NASA sucht Ersatz für 80-jährigen Programmierer

2. November 2015, 16:41
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Kenntnisse in Assembler-Sprachen Voraussetzung. Nicht allzu weit über 50 wäre auch gut.

Kenntnisse in Assembler-Sprachen Voraussetzung. Nicht allzu weit über 50 wäre auch gut.
Die NASA gehört wohl weltweit zu den Organisationen, die am meisten Erfahrung damit haben, altehrwürdige IT-Systeme am Leben zu halten. Eine Modernisierung kommt oft nicht Frage , da die Systeme nicht mehr wirklich in greifbarer Nähe sind.
Die Menschen, die die Systeme am Leben erhalten, werden ebensowenig jünger, wie die Programmiersprachen, die sie einst benützt haben. Einer dieser Menschen ist Larry Zottarelli. Er war schon bei der Entwicklung der ursprünglichen Voyager-Sonden dabei und arbeitet heute noch für die NASA an der Betreuung der Software für diese Sonden. Nun, im jungen Alter von 80 Jahren, möchte er sich endültig mal pensionieren lassen. Er will aber noch ein halbes oder ganzes Jahr dabei helfen, einen Nachfolger einzuarbeiten.
Die Voyager-Sonden selbst sind knapp 40 Jahre alt. Vogager 1 und 2 wurden Mitte der 70er-Jahre gebaut und im Herbst 1977 gestartet. Voyager 1 hat mittlerweile als erstes von Menschen gebautes Objekt die astronomischen Grenzen unseres Sonnensystems verlassen und ist rund 20 Milliarden Kilometer weit von der Erde entfernt. Beide Raumsonden funktionieren aber immer noch und senden Daten zu Erde - wie Zottarelli arbeiten sie damit wesentlich länger, als ursprünglich einmal geplant.
Noch mal zehn Jahre
Ein Nachfolger Zottarellis soll nun dabei helfen, die beiden "Reisenden" noch weitere rund zehn Jahre am Leben zu halten. Dafür sollte er die Bordcomputer mit neuer Software auffrischen, zum Beispiel um herauszufinden, welches der Bordgeräte genau wieviel Strom verbraucht. Die Stromzufuhr wird immer spärlicher, je weiter sich die Sonden von der Sonne entfernen. Daher wäre es wichtig, genau zu wissen, was man abschalten kann und wieviele Einsparungen das bringt.
Kenntnisse alter Programmiersprachen wie Fortran, Algol oder Cobol nützen einem Anwärter nur beschränkt. Die Software der Bordcomputer wurden laut NASA in einer (namenlosen) Assemblierer-Programmiersprache geschrieben.
Ein Nachfolger für Zottarelli sollte dafür ein Talent dafür haben, sehr schlanke Prgramme zu schreiben. Er hat nämlich nur 64 Kilobyte Speicher zur Verfügung. Geduld ist auch gut. Daten zu Voyager 1 zu übertragen dauert gegenwärtig 17 Stunden. Und ein Flair dafür, Rätsel zu lösen und sich in die Gedanken der Ingenieure in den 70er-Jahren zu versetzen. Suzanne Dodd, die gegenwärtige Chefin des Voyager-Projekts, lobt Zottarelli als "Puzzle-Löser". Das Problem sei nämlich: Wenn man etwas neues programmieren will, muss man, angesichts des beschränkten Speicherplatzes, etwas Altes aus den Bordcomputern löschen.
Was haben sie sich gedacht, die alten "Rocket Scientists"?
Dabei ist es nicht immer offensichtlich, welches vorhandene Programmteil man löschen könnte, da dessen Funktion oder die ursprünglichen Gründe, warum es so programmiert wurde, nicht mehr bekannt sind. Anfänglich wurden Programme und Dokumentationen alle ausgedruckt oder von Hand geschrieben und auf Papier aufbewahrt. Von diesen Dokumenten gingen im Laufe der Zeit, zum Beispiel bei Umzügen, viele verloren. Was noch vorhanden ist, wird von der NASA gegenwärtig gescannt und in einer Dokumenten-Cloud gespeichert. Und natürlich waren auch die damaligen Ingenieure nicht anders als ihre heutigen Kollegen und haben ihre Gedankengänge selten lückenlos dokumentiert.
Die noch lebenden Ingenieure und Programmierer zu fragen, bringt nicht immer etwas. Manchmal erinnern sie sich richtig, manchmal, so Dodd, auch schlicht falsch.
Dodd glaubt übrigens nicht, dass sich nun junge Entwickler für den Job interessieren könnten. Aber jemand, der nicht allzu weit über 50 ist, wäre gut.
Die anrührende Geschichte von Larry Zottarelli wurde in den letzten Tagen von vielen US-Medien aufgegriffen. Den ausführlichsten Bericht fanden wir bei 'Popular Mechanics'. (Hans Jörg Maron)

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