Milliardenabschreiber für Swisscom

14. Dezember 2011, 09:35
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Der Wert der italienischen Tochter Fastweb wird um 1,3 Milliarden Euro nach unten berichtigt. Die Wirtschaftslage in Italien ist schuld, sagt Schloter.

Der Wert der italienischen Tochter Fastweb wird um 1,3 Milliarden Euro nach unten berichtigt. Die Wirtschaftslage in Italien ist schuld, sagt Schloter.
Swisscom nimmt einen Abschreiber von rund 1,3 Milliarden Euro auf seine 2007 übernommmene italienische Tochter Fastweb vor, wie der 'Blick' heute Morgen aufgrund eigener Recherchen berichtet. Swisscom wollte die Wertberichtigung laut 'Blick' eigentlich erst morgen bekannt gegeben, hat aber nun aufgrund der Story die Sachlage in einer Eilmitteilung bereits bestätigt, und dabei seine Sicht der Dinge geschildert.
Laut Swisscom wird der Abschreiber den diesjährigen Konzerngewinn, wenn man die daraus resultierenden tieferen Steuern berücksichtigt, um rund 1,2 Milliarden Franken tiefer ausfallen lassen. Den Cashflow tangiert dies aber nicht, und Swisscom betont auch gleich, dass die Dividende für die Aktionäre ebenfalls nicht geschmälert werde. Im Gegenteil, Swisscom wolle an der nächsten Generalversammlung sogar vorschlagen, die Dividende um knapp 5 Prozent zu erhöhen.
Der Wert des Breitbandproviders Fastweb, für dessen Übernahme Swisscom insgesamt rund 4,9 Milliarden Euro ausgab, wird nun aber in der Bilanz nur noch mit 2,9 Milliarden Euro angegeben. Ein Buchverlust also von rund 35 Prozent. Der Kauf von Fastweb war damals die erste grosse Aktion von CEO Carsten Schloter, der ein Jahr zuvor das Zepter beim Ex-Monopolisten Swisscom übernommen hatte.
Dumm gelaufen aber kein Beinbruch
Schloter begründet den Abschreiber mit den gesunkenen Wachstumsaussichten für Fastweb, unter anderem aufgrund der schlichten Wirtschaftslage in Italien. Auch andere italienische Telcos hätten dieses Jahr deshalb Abschreibungen vornehmen müssen. Fastweb habe vor allem Probleme im Privatkundenmarkt, wo unter anderem der heftige Preiskampf die Einnahmen schmälere.
Daneben bemüht sich Schloter vor allem darum, den Eindruck zu widerlegen, dass die Übernahme von Fastweb ein grosser Fehler war, beziehungsweise gar ein "Desaster" sei, wie der 'Blick' schreibt. Es handle sich um eine gesamtwirtschaftliche Entwicklung, in der sich Swisscom bewege, sagt ein leicht zerknittert wirkender Carsten Schloter beispielsweise in einem (möglicherweise notfallmässig gestern Nacht gedrehten) kurzen Video zum Thema, und es wäre darum völlig "falsch, die Zukunft eines einzelnen Unternehmens in Frage zu stellen."
In der Mitteilung betont Swisscom, dass der 2007 bezahlte Preis "aus damaliger Sicht angemessen" gewesen sei. Zudem habe Fastweb letztes Jahr (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) immerhin 490 Millionen Franken eingenommen und der Umsatz sei seit 2007 um 50 Prozent gewachsen. Die Wachstumsprognosen für die Zukunft hat Swisscom nun aber deutlich zurückgenommen. 2007 war man noch von einem jährlichen Wachstum von knapp 10 Prozent für Fastweb ausgegangen. Im neuen Geschäftsplan, so schreibt Swisscom heute, rechne man nun noch mit durchschnittlich jährlich 2,5 Prozent Wachstum für die nächsten fünf Jahre. (Hans Jörg Maron)
(Foto: Swisscom)

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