Nie wieder Druckerpatronen

11. September 2015, 09:24
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Epson forciert Drucker mit grossen Tanks, die günstig nachgefüllt werden können. Ein Paradigmenwechsel im Razorblade-Geschäft.

Epson forciert Drucker mit grossen Tanks, die günstig nachgefüllt werden können. Ein Paradigmenwechsel im Razorblade-Geschäft.
Epson, so scheint es, hat Respekt. Respekt vor den Zahlen, die den Druckermarkt beschreiben. Verkaufte Drucker, mit ihnen gedruckte Seiten: Die Kennzahlen sinken. Seit Jahren. Mag das papierlose Büro für viele in noch so weiter Ferne sein: Für immer mehr ist es Realität.
Epson will deshalb verstärkt auf die Power-User setzen: Kleine und grössere Büros, Studenten. Gelingen soll das mit dem EcoTank, der diesen Herbst mit der dritten Generation an den Start geht. Die Produktpalette wird von zwei auf fünf Modelle erweitert. Ihnen gemein ist, dass sie nicht mehr mit kleinen und teuren Druckerpatronen gefüttert werden, sondern mit einfachen Flaschen zum Tinte nachfüllen. Ein grosser Tank dient als Reservoir, eine Ladung reicht nicht für tausend, sondern für vier tausend Seiten. Und der Verkaufspreis der Tinte ist signifikant tiefer als bei herkömmlichen Patronen. Dafür wird der Drucker selber dem Kunden nicht mehr mit Verlust nachgeworfen, sondern soll neu eigenständig für den Profit sorgen: Er kostet in etwa viermal mehr. Ein Paradigmenwechsel.
Denn bisher sorgte ausschliesslich das Razorblade-Modell für die Profite im Drucker-Business. Es beschreibt Geschäftsmodelle, bei denen ein Produkt günstig, manchmal unter den Eigenkosten, verkauft wird. Dazugehörige Verbrauchsartikel oder sonstiges Zubehör holen die Anfangsverluste mit hohen Verkaufspreisen wieder rein. Von Gillette geprägt, bestimmt es heute das Geschäft mit Drucker und Tinte, Spielkonsole und Spielen oder auch Handy und Abonnement.
Geldgrube oder Groschengrab
Das Razorblade-Modell kann eine wahre Goldgrube sein, hat aber seine Tücken. Nur wenn der Kunde genügend Zubehör kauft, geht das Geschäft auf. Tut er das nicht, oder geht er zu einem Drittanbieter, entstehen schnell hohe Verluste. Und Drittanbieter von Tinte waren für die Druckerhersteller jeher ein grosses Problem.
Das neue Konzept bringt zahlreiche Vorteile: Es muss im Kampf gegen Kopierer nicht mehr dauernd das Patronendesign geändert werden. Anstatt mit Mikrochip ausgestatteten Patronen reicht eine Plastikflasche. Es gibt keinen Streit mehr um Patronen, die viel zu früh behaupten, sie seien leer (Epson hat das in den USA schon Gerichtsprozesse eingehandelt). Die Farben können separat nachgefüllt werden, anders als bei den Drei-Farben-Patronen, die ersetzt werden müssen, sobald nur eine Farbe leer ist - wobei Kombi-Patronen nur noch in wenig Modellen zum Einsatz kommen. Und das Recycling der alten Patronen entfällt.
Und das Katz- und Maus-Spiel mit Billiganbietern von Druckerfarbe hat ein Ende. Märkte, in denen diese sehr populär sind, rentieren wieder. In Teilen Osteuropas bietet Epson deshalb fast ausschliesslich EcoTanks an, sagt Giordano Sticchi gegenüber inside-channels.ch. Er ist seit sechs Jahren Geschäftsführer von Epson Schweiz und leitet ein Team von acht Angestellten.
In der Schweiz seien Billiganbieter kaum je ein Problem gewesen. Hier schätzten die Kunden wohl den Komfort der Originalpatronen, den der Vertrieb in gefühlt jedem zweiten Laden mit sich bringt. Dazu komme, dass der Schweizer Konsument wohl annimmt, das Original sei von besserer Qualität, so Sticchi.
In der Schweiz sowohl als auch
Ausgedient habe das herkömmliche Modell für Epson denn auch keineswegs, sagt Sticchi. Es solle einfach zu Gunsten der EcoTanks Marktanteile abtreten. Wie hoch diese sein werden, liesse sich aber kaum abschätzen. Ausserdem sollen mit den EcoTanks auch neue Kunden dazu gewonnen werden. Epson rechnet damit, dass die EcoTanks erfahrungsgemäss wie zuvor auch etwa alle drei bis vier Jahre von den Konsumenten ersetzt werden. Das neue Konzept bietet Epson neben dem Consumer- auch im Business-Bereich. Dort wurde es mit einigen neuen Modellen in die bestehende WorkForce-Reihe integriert. (Michael Küng)

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