"Microsoft liebt Linux": Wie Microsoft die Cloud erobern will

21. Oktober 2014 um 11:46
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Microsoft sieht sich in einem Dreikampf mit Amazon und Google. Microsofts Azure soll ihn durch schiere Grösse, Direktsuppport durch Partner und Offenheit für sich entscheiden.

Microsoft sieht sich in einem Dreikampf mit Amazon und Google. Microsofts Azure soll ihn durch schiere Grösse, Direktsuppport durch Partner und Offenheit für sich entscheiden.
Microsofts CEO Satya Nadella hat ein neues Motto: "Microsoft liebt Linux". Wie Bitte? Nadellas Vorgänger Steve Ballmer hatte Linux noch als "Krebsgeschwür" bezeichnet. Aber Nadella gibt sich, um sich vom cholerischen Ballmer abzugrenzen, gerne als der "nette Herr aus Redmond". Der von Nadella an einem Cloud-Event in San Francisco geäusserte Spruch richtet sich zudem wohl mindestens so sehr an Mitarbeitende, die vielleicht noch ein bisschen in der Vergangenheit stecken, wie an Kunden. Und er ist Teil einer weitaus breiter gefassten Strategie: Wenn es dazu dient, seine Cloud-Plattform Azure zu fördern, lässt Microsoft alte Feindschaften fallen. Alle Drittunternehmen sind willkommen, ihre Lösungen auf Azure zu betreiben und anzubieten - sofern sie sie auch offiziell supporten, so dass Unternehmenskunden sie bedenkenlos verwenden können.
Enterprise Support durch Partner
Dies ist einer der drei Hauptpunkte, mit denen sich Microsoft im Cloud-Business von den Konkurrenten abheben will: Alle wichtigen darauf laufenden Lösungen sollen direkt durch ihre Anbieter unterstützt werden, so dass Unternehmen sie so problemlos verwenden können wie On-premise-Software. Wenn man also Oracle- oder Java-Apps auf Azure verwendet, wird dies sofern gewünscht von Oracle selbst unterstützt. Wenn man Hadoop, Cassandra oder MongoDB verwendet, gibt es auch hier offiziellen Enterprise-Support durch die Anbieter. Ebenso wie für mittlerweile fünf Linux-Distributionen - neu wird nun auch CoreOS auf Azure unterstützt.
Um noch mehr Partner einbinden zu können, hat Microsoft nun auch den Microsoft Azure Marketplace offiziell eröffnet. Darauf können Drittunternehmen Software-as-a-Service-Angebote sowie spezifische Datensätze anbieten.
Elf Millionen Server
Der zweite Hauptpfeiler der Azure-Strategie ist schiere Grösse. Microsoft sieht laut Nadella eigentlich nur zwei Gegner, die in dieser Beziehung einigermassen mithalten könnten: Amazon und Google. Sein Unternehmen, so implizierte Nadella, habe aber letztendlich die tiefsten Taschen, um seine Plattform auszubauen. Microsoft investiere aktuell 4,5 Milliarden Dollar pro Jahr in Azure. Gegenwärtig nehme man auch bereits 4,4 Milliarden Dollar pro Jahr durch Azure ein - rund 40 Prozent davon würden durch Partner und Startups generiert. Wöchentlich sollen rund 10'000 neue Kunden hinzukommen.
Wie hoch die laufenden Kosten von Azure sind, erwähnte Nadella nicht. Noch dürfte Microsoft also vor allem viel Geld in Azure stecken, in der Hofffnung auf künftige Profite.
Die Grundlage von Azure bilden laut Nadella mittlerweile nicht weniger als elf Millionen Server, verteilt auf 15 Regionen - zwei neue Regionen in Australien sollen in Kürze hinzukommen. Microsoft kann seine Cloud-Services damit zurzeit aus deutlich mehr Regionen anbieten als Amazon oder Google. Dies könnte in einer durch die NSA-Affäre aufgeschreckten Welt, die zunehmend Wichtigkeit auf regionale Datenhaltung legt, Bedeutung haben. In Europa betreibt Microsoft gegenwärtig zwei Azure-Regionen. Die Infrastruktur für die Region Nordeuropa ist in Irland stationert, die Server für die Region Westeuropa laufen in Holland.
A propos Server: Microsofts Scott Guthrie hat gestern auch die Lancierung neuer High-End-VMs für Azure angekündigt. Die virtuellen Maschinen der "G-Familie" weisen bis zu 32 CPU-Kerne, 450 GB RAM und 6,5 TB SSD-Speicherplatz auf. Passend dazu gibt es eine neue "Premium Storage"-Option mit bis zu 32 TB Speicherkapazität und einer Leistung von 50'000 IOPS pro VM.
Hybridfähigkeit und Azure als Appliance
Der dritte Vorteil, der Azure laut Microsoft von der Konkurrenz abhebt, ist die einfachere und engere Verzahnung mit Vor-Ort-Infrastrukturen. Cloud-Services sollen im "Mix-and-Match"-Verfahren genutzt werden können, um lokale Ressourcen zu ergänzen. Dabei können beispielsweise lokale Maschinen ein Active Directory auf Azure nützen, oder für lokale Server ein Failover auf Azure-Instanzen eingerichtet werden.
Am leichtesten ist eine solche Hybrid-Nutzung, wenn ein Kunde gleich eine eigene Azure-Plattform im eigenen Rechenzentrum betreibt. Um die Verbreitung solcher Installationen zu fördern, hat Microsoft gestern einen neuen Anlauf genommen, Azure als "Appliance" zu verkaufen. Der Hardware-Partner dafür ist Dell. Im Gegensatz zum ersten Versuch im Jahr 2010, damals zusammen mit HP, Dell und Fujitsu, sind die neuen Appliances nun kleiner - die kleinste Einheit ist nun ein statt vier Racks - und bieten deutlich mehr Anwendungsmöglichkeiten. (Hans Jörg Maron)
(Slide: Microsoft)

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