Mit der SuisseID Millionen sparen?

9. November 2010, 11:02
  • e-government
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Am eGovernment-Symposium in Bern rührt der neue Bundesrat Schneider-Ammann die Werbetrommel für die SuisseID. Derweil macht man bei der Umsetzung der E-Gov-Vorhaben Fortschritte.

Am eGovernment-Symposium in Bern rührt der neue Bundesrat Schneider-Ammann die Werbetrommel für die SuisseID. Derweil macht man bei der Umsetzung der E-Gov-Vorhaben Fortschritte.
Johann Schneider-Ammann hatte heute am vierten nationalen eGovernment-Symposium einen seiner ersten öffentlichen Auftritte als Bundesrat (Foto). Eigentlich war bis vor wenigen Wochen vorgesehen, dass Bundespräsidentin Doris Leuthard das Symposium eröffnen sollte, bekanntlich wechselte sie aber im Rahmen der Departements-Rochade ins UVEK, während Schneider-Ammann das EVD übernahm. Als Wirtschaftsminister wird sich Schneider-Ammann auch mit der elektronischen Verwaltung auseinandersetzen müssen. Noch immer ist die Schweiz in Sachen E-Government kein Vorzeige-Land. Fachleute argumentieren, dies könne daran liegen, dass hierzulande die traditionelle Verwaltung bereits gut funktioniere – das Verbesserungspotenzial also verglichen mit Ländern, wo die herkömmliche Verwaltung nicht gut funktioniert, kleiner ist.
Über diese These lässt sich natürlich streiten. Fakt ist, dass der Bundesrat die elektronische Verwaltung voranbringen will. Peter Fischer, Delegierter des Bundesrates für die Informatik-Strategie, sagte heute Morgen in seiner Begrüssungsrede in Bern, man habe gegenüber 2009 bei der Umsetzung der Vorhaben Fortschritte gemacht. Per November 2010 sind vier der zurzeit 45 priorisierten Vorhaben umgesetzt. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es erst zwei. Bis 2013 sollen bereits 37 umgesetzt werden, für 2011 geht man von 19 abgeschlossenen Vorhaben aus. Gewiss, sehr schnell ging es bisher nicht voran. Die Verantwortlichen geben als Grund unter anderem fehlende Finanz- und Personalressourcen an.
SuisseID gefragt
In seiner Rede ging Bundesrat Schneider-Ammann nicht direkt auf das Problem der mangelnden Ressourcen ein. Er sagte "wir tun viel, aber wir können mehr tun" und sprach davon, dass die konsequente Umsetzung der nationalen E-Gov-Strategie nötig sei, damit die Wirtschaft und auch Bürger von einfacheren Verwaltungsprozessen profitieren könnten. "Der 24-Stunden-Amtsschalter soll nicht länger Utopie bleiben", so Schneider-Ammann.
Zu den Hauptthemen des eGovernment-Symposiums zählen digitale Identitäten, soziale Netzwerke und der Dauerbrenner Sicherheit und Vertrauen. Wer digitale Identität sagt, sagt auch SuisseID – seit Mai ist der elektronische Identitätsausweis in der Schweiz erhältlich. Die SuisseID lasse sich vielfältig einsetzen, "wenn die allgemein gültigen Sicherheitsregeln beachtet werden", betonte Schneider-Ammann. Der Bundesrat lieferte gleich einige interessante Zahlen: Ein Unternehmen, das die SuisseID für die interne Identifikation einsetze, könne pro Mitarbeiter und Jahr 110 Franken einsparen. "Wenn nur 10 Prozent der in den KMU Beschäftigten die SuisseID einsetzen würden, wäre das eine Einsparung von zirka 24 Millionen Franken", so der Magistrat. Bis heute seien bereits um die 7000 SuisseIDs bei Privatpersonen im Einsatz. Von Unternehmen wurden für ihre Kunden und Mitarbeiter im dritten Quartal 2010 über 110‘000 SuisseIDs bestellt. "Und die Zeichen stehen gut, dass diese Zahl bis Ende Jahr auf über 250‘000 gesteigert werden kann."
Auch die Palette der Einsatzmöglichkeiten wachse stetig an. So könne mit der SuisseID etwa auf Bundesebene ein Strafregisterauszug bestellt werden, Landwirte könnten ihre persönlichen Agrardaten verwalten und ab Ende Jahr solle das elektronische Einreichen von Betreibungsbegehren und Betreibungsauskünften ermöglicht werden. Gemäss Schneider-Ammann wird man ab Mitte 2011 auch die Mehrwertsteuer-Abrechnung mit der SuisseID elektronisch einreichen können.
Mit seiner eigenen SuisseID, die er bei der Amtsübernahme bekam, habe er sich noch nicht auseinandergesetzt, räumte Schneider-Ammann ein. Man darf behaupten, dass die Flasche Wein, die er ebenfalls erhalten hat, wohl einfacher "anzuwenden" ist. (Maurizio Minetti)
(Foto: Furrer.Hugi&Partner)

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