Microsoft-Rückzieher: XP darf auch auf billigen Desktops weiterleben

4. Juni 2008, 10:09
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Bloss: Was genau ist ein "Nettop"?

Bloss: Was genau ist ein "Nettop"?
Microsoft gibt in Sachen Windows XP ein weiteres Stück nach, wie an der IT-Messe Computex in Taiwan bekannt gegeben wurde: Nachdem der Softwareriese schon im April PC-Herstellern erlaubt hatte, noch mindestens bis 2010 Mini-Notebooks mit Windows XP auszuliefern, gilt dasselbe nun auch für Billig-Desktops, beziehungsweise eine von Microsoft "Nettops" genannte Klasse von PCs. Damit macht Microsoft einen Rückzieher: Noch im April wurde die Möglichkeit einer Ausweitung des Arrangements auf Desktops kategorisch verneint.
Nettop?
Wie ein Netttop, beziehungsweise ein "Ultralowcost-PC" genau definiert wird, erklärte Microsoft allerdings nicht. Der Ausdruck wurde ursprünglich von Intel geprägt, und soll PCs beschreiben, die vor allem für Aktivitäten im Internet, wie Surfen, Mailen, Chatten usw. gedacht sind. Ob und welche Vorschriften Microsoft den Herstellern in Bezug auf zukünftige XP-Desktops machen wird, ist unklar. Gemäss 'Computerworld' deutete der Microsoft-Mann Rob Young an, dass man zumindest keine genauen Hardware-Spezifikationen für den Einsatz von XP geben werde. Man sei sich mit den Herstellern aber ziemlich einig, was ein Nettop sei, und was nicht. Sicher in diese Klasse fällt als Beispiel die "Eee Box", die Asus an der Computex zeigt. Microsoft arbeitet mit gegenwärtig rund 20 Herstellern zusammen, darunter Acer, Asus, Dell, HP und Lenovo, die XP-Nettops auf den Markt bringen möchten.
Sprachliche Windungen
In seiner offiziellen Mitteilung zu dieser Sache redet Microsoft verschämterweise nur von "Windows", und nimmt das Kürzel XP kein einziges Mal in den Mund. Dieses unspezifizierte "Windows", so die revolutionäre Erkenntnis von Microsoft, sei vielen PC-Usern "vetraut", und diese würden es darum gerne auch auf den neuen Billig-PCs einsetzen. Erst auf Nachfrage der Presse räumten Microsoft-Vertreter in Taiwan ein, dass XP gemeint sei. Vielleicht ist ja auch eine kleine Namensänderung geplant, um XP zu tarnen? Genuine Windows Genuine Vista Advantage Bonus Experience Advantage? Oder so...
Offenbar haben die Strategen in Redmond entschieden, lieber nicht zu erwähnen, dass es halt nicht möglich ist, das hardwarehungrige Windows Vista auf den boomenden Billig-Laptops und Desktops zu verwenden. Der unerwartete Markterfolg dieser Geräteklasse in den letzten Monaten hat die Redmonder anscheinend auf dem falschen Fuss erwischt - nun müssen sie die mit dem Weiterleben von XP verbundenen Kosten für die Pflege und den Vertrieb des zusätzlichen Betriebssystems in Kauf nehmen. Die einzige Alternative zu diesem wiederwillig gefassten Entschluss wäre es aber gewesen, das ganze Feld Linux zu überlassen. Damit wäre Windows wohl zum ersten Mal seit vielen Jahren in Gefahr gewesen, ernsthaft Marktanteile bei Client-Betriebssystemen einzubüssen. (hjm)

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