Nach EFK-Bericht: Fedpol prüft die Schaffung eines Cyber-Kommissariats

8. April 2021, 11:37
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Die Finanzkontrolle des Bundes hat die Cyberarbeit des Fedpol untersucht und schwerwiegende Mängel aufgedeckt. Es gab aber nicht nur schlechte Noten.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat untersucht, ob die Bekämpfung der Cyberkriminalität durch das Bundesamt für Polizei (Fedpol) genügend unterstützt wird. Zuständig sind die beiden Abteilungen "IT-Forensik, Cybercrime" (IFC) und "Wirtschaftskriminalität". Die beiden Abteilungen sollen vor allem die Kantone unterstützen, in deren Zuständigkeit 90% der Cyberdelikte fallen. Der Dienst der Abteilungen werde von den Kantonen und der Bundesanwaltschaft geschätzt, schreibt die EFK, nachdem sie in den Kantonen Aargau, Bern, Waadt, Tessin und Zug Befragungen durchgeführt hat.
Die Kantone erhoffen sich vom Fedpol aber grössere Analyse-Kapazitäten für Cyberkriminalität, da sie vor Ort oftmals fehlen. Die EFK empfiehlt dem Fedpol die Möglichkeit der Schaffung eines "Cyberkommissariats" zu prüfen, was dieses auch tun will. Das Kommissariat würde die Abteilung IFC ersetzen, die derzeit für andere Stellen Dienstleistungen erbringt. Damit soll auch der Organisation der Bundesanwaltschaft entsprochen werden, mit der das Fedpol komplexe Cyberverfahren durchführt.

Mängel bei Wirtschaftlichkeit und Dossierverwaltung

Bei der Wirtschaftlichkeit mangelt es laut EFK: Die Bundesstellen und die Kantone würden jedes Jahr mehrere Millionen Franken für forensische IT-Leistungen ausgeben, die sie immer beim selben Unternehmen beziehen. "Die EFK empfiehlt dem Fedpol, ein Kompetenzzentrum, insbesondere im Bereich der Forensik, für die Bundesverwaltung zu schaffen, um so den Bedarf zu bündeln und in diesem Bereich eine wirtschaftliche und wirksame Lösung zu finden", heisst es im Bericht.
Offenbar ist die Dossierverwaltung in der aktuellen Organisation mangelhaft, wie ein Beispiel aus dem EFK-Bericht illustriert: Die Bundesanwaltschaft hatte bereits 2017 die Analyse von 170 Phishing-Dossiers angefordert, diese aber erst im Oktober 2020 erhalten. Auf die Polizeiberichte wartet sie bis heute. Deshalb sollen nun, wenn es nach der EFK geht, Monitoring und Tools für die Dossierverwaltung beschafft werden.

Hochqualifizierte Spezialisten kämpfen mit der Motivation

Das IFC zählt derzeit 60 Spezialisten für Management und Support, 24 IT-Forensiker und 19 zusätzliche spezialisierte Polizisten, in der Abteilung Wirtschaftskriminalität arbeitet ein halbes Dutzend Cyber-Ermittler. Sie werden von weiteren Mitarbeitenden des Fedpol unterstützt, die Cybercrime-Kurse absolviert haben.
Die jüngst angestellten und die hochqualifizierten Mitarbeitenden der IFC kämpfen offenbar öfters mit Motivationsproblemen, wie dem Bericht zu entnehmen ist. Dies liegt offenbar an der Lohnentwicklung, bei der es aber wenig Spielraum gebe. Allenfalls könne eine neue Stellenbeschreibung hier Abhilfe schaffen, hofft die Finanzkontrolle.
Die Stärkung der Strafverfolgung im Cyberraum ist Teil der vom Bundesrat beschlossenen nationalen Strategie zum Schutz vor Cyber-Risiken (NCS).

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