Milliardenpoker um Elpida

11. April 2012, 12:56
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Der Pleite gegangene Speicherchip-Hersteller Elpida steht im Interesse vieler Industriegrössen wie Hynix oder Micron. Sie wollen vor allem eins nicht: dass Samsung zum Zug kommt.

Der Pleite gegangene Speicherchip-Hersteller Elpida steht im Interesse vieler Industriegrössen wie Hynix oder Micron. Sie wollen vor allem eins nicht: dass Samsung zum Zug kommt.
Wegen der stark sinkenden DRAM-Preise ohnehin leidend, hat der Nachfrageeinbruch in Folge der Flutkatastrophe in Thailand Elpida Memory den Rest gegeben. So musste das im Jahr 2000 von NEC und Hitachi gegründete japanische Unternehmen Ende Februar Konkurs beantragen. Doch mittlerweile haben sich mit SK Hynix (kurz Hynix), Micron und einer Investorengruppe einige Interessenten gefunden, denen die Übernahme der Pleitefirma Milliarden von Dollar wert sein könnte.
Wie vermutet wird, geht es ihnen dabei in erster Linie um das Geschäft mit mobilen DRAMs und Speicherlösungen, wie sie in Apples iPhones und iPads verbaut werden, als Gegengewicht gegen den übermächtigen Marktführer Samsung. Vor allem wollen sie sicher gehen, dass kein anderer sich die Rosinen wegschnappt, so die Nachrichtenagentur 'Bloomberg'. Samsung beherrscht immerhin 54 Prozent des Weltmarktes für mobile DRAMs, gefolgt von Hynix mit 21 Prozent und Elpida mit 17 Prozent, so zumindest die Zahlen des taiwanischen Industrie- und Marktforschungsinstituts TrendForce fürs vierte Quartal 2011.
Hynix, Nummer zwei der Speicherchip-Hersteller, hat am 30. März sein Angebot für Elpida unterbreitet. Am 6. April folgte das Gebot der Private-Equity-Gesellschaft TPG Capital. Toshiba, neben Samsung führend bei NAND-Flash-Chips, könnte sich Hynix anschliessen. Der US-Hersteller Micron Technology soll ebenfalls schon Interesse angemeldet haben, berichteten 'Nikkei' und andere japanische Medien.
40 Prozent der mobilen DRAMs, die Elpida in Hiroshima fertigt, gehen an Apple, wird Amir Anvarzadeh, ein Equity-Sales-Manager bei BGC Partners in Singapur, zitiert, der in einem Telefoninterview mit 'Bloomberg' sagte, das Business sei so ziemlich "das einzige von Wert" bei Elpida.
Derweil spielen offenbar alle möglichen Bieter mit versteckten Karten, denn keine der Seiten wollte sich offiziell dazu äussern. Auch Micron-Präsident Mark Adams nicht. Ein Sprecher des amerikanischen Unternehmens hat immerhin eingeräumt, dass man an einer Konsolidierung interessiert sei. An einer Konsolidierung könnte auch Apple gelegen sein, denn über Smartphones und Tablets spinnefeind, würde das Unternehmen bei Komponenten mit einem starken neuen Lieferanten etwas weniger abhängig von Samsung werden.
Billig zu haben wird Elpida bei einem Schuldenberg von 448 Milliarden Yen oder rund 5,5 Milliarden US-Dollar allerdings für keinen der möglichen Bewerber. Wie Bank of America Merill Lynch am 30. März mitteilte, müsste der Käufer in den nächsten 12 bis 18 Monaten drei Milliarden Dollar aufwenden, um das Unternehmen wieder konkurrenzfähig zu machen. Hinzu kämen noch einmal bis zu zwei Milliarden Dollar an die Schuldner, die ihrerseits Forderungen von mindestens drei bis vier Milliarden Dollar geltend machen könnten. (kh)

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