"Minority Report" wird Realität - wegen Big Data

16. August 2013, 14:08
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Ein US-Datenspezialist hat eine Software entwickelt, mit der man voraussagen kann, ob jemand ein Verbrechen begehen wird. Grundlage sind Daten einer Firma, die "Background Checks" anbietet.

Ein US-Datenspezialist hat eine Software entwickelt, mit der man voraussagen kann, ob jemand ein Verbrechen begehen wird. Grundlage sind Daten einer Firma, die "Background Checks" anbietet.
Der US-Big-Data Spezialist Jim Adler hat eine Software gebaut, mit der man voraussagen kann, ob jemand ein schweres Verbrechen begehen wird. Und er stellt eine einfache Demo kostenlos zum Ausprobieren auf seiner Blogseite zur Verfügung. Um genau zu sein: Adler behauptet nicht, seine Software könne zukünftige Verbrecher identifizieren, aber sie demonstriert, wie und mit welchen Daten eine solche Software gebaut werden könnte.
Adlers Software, die stark an den Schrecken des Science-Fiction-Thrillers "Minority Report" erinnert, ist relativ primitiv gebaut. Er benützt Daten seines ehemaligen Arbeitgebers Intelius. Diese Firma bietet sogenannte "Background Checks" an und besitzt unter anderem Daten zu 630 Millionen Kriminalfällen und 40 Millionen Angeklagten der USA. Aus diesen Daten filterte Adler Angaben über alle Menschen heraus, die seit 1980 im Bundesstaat Kentucky mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. Daraus hat er dann ein Profil des typischen Verbrechers geschustert, dank dem man voraussagen kann, ob jemand ein Verbrechen begehen wird.
Adler verwendet erstaunlich wenige Kriterien (siehe Screenshot). Wieviele kleinere Verbrechen man begannen hat, wieviele davon nicht Verstösse gegen die Verkehrsregeln waren, ob man Mann oder Frau ist, Tattoos hat und Angaben zu Augen-, Haar- und Hautfarbe. Logisch, dass Adlers Software junge Männer aus Minderheiten als künftige Verbrecher identifiziert.
Da Intelius, mit deren Daten Adler experimentiert hat, auch weiss, wer tatsächlich verurteilt worden ist, konnte er die Treffergenauigkeit seiner Software messen. Und Adler kann die Menge von potentiellen falsch-positiven Treffern steuern. Je mehr falsch-positive Treffer er zulässt, desto mehr künftige Verbrecher filtert Adlers Big-Data-Experiment heraus. Lässt er 2'220 falsch-positive Treffer zu, so findet Adlers Programm 51'246 Leute, die tatsächlich später ein Verbrechen begannen hatten. Je mehr "Sicherheit" man mit Adlers Software erreichen wird, desto mehr Unschuldige werden als künftige Verbrecher identifiziert.
"Can of worms"
Der Computer-Wissenschafter weiss ganz genau, dass seine Verwendung von Big-Data-Technologien höchst gefährlich ist. Er spricht in seinem Blog-Beitrag von einer "Can of worms", die er da geöffnet habe. Und er stellt die Frage, ob seine Software es lernen könne, künftige Verbrechen zu erkennen oder ob sie einfach Vorurteile abbilden werde. Man müsse sich fragen, wohin Technologie die menschliche Kultur führe, schreibt er in seinem Blog.
Milliardenbusiness "Background Checks"
Eine ganze Reihe von US-Firmen, gemäss 'Bloomberg' sind es 3600, bieten sogenannte "Background Checks" an. Mit diesen kann man überprüfen, ob jemand, zum Beispiel ein Stellenbewerber, der Lover der Tochter oder ein potentieller Mieter, vorbestraft ist, wo die Person gewohnt hat und ob Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen sie vorliegen. Bis 2018 sollen in den USA 4,5 Milliarden Dollar mit "Background Checks" umgesetzt werden, glauben US-Marktforscher einer Firma namens IbisWorld. (Christoph Hugenschmidt)
(Auf Adlers Homepage sind wir über eine spannende Story bei 'Bloomberg' gestossen. Dort fanden wir auch die im Schluss des Artikels genannten Zahlen von IbisWorld. Zudem gibt es eine Grafik, die Adlers Big-Data-Experiment anschaulich erklärt.)

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