MS Partner Network: Das sagt der Channel

8. Juli 2011, 15:51
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Das überarbeitete Partnerprogramm von Microsoft stösst auf Kritik, wird aber auch gelobt, wie eine Umfrage, die wir in Zusammenarbeit mit IAMCP durchführten, zeigt. Vor allem kleinere Reseller im KMU-Land Schweiz werden ihren Gold-Status verlieren, fürchtet der Channel.

Das überarbeitete Partnerprogramm von Microsoft stösst auf Kritik, wird aber auch gelobt, wie eine Umfrage, die wir in Zusammenarbeit mit IAMCP durchführten, zeigt. Vor allem kleinere Reseller im KMU-Land Schweiz werden ihren Gold-Status verlieren, fürchtet der Channel.
34 Microsoft-Partner, darunter auch Partner-Manager von grossen und sehr grossen Firmen, haben sich an der gemeinsamen Umfrage von IAMCP und inside-channels.ch über die Auswirkungen des neuen Partnerprogramms, das dem Schweizer Channel aus Redmond verordnet wurde, beteiligt.
Im Schnitt beschäftigen die Umfrage-Teilnehmer 37 Microsoft-Spezialisten, wobei die Bandbreite von 150 und genau einem Microsoft-Spezialisten gross ist. Dass 80 Prozent der Umfrage-Teilnehmer Microsoft Gold Certified Partner sind, und nur je 10 Prozent den Silber- oder den Registered-Status haben, ist logisch, denn "Gold-"Partner investieren am meisten und beschäftigen sich deshalb auch am intensivsten mit den Vor- und Nachteilen des neuen Partnerprogramms. Die meisten der Umfrage-Teilnehmer haben die Re-Zertifzierung als Microsoft-Partner gemäss den neuen Regeln schon hinter sich. Nur zwei Umfrageteilnehmer wollen künftig auf den Status als Microsoft-Partner verzichten, einer davon von einer sehr kleinen Firma, da ihm der Aufwand zu gross wird. Der andere aber äussert eine interessante Kritik: "Als ISV müssen sie direkt Umsatz machen (um den Partnerstatus zu erreichen) - schlecht wenn sie über Dritte verkaufen."
Aufwand grösser, Nutzen gleich
Fast alle, nämlich über 85 Prozent der Umfrageteilnehmer, schätzen Aufwand und Kosten für die Zertifizierung als Microsoft Certified Partner als grösser als früher ein. Der (kleine) Rest findet ihn etwa gleich gross wie bisher, niemand (!) findet ihn geringer (siehe Grafik).
Im Gegensatz dazu steht der Nutzen. Genau die Hälfte der Microsoft-Partnern betrachtet ihn als etwa gleich gross wie früher. Ein Viertel findet ihn grösser und ebenfalls ein Viertel schätzt den Nutzen gar als geringer als früher ein.
Vorteil: Kein Gold-Status mehr für "Feld-Wald-und-Wiesen-Firmen"
Dass der Aufwand zur Erringung einer Gold-Kompetenz grösser geworden ist, wird aber auch als wichtigster Vorteil eingeschätzt: Die Einstufung der Microsoft-Partner nach Kompetenzen trenne den Spreu vom Weizen, schreibt einer. Jürg Burg, CEO vom BI-Spezialisten Kull sieht den Vorteil des neuen Partner-Konzepts ähnlich: "Bessere Differenzierung. Nicht jeder wird sogleich Gold-Partner". Andere sehen hingegen gar keine Vorteile: "Da gibt es nichts Positives," lautet eine der Antworten.
Die Kritik
Der Gold-Partner-Status sei für die grosse Mehrheit der Schweizer Partner nicht haltbar, da sie zu wenig zertifizierte Mitarbeiten hätten und die Umsatzhürden zu hoch seien, schreibt etwa der Chef eines mittelgrossen IT-Dienstleisters, der heute noch den Gold-Status auf seiner Webseite ausweist. Überhaupt fällt auf, dass die höheren Anforderungen an die Erringung des Gold-Status von den einen - eher grösseren und eher fokussierten - Firmen gelobt und von anderen - eher kleineren oder eher breit aufgestellten Microsoft-Partnern kritisiert wird. KMU-Spezialisten, die "alles" können, sprich viele Kompetenzen haben, kommen mit dem neuen Partnermodell offensichtlich relativ schlecht weg. O-Ton aus der Umfrage: "Schlechte Chancen für kleine Unternehmen, da vor allem polyvalente Unternehmen zuwenige Engineers stellen können."
