Mit der PS3 gegen Alzheimer kämpfen

16. März 2007, 11:17
  • international
image

Proteine falten an der Spielekonsole: PS3-Besitzer können ihre Spielekonsole zum Teil eines globalen Supercomputers machen.

Proteine falten an der Spielekonsole: PS3-Besitzer können ihre Spielekonsole zum Teil eines globalen Supercomputers machen.
Besitzer der Playstation3 werden sich ab Ende März mit einem einfachen Mausklick an das weltweite "Folding@home"-Projekt der Stanford-Universität anschliessen können. Damit wird ihre PS3 – zumindest, während sie gerade nicht spielen und online sind – zum Teil eines weltweit verteilten Supercomputer-Clusters. Die für das Projekt verantwortlichen Forscher erhoffen sich vom Anschluss der PS3-Konsolen eine massive Steigerung der Rechenkraft dieses "Distributed Comnputing"-Projekts, und der PS3-Hersteller Sony spricht sogar von einer möglichen Rechenpower, die weit über der des schnellsten aktuellen Supercomputers liegen könnte.
Bei "Folding@home" geht es wie beim bekannten "Seti@home"-Projekt, dem Vorreiter auf diesem Gebiet, darum, eine grosse Rechenaufgabe auf die PCs von freiwilligen "Rechenkraftspendern" zu verteilen. Bei "Folding@home" wird simuliert, wie sich Proteine falten. Proteine bestehen aus langen Ketten von einzelnen Kettengliedern, den Aminosäuren. Diese Kette faltet sich von selbst zu einem dreidimensionalen "Knäuel" zusammen, dessen dreidimensionale Struktur aber nicht zufällig ist, sondern von der Kette sowie den äusseren Umständen beim Falten abhängt. zusammen. Die Reihenfolge der verschiedenen Aminosäuren in einer Kette ist noch relativ einfach mit chemischen Mitteln zu bestimmen. Um die Funktion eines Proteins wirklich zu verstehen – oder auch wie "falsch" gefaltete Proteine Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson auslösen können - muss man aber seine dreidimensionale Struktur kennen. Diese Aufgabe versucht man heute oft mit Simulationen zu lösen. Diese erfordern, da dabei die Wechselwirkung von Tausenden von Atomen berechnet werden muss, eine riesige Rechenkraft.
"Folding@home" wurde 2000 gestartet, gegenwärtig arbeiten weltweit rund 200'000 PCs für das Projekt. Kämen nur 10'000 PS3s dazu, so die Projektverantwortlichen von der Stanford Universität, könnte dies die gegenwärtige Rechenkraft verdoppeln – und Sony hofft ja darauf, Millionen seiner PS3s zu verkaufen. Die grosse mögliche Leistungssteigerung beruhe einerseits auf der Geschwindigkeit und den besonderen Eigenschaften des in der PS3 eingesetzten "Cell"-Chips und andererseits auf der Möglichkeit, für die PS3s eine leicht vereinfachte Softwareversion einzusetzen.
Sony selbst vergleicht die Rechenkraft sogar mit dem heute schnellsten Supercomputer: 10'000 PS3s, so rechnet Sony euphorisch – und wahrscheinlich eher theoretisch - vor, könnten zusammen viermal schneller sein, als IBMs Blue Gene/L im Lawrence Livermore National Laboratory..
Ab Ende März soll mit dem neusten Softwareupdate auf dem XMBTM (XrossMediaBar) der PS3 ein neues Icon erscheinen, über das sich PS3-Besitzer direkt bei Folding@Home anmelden können. Als "Belohnung" sollen sie, währen ihre Konsole für das Projekt rechnet, verschiedene Visualisierungen betrachten können. Eventuell wird es sogar die Möglichkeit geben, den gerade berechneten Faltungsprozess in 3D sozusagen live betrachten zu können. (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

Ransomware-Bande meldet Angriff auf Ferrari

Die Gruppe Ransomexx hat angeblich erbeutete Dateien veröffentlicht. Der Automobilhersteller erklärt, keine Beweise für eine Verletzung seiner Systeme zu haben.

publiziert am 3.10.2022
image

USA gegen Russland: Wahl um ITU-Präsidium ist entschieden

Die International Telecommunications Union (ITU) der UNO wird neu von einer Amerikanerin geleitet. Doreen Bogdan-Martin setzte sich gegen einen Russen durch.

publiziert am 29.9.2022
image

Ransomware-Banden kaufen Erstzugänge extern ein

Für nur gerade 10 Dollar können sich Cyberkriminelle auf Darkweb-Flohmärkten Zugänge zu Systemen kaufen. Damit können sie dann Schlimmes anrichten.

publiziert am 29.9.2022 1
image

Schweiz: Wettbewerbsfähigkeit top, E-Government flop

In der aktuellen IMD-Studie steigt die Schweiz in Sachen digitale Wettbewerbsfähigkeit in die Top 5 auf. Dahingegen schwächelt sie im Bereich E-Government.

publiziert am 29.9.2022 1