und speziell zu Zürich symbolisierte Microsoft denn auch überdeutlich in Wollishofen, wo gestern Abend ein Feuerwerk in Form eines Herzens, das Zürich und Microsoft einschloss, abgebrannt wurde (Foto).
Die Welt braucht Gebhardts
Dass es überhaupt zu einem Development Center für Unified Communications Produkte in Zürich gekommen ist, verdankt Microsoft aber Erich Gebhardt. Er schreibt in den neuen Räumlichkeiten die Erfolgsgeschichte des im Jahr 2000 von ihm gegründeten Startups Media-Streams weiter. Das Unternehmen, das Software für Anwendungen rund um die Telefonie übers Internet (Voip) entwickelt, wurde Ende 2005 von Microsoft übernommen und ist nun nach drei Jahren zum ersten Development Center für Voip-Produkte in Europa aufgewertet worden. Drei weitere Labors für solche Anwendungen bestehen in China, Indien und am amerikanischen Hauptsitz in Redmond. Bei der gestrigen Eröffnung in Wollishofen stellte Elgar Fleisch, Professor an der ETH und der HSG, die Entwicklung von Media-Streams zu Microsoft als nur folgerichtig dar: "Solche Startups bringen mit ihren disruptiven Technologien dem Business neue Produkte, grosse Unternehmen wie Microsoft müssen Geld verdienen, sind von sich aus weniger innovativ und müssen dieses Wissen zukaufen". Deshalb brauche es eben viele Gebhardts, schob Fleisch nach.
Für die anwesenden Politiker spielte diese Diskussion keine Rolle. Vielmehr betonte der Zürcher Stadtrat und Finanzvorstand Martin Vollenwyder, dass mit dem neuen Entwicklungszentrum ein weiteres renommiertes Unternehmen den Standort Zürich aufwerte, weil neue hochwertige Arbeitsplätze entstehen werden. Trotz der Polemiken in den Medien seien Mitarbeiter aus Deutschland und der ganzen Welt herzlich willkommen in Zürich. Ausserdem fordere gerade die Krise in der Finanzindustrie eine Diversifikation in Branchen wie IT, betonte Vollenwyder. Mit dem Entwicklungszentrum an der Seestrasse erlebe zudem der Wissensstandort Zürich neuen Schub. Diesen Punkt betonte auch ETH-Professor Jürg Gutknecht, der darauf hinwies, dass mit Google, IBM und Microsoft in Zürich drei Riesen der IT-Branche das Studium an der ETH sehr attraktiv machen, was gerade im weltweiten Kampf um die besten Köpfe wichtig sei.
Kletterwand und Game Room
Ausschlaggebend für Wollishofen war laut Peter Waser, dass man am bisherigen Standort in Wallisellen aus allen Nähten platzt: "Für das Development Center hätte neu gebaut werden müssen", sagt Waser. Darum sieht er in dem Gebäude an der Seestrasse eine gute Alternative. Es bietet mit Game Room, Kletterwand und schnellem Seezugang eine vielversprechende Arbeitsumgebung für Software-Entwickler. Ein Problem steht Microsoft aber noch ins Haus. Denn die soeben bezogenen Räumlichkeiten in Wollishofen sollen statt der bisher 45 Mitarbeitern in drei Jahren Platz für 200 Entwickler bieten.Und die müssen erst noch gefunden werden. Bereits heute sind 16 Nationen im Hause vertreten und Firmensprache ist Englisch. Gebhardt gibt sich trotz der weiterhin fehlenden IT-Spezialisten optimistisch: "Wir holen die Mitarbeiter aus der ganzen Welt.". Und dann betont auch er, wie wichtig diesbezüglich die Zusammenarbeit mit den beiden ETHs und den Fachhochschulen ist. (Volker Richert)
(Foto: © by Andreas Heer.)

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