Netflix veröffentlicht seine Container-Management-Plattform

19. April 2018, 13:25
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Netflix macht jetzt Kubernetes Konkurrenz

Wenn ein Titel mit "Netflix" beginnt, erwartet man wohl eine Fortsetzung wie "lanciert eine neue TV-Serie" oder so. Allerdings würden wir auf inside-it.ch dann davon auch nicht berichten. Nun hat der Video-Streaming-Riese aber eine selbstentwickelte Plattform zum Management von Containern auf Amazon Web Services unter einer Open-Source-Lizenz auf GitHub veröffentlicht und erregt damit auch unsere Aufmerksamkeit.
In einem Blogbeitrag begründen Mitglieder des Entwicklerteams von Netflix, wieso man die eigene Managementplattform "Titus" entwickelt hat, statt eine Standardsoftware wie Kubernetes, Mesosphere DC/OS oder Amazon ECS zu verwenden. Ausserdem beschreiben sie einige der Features, durch die sich Titus von diesen anderen Plattformen unterscheidet und warum man die Plattform nun der Open-Source-Community zur Verfügung stellt.
Titus basiert auf Apache Mesos und wurde laut den Entwicklern dafür optimiert, die Bedürfnisse von Netflix zu erfüllen. Einer der grossen Unterschiede zum Beispiel zu Googles Kubernetes ist, dass Titus nur auf AWS verwendet werden kann. Dies ist aufgrund des Konzepts von Titus auch logisch. Netflix verwendet AWS für viele kritische Aspekte seines Geschäftes. Dazu gehört natürlich das Videostreaming. Auf AWS werden aber auch viele weitere Applikationen gehostet, beispielsweise Tools für die hauseigenen Studios, Tools für die Softwareingenieure und Applikationen im Bereich Machine Learning oder Big Data. Eines der Hauptziele bei der Entwicklung von Titus war es daher, das Container Management stärker mit AWS zu integrieren und die von der Cloud-Plattform gebotenen Funktionen besser auszunützen, als dies andere Lösungen tun.
Plattform für schwere Lasten
Ausserdem, glaubt das Entwicklerteam, gäbe es gegenwärtig auch schlicht keine Standardlösung, welche die sehr hohen und vielgestaltigen Leistungsanforderungen von Netflix erfüllen könnte. Gegenwärtig lanciere man pro Tag bis zu einer halben Million Container und 200‘000 Cluster. Jeden Monat jongliere man zudem weiterhin mit hunderttausenden von virtuellen Maschinen auf EC2, um die kontinuierlich fluktuierenden Leistungsbedürfnisse zu erfüllen. Diese Bedürfnisse seien ausserdem zwischen den Applikationen sehr unterschiedlicher Natur. Das Kodieren von Medien beispielsweise brauche viel CPU-Rechenpower, das Trainieren von Algorithmen viel GPU- und Memory-Ressourcen, die Lieferung der Streams haufenweise Netzwerkressourcen.
Um die schrittweise Transition der Applikationen von virtuellen Maschinen in Container zu ermöglichen und gleichzeitig möglichst viele Systeme so vertraut wie möglich zu machen, habe man sich dazu entschieden, auch die existierende Cloud-Plattform von Netflix weiter zu nutzen. Gleichzeitig wurden sie aber "Container Aware" gemacht. Dies ermögliche den Einsatz gleichartiger Methoden bei der Entwicklung und dem Betrieb sowohl von Containern als auch virtuellen Maschinen.
Mit der Veröffentlichung von Titus als Open-Source-Software wolle man die Container-Szene bereichern und fördern, so das Netflix-Team. Gleichzeitig erhofft man sich aber auch Vorteile für Netflix selbst. So könnten beispielsweise im Laufe der Zeit Features von Titus in andere Container-Plattformen integriert werden – und Netflix könnte so irgendwann doch wieder zu einer Standardlösung greifen. Auch sei es für die eigenen Entwickler ein Ansporn, wenn sie ihre Errungenschaften anderen Entwicklern präsentieren dürfen. Und potentiellen zukünftigen Teammitgliedern könne man so zeigen, dass auch bei Netflix aufregende Technologien entwickelt werden.
Technische Informationen zu Titus findet man im bereits erwähnten Blogbeitrag des Netflix-Teams sowie in der Titus-Dokumentation auf GitHub. (Hans Jörg Maron)

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