Und ein Microsoft-Partner, der das neue Modell generell gut findet, schreibt: "Ich kritisiere die teilweise widersprüchlichen und zu späten definitiven Informationen seitens Microsoft."
Verwaltungsaufwand, schlechte Tools, Silver Partner gehen unter...
Neun von 37 Umfrageteilnehmern kritisieren die administrativen Aufwände, die die Partnerschaft mit Microsoft verursacht, teilweise in recht harschen Tönen. Einige Beispiele:
"Zertifizierungsaufwand bei gewissen Kompetenzen ist viel zu hoch." "Administrativer, bürokratischer Aufwand, der absolut keinen Mehrwert für Partner bringt." "Zu grosser Aufwand (finanziell und zeitlich)"
Zudem scheint auch die Software für Partner nicht wirklich gut zu funktionieren, wie einige Umfrageteilnehmer kritisieren. Ein Teilnehmer kritisiert, dass Partner, die nur den "Silber"-Status haben, von Microsoft wegen fehlenden Ressourcen praktisch nicht beachtet würden.
Die Sache mit den Zertifizierungen
Analysiert man die Antworten auf unsere Umfrage, so wird rasch klar, dass das neue Microsoft-Partnerprogramm höhere Anforderungen an die Professionalität der Partner stellt. So darf man die Zertifizierung von Mitarbeitern als "Professional" jeweils nur für eine Kompetenz einsetzen, obwohl derselbe Mitarbeiter - zumindest aus der Sicht von vielen der kleineren Microsoft-Spezialisten - in der Praxis verschiedene Microsoft-Themen beherrscht. Kleinere Firmen erreichen damit den "Gold-Status" schon aus rein arithmetischen Gründen nicht mehr, oder wenn, dann nur für wenige Kompetenzen, lautet die Kritik.
Die Zertifizierung der Mitarbeiter sei zudem (zu) aufwändig: "Schliesslich konzentriert es sich wieder auf ein paar wenige Mitarbeiter, die mehr in der Schule und an Zertifizierungs-Prüfungen sind, anstatt beim Kunden."
Relativ selten (nur zwei mal) kritisieren die Schweizer Microsoft-Partner hingegen die neu vorgeschriebene Angabe von Kundenreferenzen, die zur Teilnahme an Zufriedenheitsumfragen motiviert werden müssen.
Eigentlich ist alles gar nicht so wichtig
Zu beachten ist aber, dass unsere Umfrage nicht beansprucht, repräsentativ zu sein. Schliesslich muss man annehmen, dass Microsoft-kritische Partner eher motiviert waren, daran teilzunehmen.
Dies zeigt sich auch aus den Antworten auf unsere letzte Frage, wie sich das neue Partnermodell auf den Schweizer Channel auswirken werde. 66,7 Prozent der Teilnehmer glauben nämlich, dass das neue Partnerprogramm keine Auswirkungen auf den Schweizer IT-Kanal haben werde. Dies, weil Partnermodelle gar nicht so wichtig seien, wie die Hersteller glaubten (40 %) oder sich sowieso wenig geändert habe (27,6 %).
Nur 26,7 Prozent (acht von 30 Antworten) glauben, dass die Erhöhung der Partner-Hürden zu einer Konsolidierung im Channel führen könnte. Interessanterweise sind es eher die Vertreter der grösseren Partner, die an die konsolidierende Wirkung der verschärften Anforderungen von Microsoft an Partner glauben - oder darauf hoffen? (Christoph Hugenschmidt)
Kommentar IAMCP
IAMCP Switzerland hat an der Umfrage mitgearbeitet. Wir haben die Vereinigung der Microsoft-Partner um einen Kommentar gebeten.
~~Die Umfrage zeigt, dass das neue Microsoft Partner Programm das primäre wichtige Ziel durchaus erreichen kann, nämlich die Erhöhung der Qualität für die Kunden. Dass die Umstellungen von Partner Programmen Gewinner und Verlierer produziert, ist wohl zwingend.
Nachdem beim letzten Wechsel im Partnermodell die Anzahl Gold Partner aufgrund zu weicher Kriterien inflationär zugenommen hatte wird nun wieder ein sinnvoll selektiver Massstab angewendet.
Klar zeichnet sich ab, dass die Partner mit wenig Microsoft orientierten Mitarbeitern den Gold Status nicht mehr erreichen können, was durchaus richtig ist, denn das ganze Microsoft Ökosystem ist darauf angewiesen, dass vor allem die Kunden Gewinner sind.~~

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