Microsoft strebt in die Telefonzentralen der Grossfirmen

19. Januar 2007, 17:27
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Nortel-Microsoft-Allianz kündigt erste Produkte an

Nortel-Microsoft-Allianz kündigt erste Produkte an
Microsoft strebt mit aller Macht an das Geschäft mit Kommunikationslösungen für grosse und mittelgrosse Firmen. Umgekehrt streben aber auch Netzwerker wie Cisco und Avaya in den Software-Markt. So hat Cisco diesen März auch eine Desktop-Software namens Unified Personal Communicator vorgestellt.
Um sich das nötige Wissen für komplexe Telefonie-Lösungen rasch anzueignen, haben Microsoft und Nortel vergangen Juli eine weit reichende Allianz verkündet. Mitte dieser Woche nun traten gleich die Chefs beider Firmen, Steve Ballmer und Mike Zafirovski in New York vor die Presse und stellten die ersten konkreten Ergebnisse der Allianz vor. Dass man die beiden Schwergewichte auf die Bühne brachte, sollte wohl zeigen, dass man es mit dem Bündnis ernst meint.
Die beiden kündigten drei Produkte an. Alle drei zielen auf den Markt für Kommunikationslösungen von Grossfirmen. Im vierten Quartal soll es eine Telefonzentrale für Firmenzweigstellen ("UC Integrated Branch") geben. In der Hardware soll Software von Nortel und Microsoft integriert werden. Darüber, wer die Hardware bauen wird, wurde nichts gesagt.
Weiter sagten die beiden, dass Nortels IP Telefonzentrale "Communication Server 1000" ab dem zweiten Quartal vollständig mit dem Microfts "Exchange Server 2007 Unified Messaging" aber das VoIP-Protokoll SIP reibungslos zusammenarbeiten könne. Die beiden werden die kombinierten Lösungen auch zusammen vermarkten und Nortel wird dazu Integrationsdienstleistungen anbieten.
Videokonferenzen auf Microsofts "Office Communicator 2007"
Als dritte Neuheit kündigten Ballmer und Zafirovski die Integration von Nortel Multimedia-Konferenz-Funktionen in Microsofts kommenden "Office Communicator 2007" an. Der Nachfolger des "Live Communications Server" wurde eben in die erste Phase der Beta-Tests geschickt und enthält auch Komponenten aus der Küche der von Microsoft übernommenen Zürcher Media-Streams.
Noch in diesem Jahr soll es auch eine einheitliche PC-Software samt "Softphone", IM und E-Mail-Client für Nortels grosse Telefonzentrale "Communication Server 2100" (bis 200'000 User) geben.
Kommuniziertes Ziel von beiden Firmen ist es, die Unternehmenskommunikation auf eine Software-Plattform zu übertragen. So soll es ein "Unified Communications Contact Center", eine Lösung für Callcenter geben. Infrastruktur für Callcenter sind einer der Spezialitäten der kanadischen Nortel.
Wandert die Verantwortung für Telefonie ins Rechenzentrum?
Für die seit dem New-Economy-Crash arg gebeutelte Nortel scheint das Bündnis mit Microsoft sehr wichtig zu sein. So will Nortel zusammen mit Partner wie HP eine Reihe von Dienstleistungen rund um Microsofts Kommunikations-Server anbieten.
Auch Cisco und vor allem IBM mit den "Lotus"-Kommunikationsumgebungen gehen in eine ähnliche Richtung. Damit wandern die komplexen Telefoniefunktionen, die mit dem Aufkommen "Voice-over-IP" erst gerade zur Domäne der Netzwerker geworden ist, einen Schritt weiter in die Rechenzentren und damit in die Kompetenz der IT-Abteilungen. (Christoph Hugenschmidt)

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