Neue Versichertenkarten nicht kompatibel

8. Juli 2011, 13:22
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Wegen unterschiedlicher Interpretation der Spezifikationen durch die beiden Hersteller sind ihre Versichertenkarten nicht kompatibel. Jetzt fordert das Bundesamt eine Middleware, die das Problem lösen soll.

Wegen unterschiedlicher Interpretation der Spezifikationen durch die beiden Hersteller sind ihre Versichertenkarten nicht kompatibel. Jetzt fordert das Bundesamt eine Middleware, die das Problem lösen soll.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat gestern eine fast 100-seitige Expertise zu den zwei Versichertenkarten der Post und Sasis veröffentlicht. Die Sasis mit Sitz in Solothurn stellt im Auftrag des Krankenkassen-Branchenverbandes Santésuisse die eine der beiden Versichertenkarten her, die Post die andere für die grösste Schweizer Krankenkasse Helsana.
Im Bericht stellt das BAG immerhin die grundsätzliche Brauchbarkeit beider Lösungen fest: Beide Karten würden "unter Verwendung einer Middleware einwandfrei funktionieren". Die entsprechende gesetzliche Verordnung fordert von den Krankenversicherungen allerdings, dass sie untereinander kompatible Karten herausgeben. Genau das ist jetzt aber nicht geschehen.
Die Expertise hält fest: "Beide Umsetzungsvarianten weisen Abweichungen von den rechtlichen Vorgaben auf, die zum Teil auf Fehler und Interpretationsspielraum in den zugrundeliegenden Standards liegen." Im Klartext: Die Lösungen entsprechen nicht den vorgegebenen Requirements.
Fehlende Koordination
Die Detailspezifikation von Post und Sasis seien weitgehend autonom und mit unzureichender übergeordneter Koordination erarbeitet worden, schreibt das BAG weiter. Es hat darum gestern einen Runden Tisch einberufen, an dem sich unter anderem neben Ärzten, Spitälern, Apothekern und Krankenversicherern auch Sasis und Post beteiligten. Ziel war es, eine Schnittstelle für die Nutzung der Daten auf den Karten zu schaffen.
Hier kommt die bereits erwähnte Middleware ins Spiel: "Um die Unterschiede in der Umsetzung auszugleichen, müssen die Kartenhersteller nun eine kartenunabhängige und anwendungsneutrale Schnittstelle (Middleware) erarbeiten." Bis Ende Jahr soll diese bereit sein, hofft das BAG. Damit erleidet das Projekt Versichertenkarte eine weitere Verspätung.
Kein Sündenbock
Bei Sasis bestätigt Silvia Schütz gegenüber inside-it.ch die Sachverhalte im BAG-Bericht. "Es geht jetzt darum, dass wir eine günstige Lösung für die Zukunft finden", betont sie. Keiner der beiden Hersteller fühlt sich schuldig für die Inkompatibilitäten beim Konkurrenten oder beim BAG. So sagt auch Post-Sprecherin Nathalie Salamin: "Am Runden Tisch haben wir sehr konstruktiv zusammen gearbeitet und werden jetzt eine Lösung erarbeiten." Das BAG war für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht erreichbar. (Philippe Kropf)

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