"Nachsitzen" für Informatik-Studienabbrecher

11. Oktober 2011, 10:03
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Mit dem Karlsruher Projekt "Finish IT" sollen Studienabbrecher der Informatik oder fachnaher Bereiche nachqualifiziert werden, um die Lücke an IT-Experten in dem selbsternannten "Silicon Valley Deutschlands" und anderswo zu füllen.

Mit dem Karlsruher Projekt "Finish IT" sollen Studienabbrecher der Informatik oder fachnaher Bereiche nachqualifiziert werden, um die Lücke an IT-Experten in dem selbsternannten "Silicon Valley Deutschlands" und anderswo zu füllen. Ideenfinder für das Projekt war das Unternehmensnetzwerk Cyberforum.
Wie der 'Deutschlandfunk' den Projektleiter Günter Breuninger zitiert, gebe es jede Menge Studienabbrecher im IT-Bereich, wobei die Zahlen zwischen 30 und 50 Prozent schwankten. Da diese jungen Leute Vorkenntnisse haben und in der Regel Java beherrschen, habe man sich gedacht, "das ist doch eine interessante Quelle, die muss man doch irgendwie anzapfen", um die Studienabbrecher für die IT-Region Karlsruhe gewinnen zu können.
Der Fachkräftemangel in der IT-Branche ist auch in der Schweiz ein Problem, weshalb die Idee auch hierzulande auf Interesse stossen könnte.
Das von Öffentlichkeitsarbeit begleitete Projekt "Finish IT" will den Studenten, die das Handtuch geworfen haben, doch noch zu einem Abschluss verhelfen. Da die ortsansässigen Berufsschulen sich überfordert sahen, einen Schnelldurchgang zum Fachinformatiker für Studienabbrecher zu entwickeln, sah man sich gezwungen, vorerst das entsprechende Angebot einer privaten Bildungseinrichtung zu nutzen. Das von ihr entworfene Nachqualifizierungsmodul sieht ein berufsbegleitendes einjähriges Kurzstudium mit Abschluss vor.
Für Christian Curth, mittlerweile 33, war das Modell die Rettung. Um sein Studium der Naturwissenschaften an der Universität Karlsruhe zu finanzieren, hat er nebenbei im IT-Bereich gearbeitet und Blut geleckt, dann aber festgestellt, dass das Studium sich ewig in die Länge ziehen und möglicherweise nie zu einem Abschluss führen wird.
Im Rahmen von "Finish IT" wird er bei dem deutschen Systemhausriesen Bechtle dual im Unternehmen und in der privaten Bildungseinrichtung binnen eines Jahres zum Fachinformatiker nachqualifiziert. Gestützt wird das Projekt von dem Förderprogramm "Wegebau" der Bundesagentur für Arbeit, das laut Breuninger "dazu verhelfen soll, dass ungelernte, unqualifizierte Helfer – so wie der Herr Curth – dann zu einem Abschluss kommen". Die Arbeitsagentur übernehmen dabei die Kosten für die Ausbildungsmassnahme und bezahle auch eine Art Lohnersatz für die Zeit, die der Azubi nicht im Unternehmen ist. So sehr Carolin Lopez, Personalverantwortliche von Bechtle Karlsruhe, das Projekt und die Unterstützung durch die Arbeitsagentur auch begrüsst, verspricht sie, dass das Unternehmen ohne die Fördermittel den Studienabbrecher auch auf eigene Kosten nachqualifizieren würde, schliesslich erhalte man so in nur einem Jahr einen fertig ausgebildeten Fachinformatiker, der Bechtle zudem kenne, weil er ja da ausgebildet werde. (Klaus Hauptfleisch)

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