"Muscular": Sitzt die NSA in den Rechenzentren von Yahoo und Google?

30. Oktober 2013, 19:58
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Der Geheimdienst soll einen direkten Zugriff auf die Server haben. NSA-Chef widerspricht. Yahoo und Google zeigen sich besorgt.

Der Geheimdienst soll einen direkten Zugriff auf die Server haben. NSA-Chef widerspricht. Yahoo und Google zeigen sich besorgt.
Der US-Geheimdienst NSA hat sich laut einem Bericht der 'Washington Post' weltweit heimlich in die Leitungen von Rechenzentren der Internet-Riesen Google und Yahoo eingeklinkt. Auf diese Weise sei die Spionagebehörde in der Lage, die Daten von Hunderten Millionen Nutzerkonten abzugreifen, darunter auch von Amerikanern.
Die 'Post' beruft sich in ihrem Bericht auf Dokumente des Informanten Edward Snowden. Die betroffenen Firmen hätten überrascht und besorgt auf die Vorwürfe reagiert. Den NSA-Papieren vom 9. Januar dieses Jahres zufolge schicke die Behörde täglich Daten von internen Google- und Yahoo-Netzwerken in Datenzentren beim NSA-Hauptquartier.
In den vorangehenden 30 Tagen seien damals mehr als 181 Millionen neue Aufzeichnungen registriert worden. Dabei habe es sich um Absender- und Empfängerdaten bis hin zu Inhalten wie Text, Tonaufnahmen und Videos gehandelt, schreibt die Zeitung.
Aggressives Werkzeug
Die NSA betreibe gemeinsam mit dem britischen GCHQ ein "ungewöhnlich aggressives" Werkzeug mit dem Namen "Muscular", das die Daten erschliesse. Es unterscheide sich von einem Geheimgericht genehmigten Spähprogramm "Prism", dass den US-Behörden direkten Zugang zur Internetkommunikation über verschiedene Anbieter ermögliche.
Es sei bislang nicht bekanntgewesen, dass die NSA auch routinemässig gegen US-Unternehmen vorgehe. Sie nutze dabei aus, auf Verbindungen zu Datenzentren ausserhalb der USA zuzugreifen, was juristisch einfacher sei. Google etwa betreibe sie in Irland, Finnland, Belgien, Chile oder Singapur.
Google ist "bekümmert"
In einer Mitteilung an die Zeitung habe Google sich "bekümmert" geäussert über die Vorwürfe, "dass die Regierung den Verkehr zwischen unseren Datenzentren abgreift". Dem Unternehmen sei diese Massnahmen nicht bekannt.
Yahoo sprach in einer Reaktion davon, "strenge Protokolle" zum Schutz von Daten in den Rechenzentren zu haben. Man habe keiner staatlichen Behörde Zugang gegeben. Die NSA hingegen spricht in internen Präsentationen immer davon, Zugang zu haben. Nach Bekanntwerden des Berichts sagte NSA-Chef Keith Alexander heute allerdings anlässlich einer Internetsecurity-Konferenz in Washington: "Wir haben keinen Zugang zu Google-Servern, Yahoo-Servern und so weiter." Die NSA besorge sich einen Gerichtsbeschluss. "Es sind auch nicht Millionen, es geht um Tausende. Und fast alle richten sich gegen Terrorismus und andere solche Dinge." (sda/mim)

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