Microsoft macht Schluss mit Office-Graumarkt

20. Oktober 2006, 07:35
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    Assemblierer erhalten Pre-Installations-Kit - keine Office-CDs mehr für Endkunden bei System-Builder-Versionen

    Assemblierer erhalten Pre-Installations-Kit - keine Office-CDs mehr für Endkunden bei System-Builder-Versionen.
    Wer ein sehr sehr günstiges aber legales Office-Paket kaufen will, tummelt sich am besten im Internet. Da gibt es Anbieter (Steg, PCP, ...), die unter verschiedenen Titeln OEM-Versionen von Office 2003 zu einem sensationellen Preis anbieten. Solche Versionen sollten eigentlich ausschliesslich mit einem PC oder Notebook gebündelt verkauft werden. Offenbar schaffen sie es aber trotzdem immer wieder in die virtuellen Regale der Online-Händler.
    Mit Office 2007 wird dies nicht mehr möglich sein, denn Microsoft liefert Assemblierern und grösseren PC-Herstellern keine Software-CDs von Office mehr aus. Stattdessen gibt es eine Master-DVD, mit der Assemblierer die für ihre Märkte wichtigen Office-Versionen auf den PC laden kann. Der Der Endkunde kann Office gleich mit dem PC kaufen - er bekommt dann aber keine Datenträger mehr, sondern einen Produkte-Schlüssel. Er kann sich aber auch erst nach dem Kauf des PCs oder Notebooks - nachdem er Office ausprobiert und womöglich bereits viele wichtigen Daten angesammelt hat - für den Kauf der Büro-Suite entscheiden.
    Support und Online-Verkauf von Microsoft direkt
    Im steten Bemühen die eigene Marge hochzuhalten, rückt Microsoft näher zum Anwender. Der Support wird bei den vorinstallierten Office-Paketen durch Microsoft direkt erbracht. Doch nicht nur das: Wer eine "Ausprobier"-Version von Office hat, oder wer auf eine teurere Office-Version (siehe unten) umsteigen will, kann die Lizenzschlüssel auch direkt bei Microsoft online kaufen. Allerdings werden die Preise bei Microsoft "immer", so Office-PM Karin Tognella, höher sein, als wenn man die Lizenzschlüssel beim PC-Händler oder Assemblierer kauft.
    Backup-CD nur von Microsoft und nur auf Verlangen
    Der Redmonder Riese meint es offenbar sehr ernst mit der Ausrottung von illegalen Software-Kopien. Eine Backup-CD oder -DVD kann man von den vorinstallierten Software-Paketen nicht ziehen. Vorsichtige Anwender werden deshalb sofort nach dem Kauf eines PCs bei Microsoft Backup-Medien bestellen und bezahlen dafür Datenträger und Porto. Zu Diskussionen führen dürfte die Anforderung, dass Kunden eine Kaufquittung an Microsoft senden müssen, um an eine Recovery-DVD zu gelangen.
    "Office Ready PC", "Office Trial" und "Office Step-Up": Verschiedene Pakete für OEMs und Distribution
    Gleichzeitig versucht Microsoft, die verschiedenen Office-Bündel (mit oder ohne Access, Outlook oder den neuen Zusammenarbeitstools) sehr exakt auf die verschiedenen Anwendergruppen und Vertriebskanäle zuzuschneidern. Mittelgrosse OEMs, die über die Distribution einkaufen, können über den Retail "Office Trial"-PCs verkaufen. Diese enthalten MS Works sowie eine Testversion von Office, die man nachträglich (zum guten OEM-Preis) lizenzieren kann.
    Indirekt belieferte OEMs und Assemblierer (System Builders im Microsoft-Lingo) können "Office Ready"-PCs verkaufen, grosse PC-Hersteller wie etwa HP und Dell werden "Office Step-Up" vermarkten. Kauft der Kunde (auch nachträglich) eine Office-Lizenz, so erhalten Hersteller und Händler eine Kommission.
    Neu: "Student & Home"-Version für den Retail
    Bei den acht (!) verschiedenen Office-Paketen gibt es in diesem Zusammenhang einige interessante Neuerungen. So werden "Office Enterprise" und "Office Professional Plus" nur über Volumenlizenzen ("Open", "Select" etc.) vertrieben. Für den Retail, wo Office meist zusammen mit einem PC verkauft wird, gibt es neu eine "Office Home & Student" (Outlook, Powerpoint, Excel, Word). Kunden müssen sich nicht mehr als Studenten ausweisen, um diese günstige Version zu kaufen. Neu wird es für den Retail (Heimanwender) auch "Office Ultimate" (mit "InfoPath" und "Groove") geben.
    KMU-Kunden sollen durch OEMs und Assemblierer mit Office Professional, Office Small Business (mit Publisher und dem neuen Outlook Kontaktmanager) und "Office Basic" (Outlook, Excel, Word) bedient werden.
    Up-Up-Upselling (und nix klauen)
    Mit den neuen, medienlosen Office-Paketen für Assemblierer und OEMs versucht Microsoft zwei Fliegen auf einen Schlag zu erschlagen.
    Man will einerseits dem Graumarkt mit OEM-Officen den Garaus machen. Wer einen PC mit Office kauft, erhält keine Programm-Datenträger mehr, diese kann man deshalb auch nicht mehr separat verkaufen. Ausserdem wird die Software an den PC geknüpft, auf dem sie vorinstalliert wurde. Einzig die "Home & Student"-Version darf zu Hause auf maximal 3 PCs installiert werden.
    Andererseits versucht man den Kunden dazu zu verleiten, mehr Software zu kaufen. In den ersten 60 Tagen nach dem Kauf eines PCs vom Assemblierer oder im Retail funktionieren nämlich die Office-Produkte in ihrem vollen Umfang. Erst nach 60 Tagen kann man dann nur noch die Teile benützen, die man auch gekauft hat oder, falls man eine Testversion hat, muss man den Office-Schlüssel beim Händler holen gehen.
    Wir kennen die Margen für Office 2007 für Assemblierer und OEMs nicht genau - könnten uns aber vorstellen, dass der Verkauf der Lizenzschlüssel lukrativer sein wird, als der Handel mit "Kiste" überhaupt. (Christoph Hugenschmidt)

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