Microsoft: Software-Piraterie als Entwicklungshilfe?

4. März 2008, 13:29
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Eine Keynote zum Thema, wie IT gegen globale Bedrohungen genutzt werden kann und zwei unerwartete Zitate.

Eine Keynote zum Thema, wie IT gegen globale Bedrohungen genutzt werden kann und zwei unerwartete Zitate.
Das den Bereichen IT und Telekommunikation Schlüsselrollen bei der Koordination der Entwicklung des "globalen Dorfes", aber auch bei der Vermeidung und Bewältigung von Katastrophen in selbigen zukommt, ist spätestens seit dem Jahr 2000 beschlossene Sache. Damals verabschiedeten 189 Staaten die Millennium Development Goals. Mit Ramu Damodaran, Chef des Civil Society Service der UNO, Karl-Heinz Streibich, CEO Software AG und Kevin Turner, Microsofts COO, konnte die CeBIT einige hochkarätige Referenten gewinnen, um die Frage nach den realen Möglichkeiten zu beleuchten.
Ramu Damodaran fasste seine Wünsche an die IT-Welt in dem Akronym CHIPS zusammen. C für Communication, dem gleichberechtigten Zugang aller zum Wissen der Menschheit. H für eine offene Hierarchie des Wissens, in der Schulkinder Nobelpreisträger "fragen" könnten. Hinter I verbirgt sich Involvement, Engagement und eine Mentalität des nicht Wegsehens. P als Platzhalter für Proximity (Nähe), für das Bewusstsein, dass das globale Dorf klein ist und auch Ereignisse am anderen Ende der Welt direkte Auswirkungen auf einen haben können. Für das S wählte er dann ein Wort aus der deutschen Sprache: Schadenfreude. Schadenfreude darüber, wie viel Ungemach moderne Kommunikation all den totalitären und diktatorischen Regimen täglich bereiten kann.
Wer nun einen entsprechend globalen Ansatz im Beitrag von Karl-Heinz Streibich erwartet hatte, wurde enttäuscht. Anhand eines Projekts für die britische Regierung schilderte der CEO der Software AG die (Kosten-)Vorteile, die auch Behörden und Verwaltungen aus moderner Software ziehen können. Schon fast auf dem Rückweg zu seinem Stand wurde er dann kalt von einer Nachfrage der Moderatorin Susanne Müller-Zantrop erwischt. Auf die Frage, was er denn von High-End-Software-Lieferungen an eher zweifelhafte Regime halte, rutschte ihm der Satz raus, "Es gibt doch eine Blacklist, die die USA festgelegt haben", an die man sich halte. Da half auch kein Relativieren mehr, dass ebenfalls EU und deutsche Bundesregierung entsprechende Lieferbeschränkungen definieren würden. Wer beim globalen Softwarevertrieb den Inquisitor spielt, war jedem im Saal plötzlich klar.
Microsofts COO Kevin Turner (Bild) blieb es überlassen, Trends in Visionen umzuwandeln. Seine persönliche Top 4 der wichtigsten IT-Entwicklungen sind Mobilität, Virtualisierung, Zusammenarbeit (Collaboration) und Wissensmanagement. Nach seiner Aussage ist Sharepoint das am schnellsten wachsende Produkt in Microsofts bisheriger Firmengeschichte. Das derzeit überall propagiert "SaaS" (Software-as-a-Service) sähe Microsoft dagegen nicht als Universalheilmittel. Man bevorzuge Software-plus-a-Service (SpaS), da man überzeugt sei, dass es auch in Zukunft ein Dreistufenmodell der Kundenwünsche geben würde. Dinge, die weiterhin lokal installiert sein sollten, die durch Partner angeboten würden und natürlich SaaS als Internetangebot.
In der anschliessenden Fragestunde wurde er auf das zukünftige Engagement von Microsoft in der Entwicklungshilfe und die Preispolitik des Unternehmens in Ländern der Dritten Welt angesprochen. Nach einem Hinweis auf das gerade gestartete Dreamspark-Programm, verwies er auf die Raubkopie-Raten von teilweise 80 bis 100 Prozent in vielen Ländern und nannte Softwarepiraterie auch eine Möglichkeit (der Entwicklungshilfe). Er habe erst bei Microsoft wirklich begriffen, dass kein Listenpreis, egal wie günstig, mit "gratis" konkurrieren könnte. (Thomas Mironiuk)
(Foto © Microsoft: Kevin Turner)

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