Nach jahrelangem Streit: Switchplus zügelt zu Green.ch

5. Juli 2012, 11:53
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Obwohl Green.ch in den vergangenen Jahren an vorderster Front gegen die angebliche Bevorteilung des Hosters Switchplus durch Switch gekämpft hat, wird Switchplus nun die Hosting- und E-Mail-Infrastruktur von Green.ch nutzen.

Obwohl Green.ch in den vergangenen Jahren an vorderster Front gegen die angebliche Bevorteilung des Hosters Switchplus durch Switch gekämpft hat, wird Switchplus nun die Hosting- und E-Mail-Infrastruktur von Green.ch nutzen.
Seit drei Jahren haben Schweizer Hosting-Anbieter einen gemeinsamen Feind: Es ist die von der Stiftung Switch gegründete Tochtergesellschaft Switchplus, die damals in den Hostingmarkt eingestiegen ist. Die Hoster hatten zwar grundsätzlich nichts gegen einen neuen Mitbewerber einzuwenden, wohl aber gegen die ihrer Meinung nach unerlaubte Bevorzugung von Switchplus durch die Stiftung Switch.
Es folgte ein jahrelanger Streit vor den Gerichten. Die Hoster schalteten auch Behörden wie die Wettbewerbskommission auf der Website switch.ch keine Werbung betreiben darf - allerdings erscheint die Werbung momentan, weil Switch das Verfahren ans Bundesgericht weitergezogen hat. Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen.
Green.ch: "Die Ausgangslage hat sich geändert"
Vor diesem Hintergrund wurde heute in der Schweizer Provider-Szene mit Erstaunen auf die Nachricht reagiert, dass Switchplus künftig die Hosting- und E-Mail-Infrastruktur von Green.ch für alle eigenen Produkte nutzen wird. Zur Erinnerung: Green.ch kämpfte in den letzten Jahren an vorderster Front gegen die angebliche Bevorzugung von Switchplus durch Switch.
Nun hat der Wind aber gedreht. "Die Ausgangslage hat sich stark geändert", sagt Green.ch-CEO Franz Grüter (Foto) im Gespräch mit inside-channels.ch. Der eigentliche Streit zwischen den Hostern und Switchplus sei beendet, sagt Grüter. Tatsächlich: Im Verfahren vor dem Bundesgericht stehen sich das Bakom und Switch gegenüber. Hingegen standen sich die Hoster und Switch in einem anderen Verfahren gegenüber. Die juristischen Auseinandersetzungen zwischen den Hostern und Switch fanden aber am 11. April 2012 ein Ende, als das Handelsgericht des Kantons Zürich eine Schadenersatzklage von Switch abwies. Die Hoster müssen demnach keine 100'000 Franken zahlen. Switch hat das Urteil damals nicht weitergezogen und musste den Hostern eine Prozessentschädigung von 20'000 Franken bezahlen.
Hostpoint: "Nicht ganz nachvollziehbar"
Hostpoint, gemessen an der Anzahl gehosteter Websites Schweizer Marktführer, sagt laut einem Statement gegenüber inside-channels.ch: "Aus unserer Sicht spricht nichts gegen die Zusammenarbeit zwischen Switchplus und Green.ch. Dass Switchplus, welche über keine eigene Hosting-Plattform verfügt, das Know-how beziehungsweise die Dienstleistung bei einem Partner einkauft, ist legitim. Nicht ganz nachvollziehbar ist für uns aber, dass Green.ch, welche im Rahmen der Streitigkeiten betreffend Switchplus an vorderster Front involviert war, nun ausgerechnet mit der Switch-Tochter Switchplus zusammenarbeitet."
Green.ch-CEO Grüter meint dazu, dass Green.ch zwar tatsächlich aktiv gegen die angebliche Bevorteilung von Switchplus gekämpft hatte, doch im Gegensatz zu anderen Providern damals kein Registrar war und deshalb nicht so stark betroffen gewesen sei. Tatsächlich sahen sich insbesondere Provider, die auch Domains anbieten, von Switchplus bedroht. Pikant: Seit einigen Monaten kann man auch bei Green.ch Domains registrieren.
Weg von Domainfactory und iWay
Doch für Green.ch scheint die Vergangenheit keine grosse Rolle mehr zu spielen. Das Unternehmen konzentriert sich jetzt darauf, den grossen Auftrag von Switchplus umzusetzen. Es ist geplant, noch dieses Jahr mit der Migration zu beginnen. Nach Angaben von Grüter und Switchplus-CEO Wolfram Schmidt wird die Migration aber erst 2013 abgeschlossen sein.
Wie Schmidt gegenüber inside-channels.ch ausführt, bezog man die Dienste bislang von Domainfactory in München sowie vom Zürcher Provider iWay. Er betont, dass die Kundeninformationen auch weiterhin bei Switch gespeichert werden. Die Daten, welche die Kunden selbst speichern, befinden sich aber künftig im Rechenzentrum von Green.ch in Lupfig und nicht mehr in Deutschland. Gemäss Schmidt suchte Switchplus bereits bei der Gründung vor drei Jahren einen Schweizer Partner, doch konnte damals keiner gefunden werden. Switchplus nutzt die Infrastruktur von Green.ch, betreibt darauf basierend aber eigene Produkte. Den Kundensupport verantwortet Switchplus weiterhin selbst. (Maurizio Minetti)

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