Münchner Linux-Projekt viel zu teuer - sagt Microsoft

23. Januar 2013, 15:59
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Die Migration von 12'000 PC-Arbeitsplätzen der Stadt München auf Linux soll über 60 Millionen Euro gekostet haben. Angeblich dreieinhalb mal soviel, wie der Verbleib bei Microsoft gekostet hätte.

Die Migration von 12'000 PC-Arbeitsplätzen der Stadt München auf Linux soll über 60 Millionen Euro gekostet haben. Angeblich dreieinhalb mal soviel, wie der Verbleib bei Microsoft gekostet hätte.
Es kommt einem ein bisschen vor, wie wenn Karl Marx den Teufel mit einer Studie über die Existenz Gottes beauftragt hätte. Wetten, dass das Resultat der wissenschaftlichen Untersuchung gewesen wäre, dass Gott nicht existiert?
Zwar nicht den Teufel, aber den engen Partner Hewlett-Packard hat Microsoft damit beauftragt, die Kosten des berühmten Münchner Linux-Projekts LiMux zu untersuchen. Die Studie ist zwar nicht zugänglich, wird aber von der deutschen Zeitschrift 'Focus Online' zitiert. Gemäss 'Focus' soll der Betrieb Münchner Linux-PCs in zehn Jahren 61 Millionen Euro kosten. Wäre München bei Windows und Microsoft Office geblieben, hätten die Kosten hingegen nur 17 Millionen Euro für 10 Jahre betragen, heisst es angeblich in der Studie.
München hat zwischen 2003 (!) und letzten November insgesamt 12'000 PCs mit der Linux-Distribution Ubuntu und der Open-Source-Bürosoftware LibreOffice ausgerüstet. Dieses Jahr soll das Projekt abgeschlossen werden. Einige tausend Geräte der Stadtverwaltung München werden auch weiterhin mit Windows laufen, da die - teilweise sehr alten und / oder sehr speziellen - Fachapplikationen auf Linux-PCs nicht funktionieren.
Die Schätzung der Untersuchung von HP widerspricht diametral bisherigen Aussagen des Münchner Bürgermeisters Christian Ude, der von einem "zweistelligen Millionenbetrag" gesprochen hat, den man mit LiMux eingespart habe.
Unklarheiten zuhauf
Da uns nicht die Studie sondern einzig der Bericht von 'Focus' vorliegt, können wir nicht einschätzen, ob die Studie Hand und Fuss hat. So schreibt 'Focus', dass in den Kosten in der Variante Windows keine Lizenzen erhalten seien. Ein Microsoft-Sprecher sagte hingegen zu 'heise', die Lizenzkosten seien berücksichtigt. Auch wissen wir nicht, wie die Kosten der Variante Linux berechnet wurden. So ist nicht klar, ob die Kosten für neue Applikationen und für Funktionen wie etwa ein zentraler Formularserver bei beiden Berechnungen berücksichtigt sind oder nicht.
Ausserdem erstaunt der Preis von angeblich nur 17 Millionen Euro für Windows und Office (sowie Server-Software?) für 16'000 Arbeitsplätze und 10 Jahre doch sehr. So bezahlte der Bund, bei dem ungefähr 36'000 Arbeitsplätze betrieben werden, 30 Millionen Euro für nur drei Jahre für die Lizenzform "Enterprise Agreement" samt dem Software-Abo "Software Assurance". (Chistoph Hugenschmidt)

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