Microsoft "Live Mesh": Schlüsseltechnologie oder glorifiziertes Synchronisationstool?

23. April 2008, 15:58
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Microsoft gewährt einen ersten Blick auf seinen neusten Internetservice.

Microsoft gewährt einen ersten Blick auf sein neusten Internetservice.
Microsoft hat gestern mit einem beschränkten Nutzerkreis von rund 10'000 Personen einen Betatest für seinen kommenden "Live Mesh"-Service gestartet. Im Herbst soll ein offener Betates folgen. Wann der Service ganz freigegeben werden soll, ist noch nicht bestimmt worden.
Live Mesh zielt auf Heimanwender. In der aktuellen Betaversion können nach der Anmeldung für den Service PCs, auf denen Windows Vista oder XP läuft, ins persönliche Mesh eingebunden werden. Danach kann man auf den Geräten befindliche Ordner im Mesh freigeben, wodurch sie automatisch jederzeit zwischen allen Geräten und auch dem "Live Desktop" im Internet (siehe unten) synchronisert werden. Diese Ordner können zudem für weitere Meshes anderer Nutzer freigegeben werden. So kann man Live Mesh zusätzlich als simples Kollaborationstool verwenden: Änderungen im Ordner werden angezeigt und man kann, wenn man ihn geöffnet hat, auch gleich mit anderen Usern chatten.
Ausserdem bietet Live Mesh über den Live Remote Desktop Fernzugriff auf alle eingebundenen PCs. So kann der Usern nicht nur die Daten sondern auch die darauf befindlichen Programme nutzen. Im Live Mesh enthalten ist auch der "Live Desktop". Über diesen kann man auch sich auch von fremden Geräten aus in sein eigenes Live Mesh einklinken und zudem bietet er zusätzlichen Speicherplatz.
Live Mesh dürfte, wenn der Service auf den Markt kommt, in einer Grundversion gratis sein. Microsoft überlegt sich derzeit, ob auch werbefinanzierte oder erweiterte Bezahlversionen hinzukommen könnten.
Das alles tönt noch nicht sehr aufregend: Es gibt schon viele Tools für Fernzugriff, Filesynchronisation sowie das Speichern und Teilen von Daten übers Internet. Dass Microsoft diese in einem Service zusammenfasst, scheint nützlich aber nicht revolutionär.
Mit Live Mesh verfolgt Microsoft aber trotzdem ergeizige Ziele: Der Service soll ein Eckstein seiner "Software + Services"-Strategie werden, durch welche der Softwareriese hofft, auch im Internet der Zukunft eine Schlüsselrolle zu behalten. Konkurrenten wie Google, IBM, Sun und Co. tendieren zu einer Zukuftsvision, in der immer mehr PC-Applikationen in die "Cloud", die Internet-Wolke, abwandern, während die Endgeräte mehrheitlich zu reinen Zugangs- und Eingabegeräten werden, deren Betriebssystem keine Rolle spielt.
Microsoft hingegen möchte die Applikationen selbst so weit wie möglich auf den Endgeräten halten, wo Microsoft seine beste Trumpfkarte ausspielen kann: Die enge Integration mit Windows und anderen Microsoft-Programmen. Die aus dem Internet gelieferten Services, wie eben Live Mesh, sollen es ermöglichen, dass auch so die gleichen Vorteile und der Konfort - unter anderem Zugriff von überall und einfache Zusammenarbeit - geboten werden können wie durch reine Internet-Services.
Live Mesh soll Geräte- und OS-unabhängig werden
Live Mesh soll letztendlich, in der grossen Vision wie sie General Manager Amit Mital in einem Blogeintrag schildert die Standard-Drehscheibe sein, über die Anwender von überall her ihre persönliche "digitale Welt" – Geräte, Daten und Applikationen - verwalten und nutzen können. Dies soll, und das ist ein Knackpunkt für Live Mesh, für möglichst alle gebräuchlichen Endgeräte, vom Handy bis zum Desktop und egal, mit welchen Betriebssystem sie laufen, möglich werden.
Wie so viele Microsoft-Produkte soll ausserdem auch Live Mesh eine Plattform sein, für die andere Softwareentwickler Zusatzanwendungen schreiben können, so dass sie mit der Zeit an Attraktivität gewinnt, sowohl für die Anwender als auch für die IT-Branche.
Gerade von der Geräte- und OS-Unabhängigkeit ist die aktuelle Live Mesh-Version aber noch weit entfernt, und Skeptiker bezweifeln, dass Microsoft sie in nützlicher Frist erreichen kann. Momentan funktioniert Live Mesh wie erwähnt nur mit Geräten, auf denen Windows-Vista oder XP läuft. Als nächstes, so Amit Mital, soll Unterstützung für Macs und einige mobile Geräte hinzukommen. Danach wolle man "auf dieser Basis weiterbauen." (Hans Jörg Maron)

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