Microsoft ganz kuschelig

1. Dezember 2006, 19:05
  • kolumne
  • microsoft
image

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht
Microsoft will definitiv nicht mehr böse sein. Peter Waser, Jefe von Microsoft Schweiz, wurde beim offiziellen Launch von Windows Vista und Office 2007 nicht müde zu betonen, was für ein "guter Bürger" die Firma Microsoft (ein Schweizer KMU!) doch sei. Und man muss ihm in vielen Dingen Recht geben. Microsoft Schweiz stellt behinderte Menschen bevorzugt an und scheut sich nicht, den Schweizer Partnern eine schwarze Frau, die erst noch hochdeutsch spricht, als Betreuerin zur Seite zu stellen. Courage hat man bei Microsoft schon immer gehabt.
Ausserdem hilft der Megakonzern bei der Weiterbildung von Arbeitslosen, fördert Rumantsch und den barrierefreien Zugang zu Computern. Manch eine Firma könnte punkto Gleichberechtigung von Microsoft lernen.
Doch Waser stellte seine Firma auch als eine Art "Entwicklungshelfer" für die Schweiz dar. Mit einem Franken Umsatz für Microsoft werden gemäss Waser acht Franken Umsatz, der im Lande verbleibt, generiert. (Wir haben uns über diese Rechenspiele schon früher ausgelassen.) Und überhaupt wolle man mithelfen, dass "die Schweiz" nicht nur viel Geld für IT ausgibt, sondern diese auch produktiv nützt. Die Schweiz solle - mit Hilfe von Microsoft - wettbewerbsfähiger und sicherer werden.
Die Behauptung, dass in der Schweiz zu viel für Informationstechnologie ausgegeben wird, die zuwenig genützt wird, kann ich durchaus nachvollziehen. Doch hinter Microsofts Schalmeienklängen, die übrigens in anderen Ländern ganz ähnlich tönten, steckt Strategie: Die meisten Leute haben mühsam gelernt, mit Microsoft-Produkten zu arbeiten und sind nun ganz zufrieden, wenn das E-Mail funktioniert und die Excel-Makros auf Anhieb tun, was sie sollten. Warum sollte man denn neue Microsoft-Produkte (Vista, Office 2007) kaufen? Weil man viel mehr damit tun kann, wo man doch heute schon die meisten Funktionen nicht mal kennt?
Also müssen neue Argumente her: Wer Vista und Office 2007 (und Navision und Axapta und Exchange 2007 und die Mangement Konsolen und und und) kauft, kann produktiver arbeiten. Und weil Microsoft ja nicht gut sagen kann: "Werft den alten unsicheren Mist fort und kauft das neue Zeugs, das endlich ungefähr das kann, was wir vor 10 Jahren schon versprochen haben", sagt man heute: "Wir fördern die Produktivität". Was ja auch stimmt. Irgendwie.
Und: "Un train peut en cacher un autre": Microsoft hat viele Gründe zu Behörden besonders kuschelig zu sein. Es droht ODF - Open Document Format. Sollten Behörden beschliessen, nur noch Dokumente in einem offenen, XML-basierenden Standard zu akzeptieren, so würde Microsoft die Argumente ausgehen. Angesichts dieser Gefahr werden Player von A wie Aargau bis M wie Massachusetts wichtig...
Ganz persönlich finde ich Microsoft Schweiz aber schon seit etwa 9 Jahren recht kuschelig. Hart im Nehmen, cool mit der Presse (kein Vergleich mit dauer-betupften helvetischen KMU), nett im Umgang und mit einem Herz für die Kleinen. Und manchmal ziemlich erbarmungslos mit den Grossen. (Christoph Hugenschmidt)
(Dies ist die letzte Kolumne zum Thema Microsoft für mindestens 60 Tage. Versprochen.)

Loading

Mehr zum Thema

image

IT-Woche: Keine gute Woche für den IT-Journalismus

Bei der Computerworld wurde ein folgenschwerer Fehlentscheid getroffen.

publiziert am 3.2.2023
image

Vor 16 Jahren: Windows Vista erscheint

War es das schlechteste Windows aller Zeiten?

publiziert am 3.2.2023
image

ChatGPT wächst so schnell wie keine andere App

Der KI-Chatbot bricht Rekorde und verzeichnet 100 Millionen aktive Nutzer innert nur 2 Monaten. Nun soll bald ein Abo-Modell eingeführt werden.

publiziert am 2.2.2023
image

10?! Sabrina Storck, COO SAP Schweiz

Die Chief Operating Officer von SAP Schweiz erklärt, wie sich ihre Rolle als "Innenministerin" des Unternehmens wandelt und was es mit der Halbwertszeit von Ferienfotos auf sich hat.

publiziert am 2.2.2023