Motion: Das digitalisierte Gesundheitssystem pushen

2. Juli 2021, 12:13
image

Der Bundesrat soll die digitale Transformation im Gesundheitswesen endlich substanziell voranbringen, fordern die Mitte-Fraktion und FDP.

Glaubt man einer im Ständerat eingereichten Motion, fehlt es der Schweiz "an Führung, Strategie, Struktur und dem politischen Willen, die Digitalisierung (im Gesundheitswesen, A.d.Red.) voranzutreiben". Der von der Mitte-Fraktion und FDP-Palarmentarieren unterstützte Vorstoss fordert denn auch, dass der Bundesrat die digitale Transformation in diesen Sektor "endlich substanziell" voranbringe.
So soll der Bundesrat dafür eine Taskforce zur nationalen Steuerung einrichten. Weiter soll gemeinsam mit "relevanten Akteuren eine konkrete und umfassende Digital-Strategie für den Gesundheitssektor" erarbeitet werden. Sie soll über das EPD hinaus "Qualitäts-Standards für hochwertige Gesundheits-Daten" definieren und die Richtung für ein digitalisiertes Gesundheitswesen vorgeben, schreibt Ständerat Erich Ettlin im eingereichten Text. Leitplanken sollen erarbeitet , das Know-how von Hochschulen und Industrie für ein "Gesundheitsdaten-Ökosystem" genutzt sowie ein "Wettbewerb der technischen Standards und Ideen" initiiert werden.
Weiter sollen die regulatorischen Grundlagen erarbeitet werden, sodass eine papierlose Abwicklung in allen Bereichen des Gesundheitswesens möglich wird, heisst es. Zudem soll der Bundesrat die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften im Bereich der IT, Naturwissenschaften, Public Health und deren Schnittstellen fördern. Schliesslich sei "die Öffentlichkeit über die rechtlichen und technischen Aspekte der Gesundheitsdaten und insbesondere über den Nutzen derer Verwendung durch ein zentrales Informationsportal" aufzuklären.
Interessant ist, dass die Motion ausdrücklich auf den Bertelsmann Digital-Health-Index von 2018 verweist. Demnach liegt die Schweiz auf den hintersten Plätzen der OECD- und EU-Länder. "Das ist schlicht peinlich für unser Land, das bei weltweiten Ratings regelmässig zu den innovativsten Ländern gehört", argumentiert die Motion. Die Komplexität des schweizerischen Gesundheitssystems und der Föderalismus würden dieses Hinterherhinken nicht erklären. Die Schweiz könne sich an Ländern wie Israel, Dänemark, Kanada und Estland orientieren, wird festgehalten.
Bei den 34 Indikatoren, die der Digital Health-Index ausgewertet hat, sprach das Bertelsmann-Papier dem kleinen Estland 81,9 von 100 möglichen Punkten zu. In Sachen Digitalisierung des Gesundheitswesens erhielt die Schweiz gerade 40,6 Punkte.
Der Stand der Digitalisierung jedoch gibt allein noch keine Auskunft über die Qualität des hiesigen Gesundheitswesens. Jedenfalls landete die Schweiz ebenfalls 2018 beim "Euro Health Consumer Index" (PDF) mit 893 von 1000 Punkten auf Platz 1.
Nur wurden hier eben weder strukturierte Daten und Interoperabilität noch Rahmenvorgaben oder eine zentral-staatliche Implementierung abgefragt, wie von Bertelsmann. Vielmehr kamen Kriterien wie etwa Patientenrechte, Zugang zu Pflege, Therapieergebnisse, Prävention oder Leistungsspektrum auf den Prüfstand. Estland fand sich hierbei übrigens mit 729 Punkten auf Rang 15 von 35 Ländern wieder.

Loading

Mehr zum Thema

image

Digitaler Euro könnte 2026 kommen

Kommendes Jahr will die Europäische Zentralbank (EZB) über den digitalen Euro entscheiden. Zu reden gibt die Partnerschaft mit Amazon.

publiziert am 29.9.2022
image

Urs Truttmann wird Digitalchef der Stadt Luzern

Nachdem Truttman seit April schon interimistisch als CDO im Einsatz stand, übernimmt er die Leitung der Dienstabteilung Digital jetzt definitiv.

publiziert am 29.9.2022
image

Jetzt sind auch in St. Gallen die letzten Gemeinden im Online-Kataster vertreten

Die Schweizer Erfolgsgeschichte mit der Einführung eines Online-Portals umfasst nun auch die gesamte Fläche des Ostschweizer Kantons. Warum es dort länger gedauert hat, erklärte uns der Kantonsgeometer.

publiziert am 29.9.2022
image

Regierung will Millionen für Digitale Transformation von Basel-Land ausgeben

Für die digitale Verwaltung und den Aufbau eines Governance-Modells sollen 21 Millionen aufgewendet werden. Es gebe dazu keine Alternative, so der Regierungsrat.

publiziert am 29.9.2022