Neuer HP-Chef lässt die Gerüchteküche brodeln

5. Oktober 2010, 11:36
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Spekulationen um hypothetischen Verkauf von SAP.

Spekulationen um hypothetischen Verkauf von SAP.
Seit bekannt ist, dass Leo Apotheker im November auf dem Chefsessel von HP Platz nehmen wird, überschlagen sich die Spekulationen zur Zukunft des weltgrössten Computerbauers. Der vom Softwareriesen SAP kommende Apotheker scheint kaum jemanden kalt zu lassen. Kurz nach seiner Nominierung straften bereits die Aktienhändler HP ab und liessen deren Titel zeitweise um mehr als zwei Prozent ins Minus rutschen. Dann heizte Oracle-Chef Larry Ellison mit ausfälligen Statements gegen die Person des Neulings die Diskussion an, die nun auch von der amerikanischen 'Computerworld' mit einem bunten Strauss von Analystenmeinungen weiter befeuert wird. Augenfällig ist vorab aber nur, dass HP bei der Wahl Apothekers sicher auch dessen viele langjährige Beziehungen zu CIOs in Unternehmen auf der ganzen Welt berücksichtigt hat.
Weil HP rund zehn Mal so viel Umsatz wie SAP macht und mit etwa 300'000 Mitarbeitern mehr als sechs Mal so viele Angestellte wie SAP beschäftigt, so darüber hinausgehende Phantasien, könne Apotheker mit seinem einstigen Arbeitgeber einen Merger oder "Merger of Equals" anstreben. Anders als das 2003 geprüfte Zusammengehen von SAP mit Microsoft, stünde einem HP-SAP-Deal jedenfalls diesmal keine kartellrechtlichen Bedenken entgegen. Dass HP mit den Enterprise-Anwendungen des deutschen Software-Riesen dem Rivalen Oracle das Leben schwer machen könnte, scheint auf der Hand zu liegen. Doch der grosse Nachteil dieser Konstellation wäre, so die Analysten, dass HP dann nicht mehr als neutraler Anbieter auftreten könne.
Daran ändert sich auch nichts, wenn jetzt einer der Mitgründer von SAP, Klaus Tschira - er ist mit einer Stiftung noch zu knapp zehn Prozent an SAP beteiligt - neben HP auch IBM und Cisco als potentielle Kaufinteressenten ins Gespräch bringt. SAP sei als Partner sowohl von HP als auch von IBM in einer viel komfortableren Situation, meinen die Branchenkenner. Ohnehin seien jetzt schon alle Konkurrenten von Oracle Freunde von SAP und bald auch die von HP, wie die Marktbeobachter festhalten.
Während Sprecher von SAP und HP derartige Gerüchte und Spekulationen nicht kommentieren wollen, sind sich die Analysten allerdings darin einig, dass Apotheker respektive HP jetzt eine Reihe von Software-Akquisitionen tätigen würden. In Frage kämen dafür Hersteller Cloud-basierter Software wie Salesforce oder auch Middleware-Unternehmen wie Progress Software oder Software AG, die ebenfalls zum Ausbau von HPs Cloud-Dienste beitragen würden. Eine weitere strategische Möglichkeit bestünde darin, spezialisierte Softwareanbieter für einzelne Branchen wie dem Gesundheitswesen oder der öffentlichen Verwaltung zu kaufen. (vri)

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