New Business: Berner wollen Broker-Business automatisieren

14. Mai 2020, 09:36
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Five Informatik will eine eigene Automatisierungslösung für Versicherungsbroker als Standard etablieren. Ein "Erfinder" erklärt warum.

Der Versicherungsbroker hat es nicht leicht im Alltag, wenn es um interne Prozesse geht. Der Broker vertritt seine Kunden gegenüber durchschnittlich 20 Versicherungsgesellschaften und diese haben jeweils unterschiedliche Administrationssysteme. Ein Broker mit 5 bis 10 Mitarbeitenden bewirtschaftet etwa 5000 Policen und erhält entsprechende Berge von Policen und Rechnungen, rechnet Christian Lory von Five Informatik vor.
Diese Dokumente müssen kontrolliert, verarbeitet, dokumentiert und zurückgewiesen oder weitergeleitet werden, so Lory beim Redaktionsbesuch.
Lory, Partner und VRP von Five Informatik, will dies grundlegend ändern und dazu eine neue Standardlösung im Brokermarkt etablieren.
Die neue Lösung namens "ONE Broker" bietet dem Boker automatisierte Prozesse, wie z. B. den "Process Billing". Dieser soll die beim Broker eintreffenden Prämienrechnungen – PDFs von Versicherung "A", XML-Format von Versicherung "B" oder Papier von Versicherung "C" – durchgehend digitalisiert verarbeiten können. Und dies unabhängig davon, ob sie fehlerhaft, unvollständig oder auch korrekt sind. "Process Billing" soll die unterschiedlichsten Inputs automatisiert verarbeiten können, so das Versprechen.
Da stellt sich die naive Frage des Branchenfremdlings: Versenden die Versicherungskonzerne mit ihren gut alimentierten IT-Budgets so viele fehlerhafte Rechnungen, dass sich die Digitalisierung auch lohnt? 2% betrage die Fehlerquote, versichert Lory und nennt als Beispiel dafür Policenänderungen. "Trotzdem benötigt ein Broker heute fünf bis zehn Minuten Bearbeitungszeit pro Rechnung", sagt Lory. "Ein modernes SAP einzuführen lohnt sich für die Kleinfirmen nicht, sie setzen auf eines der spezifischen Branchen-CRM." Bis zu sagenhaften 90% Effizienzgewinn verspricht Five Informatik potentiellen Nutzern vom Prozess "Billing" der neuen Lösung "One Broker".
Bei der Entwicklung des Produkts startete Five nicht im Niemandsland. Seit 1988 ist die Firma im Markt tätig und hat sich mit weiteren, selbst in der Schweiz entwickelten Standardlösungen wie "Taxware" gesamtschweizerisch etablieren können. 45 Mitarbeitende zählt die Firma aus dem bernischen Urtenen-Schönbühl und ist seit der Gründung schon im Versicherungsbroker-Markt aktiv. Lory sagt, man verstehe die User gut: "Ich selbst habe rund 30 Jahre Erfahrung mit der IT von Versicherungsbrokern."
Und jetzt, so fügt er an, sei die Zeit reif für seine Idee von "One Broker" Und warum? "Dokumente und Daten sind vorhanden und deren Verwaltung in CRM-Systemen sichergestellt, nun geht es darum, damit etwas anzufangen, und das alles in automatisierten Prozessen zu nutzen", wirbt er stolz für "sein" Kind.
Deshalb benötige ein Broker einen neutralen Software-Partner, der in der Schweizer Branche allgemein gültige Prozesse und Regeln kenne, diese in Software fassen könne, so dass durchgehende Automatisierung, vom Posteingang, über die Aktualisierung des CRM bis zur Information an den Kunden möglich sei.
Diese Voraussetzungen seien mit "Process Billing" gegeben. Lory weist im User Interface auf die Visualisierung des Flussdiagrammes hin. An diesem soll der User nachvollziehen können, welche Schritte ein Dokument vom Eingang bis zur automatischen Weiterleitung zum Brokerkunden durchlaufen hat, und wer, wie und in welchen Prozessschritten allenfalls doch manuell eingreifen musste.

Keine reine Dunkelverarbeitung

Das Flussdiagramm ist ein auffälliges visuelles Element, und zeigt nebenbei, dass sich das Produkt von der reinen Dunkelverarbeitung unterscheidet, bei welcher ein automatisiert abgewickelter Geschäftsprozess "im Dunkeln" abläuft, weil der Ablauf vom User weder beobachtet, noch beeinflusst werden kann.
Ähnliches können auch andere, ausländische Lösungen und auch andere Anbieter haben Prozessengines, kann man einwenden. Aber die mächtig scheinende Konkurrenz schrecke Five nicht. Ja, auch Microsoft habe einen Prozessengine, aber für dessen Konfiguration brauche es einen Prozessdesigner. "Bei uns nicht, und der User sieht den Prozess am Bildschirm und was wo abläuft. Wir hatten den Brokeralltag im Fokus bei der Produktentwicklung."

"Dann wird seine Kompromissbereitschaft gross"

Und wenn ein Broker dann seinen Spezialprozess nicht wiederfindet? Oder, wie bei Kleinfirmen immer wieder der Fall, wenn man am bewährten, hauseigenen Ablauf festhalten will? "Mit Policen kontrollieren kann sich kein Broker differenzieren. Und wenn ein Broker erkennt, Process Billing nimmt mir massiv Arbeit ab, dann wird seine Kompromissbereitschaft gross", glaubt Lory.
Speziell stolz erklärt er, dass "Process Billing" bereits vor dem Launch Ende 2019 einen Preis der "IG B2B for Insurers + Brokers" gewonnen hat. Die Auszeichnung der Vereinigung, in der rund 20 Versicherer, 1200 Broker und rund 20 Softwarehersteller sich um Standards im elektronischen Geschäftsverkehr bemühen, dürfte dem Five-Marketing sicher nicht schaden. Zudem, erklärt Lory, seien mehrere Broker-Software-Hersteller daran interessiert, ihre Lösungen via API an das Five-Produkt anzubinden.
Version 1.0 ist jetzt als Beta auf dem Markt, und Lory glaubt an den Erfolg. Man kenne den Markt, habe die Prozesse verstanden und die Technologie im Griff. Die Firma habe deshalb in viele Vorleistungen investiert, um eine neue Standardlösung für die Branche zu lancieren.
Und möglichst die ganze Branche braucht Five auch, um tatsächlich ein Geschäftsfeld zu erobern. Lory erklärt: "Die Idee funktioniert in der Masse. Das Produkt ist nicht für 2,3 grosse Broker gebaut worden, sondern für alle, auch die vielen kleineren." Und rechnet sich das? Lory sagt, Ja. Five setzt auf ein Pay-per-Use-Modell, also einen Betrag pro durchlaufendem Prämienprozess. "Es gibt eine Million Policen, die durch den Broker-Markt laufen", sagt er.

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