Mobile-Boom: Traditionelle IT unter Zugzwang

24. April 2013, 11:42
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Die beiden Gründer des Kompetenzzentrums für Mobile Business am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen über Consumerization, Firmenkulturen und den Tod des Desktops.

Die beiden Gründer des Kompetenzzentrums für Mobile Business am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen über Consumerization, Firmenkulturen und den Tod des Desktops.
Totgesagte leben länger, sagt man. Mehr als einmal für tot erklärt wurde in jüngster Zeit der klassische Desktop-Computer. Schon dieses Jahr sollen weltweit mehr Tablets als Desktop-PCs verkauft werden, hielt der Marktforscher IDC kürzlich fest. Wie steht es nun also um den Computer? Und welche Auswirkungen hat der Mobile-Boom auf (Schweizer) Unternehmen? Wir haben dazu Prof. Dr. Andrea Back (Foto links) und Thomas Sammer (rechts) befragt. Sie sind Gründer des Kompetenzzentrums für Mobile Business am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St.Gallen.
"Der klassische Desktop-PC ist grösstenteils bereits Geschichte", sagt Back. Die Frage seit vielmehr, wann Mischformen zwischen Tablet und Notebook die Büros erobern werden. Microsoft habe mit Windows 8 die Weichen in diese Richtung gestellt und auch die klassischen Hardware-Produzenten bieten vermehrt solche Geräte an. "Von unseren Business-Partnern wissen wir, dass besonders im Aussendienst Geräte wie das Lenovo Yoga gut ankommen. Ich persönlich, mit meinem Arbeitsprofil, beobachte, wie ich immer spezifischer genau das Device benutze, das zu meiner Arbeitssituation und meinen Aufgaben passt", so Back. Sprich: Der Desktop mit grossem Bildschirm als Info-Cockpit, das Smartphone für unterwegs und ein vollwertiges, aber tragbares Notebook für die Arbeit an wechselnden Standorten.
Apps für den Vertrieb
Mobile Geräte sind sinnlos, wenn man damit keine Apps nutzen kann. In den letzten Jahren ist das Angebot der diversen Plattform-Anbieter entsprechend gewachsen. Auch Unternehmen setzen zunehmend auf Apps. Die beiden Forscher glauben, dass bei der Einführung von mobilen Geräten und Apps in Unternehmen zwei Perspektiven zu unterscheiden sind: intern oder extern. Unternehmensextern könne man festhalten, dass die Schweiz eine der höchsten Smartphone- und Tablet-Verbreitungen weltweit aufweise. "Aus unserer Forschung kennen wir verschiedenste Beispiele, wie Unternehmen durch Apps im Verkauf grosse Umsatzsteigerungen erzielen konnten. Die Varianten umfassen dabei ein weites Spektrum und reichen von der Umsetzung von Selbstbedienungsprozessen (etwa bei Mobile Ticketing), dem Aufbereiten von Produktkatalogen bis hin zur Beratungsunterstützung per Tablet vor Ort", so Sammer.
Stichwort Consumerization
In der unternehmensinternen Perspektive sehe man momentan andererseits eine deutliche Neuausrichtung. Das Stichwort ist Consumerization. Den Mitarbeitenden seien aus dem privaten Alltag vermehrt komfortable und praktische Apps, die Bedienungsfreundlichkeit von iOS-Geräten oder das einfache Einrichten von Videokonferenzen per Skype bekannt. Diese Erfahrungen aus dem Alltag prägen nun auch die Erwartungen daran, was die Unternehmens-IT leisten soll. "Wir sprechen hier vom Spill-Over-Effekt, durch welchen die traditionellen IT-Abteilungen vermehrt unter Zugzwang geraten. Es gilt hier die Entscheidung zu treffen, welche Anwendungen und Geräte aus dem Konsumentenmarkt Nutzen schaffen und bedenkenlos in die Unternehmensinfrastruktur integriert werden können", so Sammer weiter. Dies sei natürlich auch mit der Entscheidung verbunden, bei welchen Apps und Geräten Vorsicht geboten sei.
Ein weiterer Aspekt in diesem Zusammenhang sei die voranschreitende Vermischung von privaten und geschäftlichen Daten. Auch hier sei Handlungsbedarf geboten, zum einen aus rein rechtlichen oder sicherheitstechnischen Gründen und zum anderen auch aus psychologischen Gründen: Es drohe eine erhöhte Burn-Out-Gefahr.
Organisationskultur entscheidend
Die beiden Forscher werden die hier angesprochenen Themen am St.Gallen Mobile Business Forum vertiefen. So wird zum Beispiel Samsung am Vorabend-Workshop sein Produkt Knox vorstellen, womit auch Android-Geräte businesstauglich gemacht werden sollen. Sie werden darüber hinaus Forschungsergebnisse vorstellen, die in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Center for Digital Strategies der Tuck School of Business entstanden sind. Diese bieten einen Einblick in die Mobile-Praxis verschiedenster internationaler Konzerne. Ein anderes Forschungsprojekt, das ebenfalls auf dem Forum vorgestellt wird, zeigt, dass die Organisationskultur eines Unternehmens einen Einfluss darauf hat, wie offen das Unternehmen für mobile Technologie ist und in welchen Bereich der Wertschöpfungskette mobile Technologie bevorzugt zum Einsatz kommt. Die Ergebnisse beruhen auf einer Umfrage mit über 100 Führungskräften aus dem deutschsprachigen Raum und geben einen Hinweis darauf, dass beim Einsatz von mobiler Technologie teilweise noch erhebliche "blinde Flecken" bestehen und wenige Unternehmen das volle Potential ausschöpfen.
Die Veranstaltung rund um Mobile IT geht am 16. Mai 2013 im HSG Executive Campus in St.Gallen über die Bühne. Ein Ticket für das St.Gallen Mobile Business Forum kostet 900 Franken. Inkludiert sind die Teilnahme an der Veranstaltung, ein Vorabendprogramm und eine digitale Ausgabe des im Herbst erscheinenden Buchs "Mobile Business". Anmelden kann man sich hier noch bis zum 14. Mai. (Maurizio Minetti)
(Interessenbindung: inside-it.ch ist Medienpartner des Forums)

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