Noch ein Informatikproblem in Bern

2. Mai 2014, 07:37
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Kanton Bern führt Rechnungsmodell HRM2 erst 2017 ein.

Kanton Bern führt Rechnungsmodell HRM2 erst 2017 ein.
Der Kanton Bern führt das neue Harmonisierte Rechnungslegungsmodell HRM2 erst 2017 ein und damit zwei Jahre später als geplant. Grund dafür sind Informatikprobleme, die beim Erstellen des Rechnungsabschlusses 2013 aufgetaucht sind.
Die kantonale Finanzdirektion ist laut einer Mitteilung der Kantonsregierung vom Donnerstag deshalb zum Schluss gekommen, dass es für die Anpassungen des bestehenden Finanzinformationssystems (FIS) mehr Zeit braucht. Finanzdirektorin Beatrice Simon hat am Mittwoch die Kantonsregierung entsprechend informiert.
Laut der Mitteilung wäre die Einführung von HRM2 per 2015 "aufgrund der komplexen Anpassung bei FIS nur mit grössten Risiken möglich." Die Einführung eines neuen Teilsystems im Zusammenhang mit der geplanten Umstellung auf HRM2 hat nämlich die Jahresabschlussarbeiten "erheblich beeinträchtigt".
Der Regierungsrat teilt die Haltung der Finanzdirektion, dass jederzeit eine ordnungsmässige Haushaltsführung gewährleistet sein muss. Mit der Einführung von HRM2 im Jahr 2017 stehe genügend Zeit zur Verfügung, um eine vollständig getestete Software zu integrieren, schreibt er.
HRM2 strebt eine verstärkte Vereinheitlichung des Rechnungswesens von Bund, Kantonen und Gemeinden an. Die Kantone sind laut der Mitteilung frei, ob und wann sie HRM2 einführen, streben aber an, diese Arbeiten in den nächsten drei bis vier Jahren abzuschliessen. Ein harmonisiertes Rechnungsmodell erlaubt es, die Kantonshaushalte finanzpolitisch zu vergleichen.
Keine Auswirkung auf Gemeinden
Die Verschiebung der Einführung von HRM2 beim Kanton hat laut der Mitteilung keine Auswirkungen auf die eingeleitete Einführung von HRM2 bei den Einwohnergemeinden, gemischten Gemeinden und bei den Regionalkonferenzen. Diese führen HRM2 gemäss bernischer Gemeindegesetzgebung auf den 1. Januar 2016 ein. Sie erstellen erstmals das Budget 2016 nach diesen Bestimmungen. Für die übrigen Gemeindetypen erfolgt die Einführung gestaffelt gemäss den Übergangsbestimmungen in der Gemeindeverordnung. 14 Testgemeinden haben ihre Rechnungslegung schon auf HRM2 umgestellt.
Reaktionen
Die SP des Kantons Bern spricht in einer Mitteilung von einem "Informatikdebakel der Finanzdirektion". Bereits vor der am Donnerstag angekündigten Verschiebung der HRM2-Einführung sei der Kanton Bern im Vergleich mit den meisten anderen Kantonen im Rückstand gelegen. Nun werde Bern der allerletzte Kanton sein, der das neue Modell einführe. "Die SP befürchtet, dass sich diese massive Verspätung für den Kanton Bern nachteilig auswirkt". Es stellten sich insbesondere Fragen zu den Rückstellungen bei den Pensionskassen und etwa auch zur Vergleichbarkeit mit anderen Kantonen.
Die bernische Finanzdirektorin Beatrice Simon (BDP) sagte zu diesen Aussagen der SP am Donnerstag auf Anfrage, ein Informatikdebakel entstünde höchstens, wenn HRM2 bereits 2015 eingeführt würde. Das Finanzinformationssystem FIS sei seinerzeit extra für den Kanton Bern geschaffen worden. Deshalb brauche es nun für dessen Anpassung an HRM2 genügend Zeit für Tests. Der Kanton Bern habe durch die spätere Einführung des neuen Modells keine negativen Auswirkungen zu befürchten. Heute hätten fünf Kantone HRM2 noch nicht eingeführt. (sda/mim)

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