Milliarden-Poker um die Bildschirm-Industrie in China.

17. August 2010, 09:29
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China hält Koreas LCD-Panel-Riesen hin: Beijing favorisiert chinesische Unternehmen, Foxconn lockt mit Technologietransfer

China hält Koreas LCD-Panel-Riesen hin: Beijing favorisiert chinesische Unternehmen, Foxconn lockt mit Technologietransfer.
Von günstigen Löhnen und dem gewaltigen Absatzpotenzial angelockt, drängen derzeit alle grossen LCD-Panel-Hersteller nach China, das sich anschickt, die USA als grössten Einzelmarkt abzuhängen. Während Beijing die einheimische Industrie und Hersteller aus Taiwan favorisiert, werden Samsung und LG Display beim Bau neuer Fabriken ausgebremst.
Die für April erwartete Genehmigung der mit Milliarden von Dollar veranschlagten Bau-Vorhaben der koreanischen Riesen, steht immer noch aus, entsprechend schlecht ist die Stimmung bei den Koreanern. Laut Vertretern beider Unternehmen hat Beijing bisher keine Erklärung für die schleppenden Genehmigungsverfahren geliefert. LG musste deswegen schon eine für August 2010 geplante Pressetour mit dem CEO absagen, berichtet 'The Korean Times'. Samsung will im Reich der Mitte ein 7.5G-Werk zur Verarbeitung von 4,3 Quadratmetern grossen Muttergläsern hochziehen, LG Display ein 8.5G-Werk für Substratflächen von 5,5 Quadratmetern.
BOE Technology, Chinas grösster Panel-Hersteller, baut zwar selbst auch an einem solchen Werk der 8.5 Generation, steckt aber wie seine einheimischen Mitbewerber noch bis 2011 hauptsächlich in der 5G-Produktion. Die dort verarbeiteten Glassubstrate von maximal 1,5 Quadratmetern sind für die grossen TV-Panels zu klein und unökonomisch.
Taiwanische Bildschirm-Industrie wandert aufs Festland
Anfang 2010 hat Taiwans Regierung grünes Licht für den Bau von LCD-Panel-Werken in China signalisiert. Nachdem schon fast die gesamte Notebook-Industrie hinübergewandert ist, fällt damit eines der letzten Verbotsschilder seit der vor 20 Jahren eingeleiteten Öffnungspolitik. AU Optronics (AUO) hat gleich im Februar die Errichtung eines 7.5G-Werkes beantragt, wartet aber immer noch auf die Zustimmung aus Taipei. Ein unlängst unterzeichnetes Economic Cooperation Framework Agreement (ECFA) hat für weiteres Tauwetter zwischen den beiden offiziell verfeindeten Bruderländern gesorgt. Im Juni 2010 hat Foxconn (Hon Hai Precision Industry) als Mutter von Chimei Innolux (CMI) Pläne für den Bau einer 8.5G-Fabrik in Chengdu, Provinz Sichuan, vorgelegt. Der Komplex soll fünf Milliarden Dollar kosten und nach Fertigstellung 100'000 Menschen beschäftigen.
"China favorisiert die Foxconn Technology Group", zitiert The Korean Times eine nicht genannte Quelle. Ihr zufolge soll der umstrittene Apple-Partner unter anderem auch mit Technologie-Know-how für organische Leuchtdioden (OLEDs) gelockt haben. Beijings Verzögerungstaktik gegenüber Samsung und LG Display erfolge auf Druck der einheimischen LCD-Panel-Industrie, weil man deren technologischen Vorsprung fürchte, erklärte ein anderer Top-Manager.
Überproduktion und Preisskämpfe absehbar
Taiwans Hersteller werden zwar ebenfalls als Konkurrenz angesehen, sind aber eher willkommen, wobei man insgeheim auch hofft, über die in der gemeinsamen chinesischen Kultur so wichtigen "Guanxi" (persönliche Beziehungen) oder über Abwerbung an Technologietransfer zu gelangen. Egal welche ausländischen Panel-Hersteller China ins Land lässt, wird der zu erwartende Boom beim Bau neuer Fabriken letztendlich in neuen Überkapazitäten und weiter sinkenden Preisen münden. Relativ enttäuschende Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2010 haben die beiden Schreckgespenster im ewigen Schweinezyklus jetzt schon wieder wachgerufen. (Klaus Hauptfleisch)

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