Microsoft und Schweizer Schulen kommen sich näher

21. Januar 2011, 16:58
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Kanton Luzern steht kurz vor der Unterzeichnung eines Vertrages mit Microsoft zur Lieferung des Pakets "[email protected]". Kritik bleibt - trotz Anpassung der Datenschutzbestimmungen.

Kanton Luzern steht kurz vor der Unterzeichnung eines Vertrages mit Microsoft zur Lieferung des Pakets "[email protected]". Kritik bleibt - trotz Anpassung der Datenschutzbestimmungen.
Noch kein Jahr ist es her, seit publik wurde, dass die "Schweizerische Fachstelle für Informationstechnologien im Bildungswesen" (educa.SFIB) den angeschlossenen Schulen empfahl, künftig auf Microsoft-Software zu verzichten. Grund für diese Empfehlung waren Bedenken bezüglich des Datenschutzes, die Angst, von einem einzelnen Anbieter abhängig zu sein sowie die offenbar mangelhafte Funktionalität des Microsoft-Pakets "[email protected]", das speziell für Schulen konzipiert ist und "als Service" übers Internet bezogen werden kann. Auch wurde kritisiert, dass Microsoft Schullizenzen mit dem Kauf der Online-Dienstleistungen zu verknüpfen versucht habe und damit faktisch eine Preiserhöhung durchsetzen wolle.
Microsoft konterte, dass die Datenschutzerklärung in definitiver Form noch gar nicht vorliege und dass man nicht von einer angedrohten Preiserhöhung sprechen könne.
Schon einige Tage nach dem Bekanntwerden des Streits zwischen educa.SFIB und Microsoft wurde aber klar, dass die Verhandlungen noch nicht gescheitert waren. In den folgenden Monaten wurde weiter vor allem über die Datenschutzbestimmungen diskutiert. Wie Philipp Negele, Bildungsverantwortlicher bei Microsoft Schweiz, gegenüber inside-it.ch sagt, gibt es seit Ende 2010 neue Bestimmungen, die aber nur den Kunden – sprich Schulen – zur Verfügung gestellt werden. "Wir haben die Datenschutzbestimmungen an Schweizer Verhältnisse angepasst", so Negele.
Luzern kurz vor Vertragsunterzeichnung
Das Entgegenkommen hat sich für Microsoft gelohnt. Heute machte die 'Neue Luzerner Zeitung' publik, dass Microsoft kurz vor der Unterzeichnung eines Vertrages mit dem Kanton Luzern steht. Damit könnten bis zu 20'000 Schüler die kostenlose Software-Plattform von Microsoft nutzen. Kritisiert wird aber, dass Microsoft Eigenwerbung machen darf und Zugriff auf gewisse Daten hat.
Als Werbeplattform werde man "[email protected]" nicht missbrauchen, sagt jedoch Negele. Vielmehr könne man etwa die Nutzer über die Plattform auf Updates und Neuerungen hinweisen, wie etwa auf das im Sommer erwartete neue Schul-Paket Office 365 for Education – aber auch das nur mit Einverständnis der Schule. Was den Datenschutz betrifft, betont Negele im Gespräch mit inside-it.ch, dass man die Audit-Rechte gestärkt habe, sprich: die Schule kann jetzt Auskunft darüber verlangen, welche Daten über Schüler gespeichert werden. Microsoft wird gemäss der 'Neuen Luzerner Zeitung' voraussichtlich Daten wie Vor- und Nachname, plus E-Mail-Adresse aller beteiligten Luzerner Schüler erhalten. "Microsoft hat sich verpflichtet, diese Daten nicht an Dritte weiterzugeben und nicht für fremde Werbezwecke zu verwenden", wird Markus Michel, Leiter Fachbereich Informatik Mittelschulen beim Luzerner Bildungsdepartement, in der Zeitung zitiert.
Gewisse Bedenken bezüglich des Datenschutzes bleiben trotzdem. Robert Koller, Direktor des Schweizerischen Medieninstituts für Bildung und Kultur (Educa), gegenüber der 'Neuen Luzerner Zeitung': "Eine Lehrperson ist nicht befugt, die persönlichen Daten von Schülern ohne deren Einwilligung an von Dritten einsehbare Orte auszulagern." Der Luzerner Datenschutzbeauftragte Amédéo Wermelinger meint dazu: "Wenn eine Einwilligung notwendig ist, hat der Schüler natürlich auch das Recht, diese zu verweigern." Weiter wird auf die alternative Plattform Educanet2 hingewiesen, die von Bund und Kantonen finanziert wird und ebenfalls kostenlos ist.
An den Luzerner Berufs- und Kantonsschulen dürfte "[email protected]" trotzdem schon ab diesem Sommer zur Anwendung kommen, falls es zu einer Vertragsunterzeichnung kommt. Demnächst soll ein Pilotprojekt beginnen. Luzern wäre damit der erste Kanton, der einen solchen Vertrag mit Microsoft abschliesst. Wichtig dabei: Die Teilnahme der Berufs-, Kantons- und eventuell Volksschulen bleibt freiwillig. (mim)

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