Millionen-Deal: Bund will Datennetz auslagern

10. Juni 2011 um 13:30
  • e-government
image

Der Bund bereitet zurzeit eine Ausschreibung vor, welche das Outsourcing der Datenkommunikation vorsieht. Für die Sicherheit des Datentransports bleibe man aber weiterhin selber zuständig, versichert der Bundes-CIO.

Der Bund bereitet zurzeit eine Ausschreibung vor, welche das Outsourcing der Datenkommunikation vorsieht. Für die Sicherheit des Datentransports bleibe man aber weiterhin selber zuständig, versichert der Bundes-CIO.
Die Bundesverwaltung betreibt in der Schweiz rund 2000 Standorte. Hinzu kommen diverse Niederlassungen im Ausland, etwa jene des Aussendepartements. Die Infrastruktur für die Datenkommunikation betreibt der Bund zurzeit teilweise selbst - nun soll sie ausgelagert werden, wie der Bundesrat heute beschlossen hat. Peter Fischer, Delegierter für die Informatikstrategie des Bundes, erklärt gegenüber inside-it.ch, dass man sozusagen den untersten Teil der Wertschöpfungskette der Datenkommunikation auslagern wolle. Geplant ist, dass sowohl der Layer 1, also die eigentliche, physische Infrastruktur (vor allem Glasfaserkabel), als auch der Layer 2 outgesourct wird. Unter Layer 2 versteht man den Transport der Daten über den Layer 1.
Fischer betont jedoch, dass man gewisse Leistungen weiterhin selber betreiben möchte. Gemeint ist damit vor allem die Sicherheit der Datenübertragung – angesichts immer ausgeklügelterer Hackerattacken scheint es auch richtig, dass ein Staat die Hoheit über die Datensicherheit nicht aus der Hand gibt. Der Bund wird also auch weiterhin für Bereiche wie Firewall, VPN oder Verschlüsselung zuständig sein. "Das machen wir grundsätzlich weiterhin selber. Punktuell können wir aber auch hier mit externen Partner kooperieren", so Fischer. Das werde man aber allenfalls in Zukunft prüfen.
Swisscom, Sunrise... Stadtwerke?
Zurzeit ist der Bund daran, die Ausschreibung vorzubereiten. Fischer schätzt, dass in der zweiten Jahreshälfte 2012 oder Anfang 2013 mit der Umsetzung der Auslagerung begonnen werden kann. Gemäss Fischer wird die Auslagerung voraussichtlich kaum einen Stellenabbau zur Folge haben. "Denn aufgrund der wachsenden Nachfrage wird mehr Leistung produziert werden müssen", sagt Fischer. Er wollte keine Angaben darüber machen, mit welchem Preis der Bund rechnet. Als Anhaltspunkt darf man festhalten, dass der Bund jährlich mehrere zig Millionen Franken für die Datenkommunikation (ohne Telefonie) ausgibt.
Als potenzielle Outsourcer dürften die grossen Telekom-Provider in der Schweiz infrage kommen, etwa BT, Swisscom, Sunrise, UPC Cablecom, Orange Business Services oder Colt. Angesichts des fortschreitenden Baus von Glasfasernetzen in der Schweiz scheint es aber auch möglich, dass Stadtwerke zum Zug kommen könnten. Sie könnten die Datenkommunikation über die zurzeit entstehende Infrastruktur anbieten – die hohen Baukosten könnten so schneller amortisiert werden. (Maurizio Minetti)

Loading

Mehr erfahren

Mehr zum Thema

image

Graubünden führt E-Bau ein

Seit Anfang April läuft die Anbindung der ersten Gemeinden. Bis im Herbst sollen alle Gemeinden, die möchten, das Bau­be­willigungs­verfahren digital abwickeln können.

publiziert am 17.4.2024
image

Solothurn findet neuen Outsourcing-Partner

Nach 30 Jahren wird Regio Energie als Outsourcing-Partner der Stadt Solothurn abgelöst. Den Auftrag erhalten hat das französische Unternehmen Bouygues Energies & Services.

publiziert am 17.4.2024
image

Panne im Nationalrat: Abstimmungen verschoben

Nach 30 Betriebsjahren streikte die elektronische Abstimmungsanlage des Parlaments zum ersten Mal. Die Panne ist mittlerweile behoben.

publiziert am 17.4.2024
image

Politik will Standards für Praxis- und Klinikinformationssysteme

Der Nationalrat hat ein Postulat von SP-Nationalrätin Sarah Wyss angenommen. Es fordert Mindeststandards für Primärsysteme im Gesundheitswesen.

publiziert am 17.4.2024