Microsoft steigt bei Facial-Recognition-Startup aus

30. März 2020, 11:59
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Die Redmonder verkaufen ihre Beteiligung an Anyvision. Man wolle eine grössere "Kontrolle über die Nutzung sensibler Technologien".

Microsoft werde seine Beteiligung an Anyvision verkaufen. Bei Anyvision handelt es sich um ein israelisches Startup, das im Bereich der Gesichtserkennung tätig ist. Die Ankündigung folgt nach einer Kontroverse um das Startup: 'NBC News' berichtete im Herbst 2019, die Technologie werde von der israelischen Regierung zur Überwachung der palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland eingesetzt. 
Eine von Microsoft in Auftrag gegebene unabhängige Untersuchung habe ergeben, dass die Anyvision-Technologie nicht für ein Massenüberwachungsprogramm im Westjordanland zum Einsatz komme, so ein gemeinsames Statement von Microsoft und Anyvision. Die Überprüfung sei aber durch "rechtliche Einschränkungen bei der Offenlegung sensibler Informationen" begrenzt gewesen, heisst es weiter.
Der Audit-Prozess habe somit auch gezeigt, wie limitiert die Kontrollmöglichkeiten von Microsoft bei Minderheitsbeteiligungen seien. Solche Investitionen würden nicht das Mass an Aufsicht ermöglichen, das Microsoft über die Nutzung der eigenen Technologie ausübe, heisst es weiter.
Microsoft beteiligte sich im Juni 2019 über seinen Investment-Arm M12 an Anyvision. Das Startup gab damals bekannt, eine Finanzierungsrunde über 74 Millionen Dollar abgeschlossen zu haben.
Gleichzeitig kündigt nun Microsoft an, seine globale Investitionspolitik entsprechend anzupassen. Man wolle künftig keine Minderheitsbeteiligungen mehr an Unternehmen erwerben, die im Bereich der Gesichtserkennung tätig seien. Der Schwerpunkt von Microsoft habe sich auf Geschäftsbeziehungen verlagert, die eine "grössere Aufsicht und Kontrolle über die Nutzung sensibler Technologien" ermögliche, heisst es im Statement.

Microsoft entwickelt eigene Technologie zur Gesichtserkennung

Dies bedeutet aber nicht, dass Microsoft den Bereich Gesichtserkennung vollständig aufgibt, wie 'The Verge' betont. Mit der "Face API" bieten die Redmonder ein eigenes Tool für Entwickler, das es ermöglicht, Gesichtserkennung in Apps zu integrieren. Aber Microsoft werde niemals Gesichtserkennungstechnologie für Überwachungszwecke verkaufen, sagte Chief Legal Officer, Brad Smith, gemäss dem Bericht. Ausserdem habe Smith zu Protokoll gegeben, dass den Strafverfolgungsbehörden der Zugang zu dieser Technologie verweigert werde, da sie zu Menschenrechtsverletzungen beitragen könnten. 

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