Millionenauftrag des Kantons Zug an IT&T - ohne Ausschreibung

3. Februar 2014, 11:02
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Der Kanton Zug will seine Finanzsoftware erneuern. Den Auftrag im Wert von über drei Millionen Franken dazu erhielt Mitte Dezember die Firma IT&T - ohne Ausschreibung. IT&T ist eine Tochterfirma von Fritz & Macziol, die wegen des Seco-Skandals in aller Munde ist.

Der Kanton Zug will seine Finanzsoftware erneuern. Den Auftrag im Wert von über drei Millionen Franken dazu erhielt Mitte Dezember die Firma IT&T - ohne Ausschreibung. IT&T ist eine Tochterfirma von Fritz & Macziol, die wegen des Seco-Skandals in aller Munde ist.
Finanzlösungen für Kantone gibt es in der Schweiz einige, die Konkurrenz ist hart. Das sollte die Kantonsverwaltungen freuen, denn wo die Konkurrenz hart ist, fallen die Preise. Trotzdem hat der Kanton Zug den Auftrag für die Erneuerung der Finanzsoftware nicht ausgeschrieben sondern am 10. Dezember freihändig vergeben (siehe Screenshot).
Gewinner des Auftrags in der Höhe von über drei Millionen Franken ist die Rotkreuzer Firma IT&T. Die Tochter der Firma Fritz & Macziol hat eine auf Microsoft-Software (Dynamics NAV) aufbauende Gemeinde- und Kantonslösung entwickelt. Im Sommer 2010 gewann sie mit "newsystem public", wie die Lösung heisst, eine umstrittene Ausschreibung des Vereins SSGI (Schweizerische Städte- und Gemeindeinformatik).
Dies sei auch mit ein Grund dafür gewesen, dass man den Auftrag für die Erneuerung der Finanzsoftware nicht offen ausgeschrieben hat, sagte heute der zuständige Zuger Regierungsrat Peter Hegglin zu inside-it.ch. "Der Kanton Zug ist Mitglied des SSGI. Der SSGI hat eine Submission gemacht, IT&T hat gewonnen", so Hegglin.
Ausserdem setze man bereits heute Microsoft Dynamics NAV als Finanzlösung ein. Es gehe nur um ein Update, so Hegglin. 3,26 Millionen Franken sind allerdings für ein reines "Update" einer Finanzlösung, auch wenn es sich um eine Software für eine mittelgrosse Schweizer Stadt handelt, ein stolzer Betrag.
Keine Strafanzeige im Kanton Zug, auch Stadt Zürich überprüft Aufträge an Fritz&Macziol
Vergangenen Donnerstag erschütterte ein Bericht des Tages-Anzeigers, deren ehemalige Mitarbeiter der Bestechung verdächtigt werden, beliefert auch an viele Kantone und Gemeinden.
Anders als der Bund, hat der Kanton Zug gemäss Hegglin keine Strafanzeige wegen Verdachts auf unregelmässige Geschäfte in Zusammenhang mit der Beschaffung bei Fritz & Macziol oder deren Tochterfirma IT&T eingereicht. Es gebe bis jetzt keine Hinweise auf unrechtmässige Vorgänge, so Hegglin. Man habe am Freitag der Finanzkontrolle einen Auftrag zur Untersuchung der Vorgänge erteilt und diese habe sofort alle Unterlagen und Verträge behändigt, sagte der Zuger Regierungsrat.
Auch die Stadt Zürich wurde aktiv. "Eine interne Überprüfung hat ergeben, dass die Aufträge korrekt abgewickelt wurden. Um vollständige Transparenz herzustellen, halten es aber Finanzvorstand Daniel Leupi und die OIZ für angezeigt, die Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen zusätzlich von einer unabhängigen Stelle untersuchen zu lassen", schreibt die Stadt Zürich heute in einer Mitteilung.
Andere Behörden glauben sich auf der sicheren Seite. So verzichten die Kantone Obwalden, Nidwalden auf eine Untersuchung. Auch Appenzell Ausserrhoden sieht keinen Handlungsbedarf, wie die Nachrichtenagentur sda berichtet. Der Kanton habe Informatikprogramme nach einer vom Verband Schweizerischer Städte- und Gemeinde- Informatik (SSGI) verantworteten Ausschreibung gekauft, sagte Georg Amstutz, Informationschef von Appenzell Ausserrhoden.
Der Kanton Graubünden hatte laut Angaben von Regierungsrätin Barbara Janom im Jahr 2011 eine Geschäftsbeziehung mit den beschuldigten Firmen. Der Auftrag damals sei im offenen Submissionsverfahren vergeben worden. "Im Moment haben wir keinerlei Verdachtsmomente, dass etwas nicht korrekt gelaufen wäre", sagte die Bündner Finanzdirektorin der sda auf Anfrage.
Die Firma Fritz & Macziol teilte uns am Samstag mit, man kooperiere mit den Behörden und untersuche die Vorgänge intern. (Christoph Hugenschmidt/sda)
Screenshot oben: Amtsblatt des Kantons Zug vom 31.1.2014

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