Microsoft: Mit "Dynamics" auf ERP-Konfrontationskurs

7. September 2005, 12:20
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Microsoft hat seine Zukunftspläne für die Microsoft Business Solutions enthüllt.

Microsoft hat seine Zukunftspläne für die Microsoft Business Solutions enthüllt.
Mittelgrosse Unternehmen, das ist eine Erkenntnis, die sich bei vielen grossen IT-Anbietern in letzter Zeit durchsetzt, sind eine eigene Käuferschicht mit speziellen IT-Bedürfnissen, die sich weder mit den Bedürfnissen von Grossunternehmen noch von Kleinunternehmen decken. Ausserdem, das steckt natürlich hinter dieser Erkenntnis, sind sie eine äusserst lukrative Käuferschicht: Nach neueren Schätzungen gibt es weltweit zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Firmen mit 50 bis 1000 Angestellten.
Wie Microsoft-CEO Steve Ballmer in einem "Executive Mail" erklärt, hat die gegenwärtige Business-Software seiner Meinung nach zwei Hauptdefizite für mittelgrosse Unternehmen. Auf der einen Seite gebe es die "Produktivitätssoftware" (gemeint sind hauptsächlich Office, Outlook und ähnliche Programme). Diese sei heute aber für alle Angestellten gleich und nicht wirklich auf ihre unterschiedlichen Jobfunktionen zugeschnitten. Und auf der anderen Seite sei die vorhandene Business Software (ERP, Supply Chain Management, CRM) für mittelgrosse Unternehmen viel zu komplex, um sie den real vorhandenen Prozessen innerhalb einer Firma anpassen zu können. Was Microsoft nun versuchen wolle, sei es, diese Lücke zwischen Office und Business-Software zu überbrücken und auf mittelgrosse Unternehmen zugeschnittene Software zu entwickeln.
Ballmer mag Recht haben, wenn er die Angebote der unmittelbaren internationalen Konkurrenten wie Oracle oder SAP zum Vergleich heranzieht. (Allerdings haben auch diese ähnliche Pläne wie Microsoft). Was Ballmer allerdings geflissentlich übersieht, ist die weltweite und gerade in der Schweiz besonders zahlreich vertretene Szene der lokalen Softwarehersteller, die bisher genau in dieser Lücke im Angebot der Softwareriesen ihren Nährboden fand. Die Konkurrenz zwischen Microsoft und diesen lokalen Herstellern – viele davon sind bisher notabene Microsoft-Partner – wird sich in Zukunft erheblich verstärken, wenn sie weiterhin von Grund auf eigene Lösungen entwickeln wollen.
Rollenbasiertes ERP
Für die bisher unter dem Namen "Microsoft Business Solutions" zusammengefassten Business-Softwarelinien haben die Redmonder einen neuen Markennamen kreiert: "Dynamics". Bis Ende 2006 soll für jede der Linien ein grösserer neuer Release herausgebracht werden und bei dieser Gelegenheit wird dann jeweils auch der neue Name eingeführt. Aus Microsoft CRM wird dann Microsoft Dynamics CRM, "Microsoft Business Solutions-Axapta" wird zu "Microsoft Dynamics AX" und "Microsoft Business Solutions-Navision" wird zu "Microsoft Dynamics NAV". (Great Plains erhält den Kürzel GP und Solomon den Kürzel SL.)
Diese nächsten Versionen werden gemäss Tami Reller, Corporate Vice President bei Microsofts Business Solutions Group, eine gemeinsame Client-Technologie aufweisen. Diese soll sehr stark mit Office integriert, an die vertrauten Oberflächen von Office und Outlook angelehnt und, wohl eine der wichtigsten Neuerungen, dem Job des Benutzers angepasst sein. Gemäss Microsoft-CEO Steve Ballmer sollen etwa 50 der meistverbreiteten Rollen in einem mittleren Unternehmen berücksichtigt werden, vom Chef über den Buchhalter bis zum Lagerarbeiter.
Schrittweise zum Einheits-ERP
Mit den nächsten Wellen von Releases (ab 2008) soll dann auch auf der Serverseite die Technologie schrittweise vereinheitlicht werden, bis zuletzt die Kürzel AX, NAV usw. wegfallen und ein einheitliches "Microsoft Dynamics" entsteht. Dieses soll die besten Features der bestehenden Produktelinien vereinen - das Projekt "Green" lebt also unter neuem Namen weiter. Microsoft Dynamics CRM wird allerdings ein Standalone-Produkt bleiben.
Die Kunden, so versichert Microsoft dabei, sollen dadurch trotzdem nicht in eine Upgrade- und Kostenschraube gezwungen werden. Das "Transformational Assurance"-Programm wird den Kunden gemäss Reller garantieren, dass sie auch in der zweiten Release-Welle eine ihrer bisherigen Lösung entsprechende Funktionalität ohne Zusatzkosten erhalten können und im Rahmen des "Microsoft Business Solutions Enhancement"-Programms sollen sie den Umstieg auf "Dynamics" nach ihren eigenen Zeitvorstellungen bewerkstelligen können. (Hans Jörg Maron)

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