Microsofts API-Offerte: "Der Teufel steckt im Detail"

22. Februar 2008 um 11:20
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Erste Reaktionen der IT-Szene auf Microsofts neue Charme-Offensive fallen vorsichtig positiv aus. Man erinnert sich an zuviel gebrochene Versprechen, um nun uneingeschränkt an das Gute im Software-Riesen zu glauben.

Erste Reaktionen der IT-Szene auf Microsofts neue Charme-Offensive fallen vorsichtig positiv aus. Man erinnert sich an zuviele gebrochene Versprechen, um nun uneingeschränkt an das Gute im Software-Riesen zu glauben.
Wenn es nach Microsoft-Chef Steve Ballmer geht, sollte die Welt sein Unternehmen nicht länger als Saulus, sondern als wahrlich geläuterten Paulus wahrnehmen. Offenheit, Zusammenarbeit und Respekt für Konkurrenten aller Orten. Daher hätte Microsoft sich auch, wie wir gestern berichteten, entschlossen, bis spätestens Juni eine Vielzahl von APIs (Application Programming Interfaces) und Kommunikationsprotokollen zu veröffentlichen. In einem ersten Schritt stellte das Unternehmen Informationen auf 30'000 Dokumentenseiten bereit. Und nein, Druck seitens der EU-Kommission hätte damit aber auch rein gar nichts zu tun. Es ist zudem reiner Zufall, dass nächste Woche die Internationale Organisation für Normung (ISO) in Genf über Microsofts proprietären Standard OOXML als alternatives ISO-Format zum Open Document Format (ODF) entscheidet.
Dementsprechend vorsichtig fielen auch die ersten Reaktionen aus. In höflicher Diplomatensprache begrüsste die EU-Kommission würden durch diese Entscheidung nicht beeinflusst.
Der Gründer des Open-Source-Projekts Samba, Jeremy Allison, wird von 'cnet' derweil mit den Worten zitiert, "der Teufel stecke im Detail". So sei die Zusicherung, lediglich nicht-kommerzielle Open-Source-Entwickler nicht zu verklagen, im Grunde bedeutungslos.
In die gleiche Kerbe schlägt das European Committee for Interoperable Systems (ECIS), in dem sich unter anderem Sun Microsystems, Opera und RealNetworks zusammengeschlossen haben. Thomas Vinje, Rechtsberater und Sprecher der ECIS beginnt seine Einschätzung mit den Worten: "The proof of this pudding will be in the eating". Es müsste sich also erst noch zeigen, ob Microsoft wirklich zu den gemachten Aussagen und Angeboten stehe.
Damit trifft die ECIS die Grundstimmung der Open-Source-Community. So erklärte etwa der Open-Source-Anbieter Red Hat in einer ersten Stellungnahme, man betrachte die Ankündigungen mit einer "gesunden Portion Skepsis". Und selbst Ronald Stäferle, ein Analyst der Östereichischen Erste-Bank wird von 'pressetext' mit den Worten: "Hinter den Ankündigungen ist eher eine Charmeoffensive und weniger ein wirklicher Strategiewechsel zu sehen", zitiert.
Für die Mannen von Steve Balmer fängt die eigentliche Arbeit also jetzt erst an. Es gilt mit Taten die Skeptiker zu überzeugen. Dann "würde die Welt ein besserer Ort", wie es Jeremy Allison formulierte. (Thomas Mironiuk)

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