Misys, Fintech und die Schweiz

10. Januar 2017, 08:30
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Ein Gespräch mit Misys-Topmanager Eric Languille.

Ein Gespräch mit Misys-Topmanager Eric Languille.
In der Schweiz gibt es zwei dominante Hersteller von Bankensoftware: Avaloq und Finnova. In der Schweiz fast unbekannt, weltweit aber einer der grössten Software-Hersteller in der Finanzindustrie ist Misys. Wir haben die Gelegenheit genützt und trafen Misys-Topmanager Eric Languille in Zürich zu einem Kaffee. Languille ist Managing Director von Misys im DACH-Raum, Osteuropa und Russland und ist in Genf stationiert.
Languille ist, wie das gesamte Management von Misys, erst 2012 zum heute 4600-köpfigen Software-Unternehmen gestossen. 2012 war Misys von der US-Beteiligungsgesellschaft Vista Equity Partners übernommen worden, nachdem sich Temenos erfolglos um eine Fusion bemüht hatte. Erst im Oktober 2016 entschied die Mysis Gruppe, den geplanten Börsengang "aufgrund der Marktbedingungen" abzusagen.
Dies habe auf das Geschäft von Misys wenig Einfluss, sagte Languille. Misys verdiene gutes Geld und Vista Equity sei einer der weltweit erfolgreichsten auf Software spezialisierten Investoren überhaupt.
Misys sei in der Schweiz im Privatbankengeschäft kein Konkurrent von Avaloq und Temenos, habe aber eine ganze Reihe von Kunden für die Corporate-Banking- und Treasury-Lösungen. Languille nennt unter anderem UBS als Schweizer Kunden. Er sei aber vor allem in Zürich, um Partner zu treffen. Misys wolle die Beziehungen zu Partnern weiter verstärken.
Selbst die klassische Kernbankenlösung FusionBanking Midas von Misys verkaufe sich noch. Er habe sie 2016 zweimal verkauft, sagt Languille und schmunzelt.
"Wir sind selbst ein Fintech"
Banken würden auch in Zukunft nicht ohne Kernbankenlösungen auskommen. Doch werde der Unterschied zwischen Banken und Fintechs verschwinden. Languille nennt eine reine Internet-Bank in Malta, die auf Misys-Software aufbaue.
Eine Bank müsse sich der Digitalisierung stellen, ob sie nun eine Kernbankenlösung von Misys oder einem anderen Anbieter einsetze. Und da sieht Languille Misys mit der "Fusion"-Produktefamilie gut positioniert. Ausserdem hat der ursprünglich britische Softwarehersteller seine FusionFabric-Softwarelösungen als "Plattform as a Service" für Dritte geöffnet. "Ich betrachte Fintech als Chance, denn wir sind selbst ein Fintech. Wir wollen unsere Systeme öffnen, so dass Partner ihre Lösungen auf unsere Kernsysteme aufsetzen können," so Languille. (Christoph Hugenschmidt)

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