Microsoft liebt Zürich, Zürich liebt Microsoft

30. Mai 2006, 12:31
  • channel
  • microsoft
image

Mit der offiziellen Eröffnung des Microsoft-Entwicklungsstandorts Zürich wird der "Krieg um Talente" so richtig lanciert.

Mit der offiziellen Eröffnung des Microsoft-Entwicklungsstandorts Zürich wird der "Krieg um Talente" so richtig lanciert.
Fernsehen, Radio, Presse, Stapi, Standortförderer, Microsoft-Bosse: Alle kamen, um heute Mittag der offiziellen Einweihung des neuen Microsoft-Enwicklungsstandorts in Zürich Enge - nur wenige hundert Meter vom Zürcher Google-Hauptsitz entfernt - beizuwohnen. Der Einweihungsakt selbst (Bild: Stadtpräsident Elmar Ledergerber enthüllt eine Plexiglasscheibe) war für die Schweizer Software-Industrie wohl weniger bedeutsam als der erste "Recruiting"-Anlass des "Microsoft Developer Center for Collaboration Technologies" gestern Abend. Nun mischt auch Microsoft im heftiger werdenden "war for talents" auf dem Platz Zürich mit.
Das für Microsoft-Verhältnisse kleine Zürcher Entwicklungszentrum wird von Erich Gebhardt, einem der Gründer des letzten November übernommenen Internet-Telefonie-Spezialisten media-streams, geleitet. Heute hat das Entwicklungszentrum "nur" 18 Mitarbeitende, Gehardt will aber rasch die "kritische Grösse" von 20 bis 50 oder mehr qualifizierten Software-Ingenieuren erreichen. Wie gross, das Zentrum einmal werden soll, konnte und wollte Gebhard an einem der offiziellen Eröffnung vorangehenden Podiumsgespräch nicht sagen: "Das hängt davon ab, ob wir gute Software nach Redmond liefern."
ETH, Unternehmergeist, Lebensqualität
Während SP-Politiker Ledergerber und Wirtschaftsförderer Stephan Kux die Lebensqualität in und um Zürich (und damit sich selbst) lobten, sagte Microsoft-Top-Mann Gurdeep Singh Pall einfach, Microsoft gehe überall dorthin, wo es Talente gebe. Tatsächlich ist das Zürcher Zentrum auch nur ein kleiner Teil der Microsoft-Entwicklungsressourcen im Umfeld von IP-basierten Kommunikationslösungen. Weitere Entwicklungszentren der "Unified Communications Group" gibt es neben Redmond auch in Peking und in Hyderabad.
Einen interessanten Aspekt, warum Zürich für die Software-Industrie zu einem attraktiven Standort geworden ist, erwähnte ETH-Forschungsleiter Dimos Poulikakos: In der Schweiz ist unternehmerisches Denken stärker Teil der Ausbildung als anderswo.
Microsoft wurde übrigens ohne steuerliche Privilegien nach Zürich gelockt, wie Kux betonte: "Microsoft braucht keine Wirtschaftsförderung."
Informatik-Ausbildung wird attraktiver
Kurzfristig problematisch könnte der "Krieg um Talent" zwischen IBM, Google, Microsoft, die nun alle in und um Zürich forschen und entwickeln, für die starke, lokale Szene der Software-Hersteller und IT-Dienstleister werden. Doch Crealogix-Chef Bruno Richle hat wohl Recht mit der Bemerkung, dass der Nutzen für lokale Informatik-Firmen langfristig höher ist, als die Gefahr, qualifizierte Leute nur noch schwer zu finden. Richle: "Junge Leute sehen nun, dass der Standort Zürich für ein Informatik-Studium attraktiv ist. Für die Software-Industrie sind das die richtigen Zeichen, die auch einen Kontrapunkt zum Offshoring (Verlagerung von IT-Arbeitsplätzen nach Übersee) setzen." (Christoph Hugenschmidt)
(Foto: v.l.r.: Gurdeep Singh Pall, Leiter Online Cooperation Entwicklung bei Microsoft, Elmar Ledergeber, Stadtpräsident Zürich, Erich Gebhardt, Leiter des MS-Entwicklungszentrums in Zürich)

Loading

Mehr zum Thema

image

Geopolitische Lage dämpft Erwartungen der Schweizer ICT-Branche

Der Swico-Index zur Stimmung in der ICT-Branche ist erneut rückläufig. Die Anbieter glauben aber, dass sich die Auftragsentwicklung positiv entwickelt.

publiziert am 28.9.2022
image

Der CTO von Microsoft Azure will künftig auf Rust setzen

Weil die Programmiersprache sicherer und zuverlässiger als C und C++ ist, soll sie in Zukunft vermehrt zum Einsatz kommen. Der C++-Erfinder hingegen sieht die Ablösung als "gewaltige Aufgabe".

publiziert am 28.9.2022
image

Abra Software will nach Besitzerwechsel expandieren

Das Investment-Unternehmen Elvaston hat die Aktienmehrheit übernommen. Nun soll der ERP-Anbieter durch weitere Akquisitionen wachsen.

publiziert am 28.9.2022
image

Zweites Rechenzentrum für Google Cloud in der Schweiz kommt bald

In 12 bis 18 Monaten will Google hierzulande sein zweites RZ für die Cloud-Dienste eröffnen. Zum gleichen Zeitpunkt soll die Sparte profitabel werden. Dies hat Cloud-Chef Roi Tavor im Rahmen eines Medienroundtables verraten.

publiziert am 28.9.2022