Neobank N26 nimmt viel frisches Geld ein

19. Oktober 2021, 12:52
  • n26
  • fintech
  • finanzindustrie
  • regulierung
image

Eine neue Finanzierungsrunde bewertet das Fintech mit 9 Milliarden Dollar. Allerdings bremst der Regulator das Wachstum.

Die in Berlin ansässige Neobank N26 hat in einer Finanzierungsrunde 900 Millionen Dollar eingesammelt. Die Series-E-Runde bewertet das Unternehmen mit 9 Milliarden Dollar, wie es in einer Mitteilung heisst. Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von Third Point Ventures und Coatue Management, gefolgt von der Dragoneer Investment Group sowie existierenden Investoren.
Mit dem Geld will N26 unter anderem neues Personal einstellen. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 1500 Mitarbeitende. Bis zu 1000 Personen sollen nun in den Bereichen Technologie, Produktmanagement und digitale Sicherheit hinzukommen.
Mit der Bewertung von 9 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 7,7 Milliarden Euro, ist das Jungunternehmen mehr Wert als die Commerzbank, die zweitgrösste börsennotierte Bank Deutschlands, merkt 'CNBC' an

Regulator bremst Wachstum

Es ist aber nicht alles eitel Sonnenschein bei der deutschen Neobank. Wegen Mängel bei der Meldung von Verdachtsfällen im Zusammenhang mit vermuteter Geldwäscherei gab es eine Busse der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Die 'Financial Times' (Paywall) berichtet ausserdem, dass N26 auf Anordnung der Aufsichtsbehörde aktuell höchstens 70'000 Neukunden pro Monat aufnehmen dürfe. Damit wird das Wachstum der Neobank eingeschränkt. 
N26 schreibt dazu, man habe sich mit dem deutschen Regulator darauf verständigt, über die nächsten Monate in Europa mit maximal 50'000 bis 70'000 Neukunden pro Monat zu wachsen. Man erwarte die Veröffentlichung der entsprechenden Bafin-Anordnung, heisst es weiter.
Aufgrund dieser Massnahme rechnet die Bank mit einer "zeitlich befristeten Warteliste für Neukunden", wie sie schreibt.

Akzeptanz für Neobanken steigt in der Schweiz

"Die Finanzierungsrunde zeigt, wie stark sich Retailbanking in den letzten Jahren verändert hat und bringt uns in eine ausgezeichnete Position, in den nächsten Jahren eine der grössten Retailbanken Europas zu werden – komplett digital und ohne Filialen", so Valentin Stalf, CEO und Mitgründer von N26, in der Mitteilung.
N26 ist auch im Schweizer Markt präsent. Dabei konkurriert das Unternehmen nicht nur mit den heimischen Neobanken wie Neon oder Yapeal, sondern auch mit etablierten Instituten. 
Laut Zahlen, die Moneyland im Auftrag von 'SRF' im Sommer 2021 erhoben hat, zählen die Digitalbanken hierzulande insgesamt 250'000 Kunden. Und diese Zahl dürfte rasch steigen. Laut dem Bericht wies Neon Ende letzten Jahres 50'000 Kunden aus – Ende 2021 sollen es über 100'000 sein.
Die Neobanken bieten weniger Dienstleistungen im Vergleich zu den etablierten Finanzinstituten, diese dafür deutlich günstiger. Dies sei zwar "sicher nicht das richtige Angebot für alle Kunden. Aber der Trend geht dahin, und die Banken müssen vorbereitet sein", so Martin Hess von der Schweizer Bankiervereinigung in einem 'SRF'-Bericht vor einigen Wochen.
Entsprechende Angebote gibt es bereits von mehreren Schweizer Banken. Darunter befinden sich etwa CSX von der Credit Suisse, Yuh von Postfinance und Swissquote oder Zak von der Bank Cler.
Eine weitere Moneyland-Umfrage zeigt aber auch, dass die etablierten Banken offenbar noch etwas Zeit haben. Denn, die Akzeptanz für Neobanken steigt zwar, ist aber immer noch vergleichsweise gering. Nur gerade 17% der Befragten in der Schweiz können sich demnach vorstellen, bei einer Neobank ein Konto zu eröffnen.  

Loading

Mehr zum Thema

image

Auch Swissquote hat jetzt eine Twint-App

Twint zählt 4 Millionen User und ist ab sofort auch für Kunden von Swissquote verfügbar.

publiziert am 9.8.2022
image

Wie es zur Warnung vor Kaspersky kam

Dokumente des deutschen Amtes für Cybersicherheit stützen die Position von Kaspersky. Der Security-Anbieter kritisierte die BSI-Warnung als politischen Entscheid.

publiziert am 5.8.2022
image

EFK will eine Meldepflicht für Uber, Airbnb und Co., das Seco widerspricht

Die Finanzkontrolle moniert Wettbewerbsverzerrung und fehlende Steuereinnahmen in der Plattformökonomie. Kritisierte Behörden werfen der EFK eine ungenaue Definition der Gig Economy vor.

publiziert am 4.8.2022
image

Irland legt neue Grundsätze für Rechenzentren fest

Die Tech-Hochburg will den RZ-Boom regulieren, Data Center müssen sich an energiefreundliche Richtlinien halten. Ein Bau-Moratorium soll es aber nicht geben.

publiziert am 2.8.2022 1