Noch ein Opfer des Vierfaser-Modells

18. Mai 2011, 14:14
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Uster muss wie Obwalden seine Glasfaserpläne begraben. Grund dafür ist das von Swisscom propagierte und offenbar zu teure Mehrfasermodell.

Uster muss wie Obwalden seine Glasfaserpläne begraben. Grund dafür ist das von Swisscom propagierte und offenbar zu teure Mehrfasermodell.
Am 5. Oktober 2009 wurde ein wichtiger Meilenstein für die Schweizer Telekom-Landschaft gelegt: Um Parallelbauten zu vermeiden, entschieden damals die wichtigsten Akteure, beim Bau der zukunftsträchtigen Glasfasernetze in der Schweiz auf "mindestens vier Fasern" zu setzen. Damit konnte sich Swisscom durchsetzen und all jene, die der Meinung waren, von der Ortszentrale zum Hausanschlusskasten genüge eine Faser, mussten sich fügen.
Einige Branchenbeobachter meinen aber immer noch, dass das Mehrfasermodell nicht etwa für "mehr Markt", sondern für mehr Risiko sorgt. Das Risiko für Elektrizitätswerke, die in das FTTH-Business eingestiegen sind, bestehe nämlich darin, genügend Provider zu finden, um die - im Vergleich zu einem Einfasermodell - höheren Investitionen zu amortisieren.
Zwar ist ein Einfaser-Netz in der Realisierung günstiger als ein Mehrfaser-Netz, doch der Investitionsanteil eines Elektrizitätswerks beim Bau eines Mehrfasermodells mit Swisscom ist oft tiefer als der Alleingang mit nur einer Faser. Auch deshalb hat sich das Mehrfasermodell durchgesetzt: Swisscom lockt jeweils mit hohen Kostenbeteiligungen.
Allerdings kommt es nicht immer zu einer Einigung mit Swisscom: Nachdem erst Ende April Obwalden seine Glasfaserträume beenden musste berichtet.
Das Ustermer Elektrizitätswerk wäre dem Vernehmen nach gerne eine Kooperation mit Swisscom eingegangen, wie dies praktisch alle Schweizer Energieversorger tun, die Glasfasern verlegen wollen. Offenbar konnte man sich aber nicht über die Finanzen einigen. Für Uster - immerhin die drittgrösste Stadt im Kanton Zürich - wäre es auf lange Zeit ein Verlustgeschäft gewesen. Nun baut Swisscom in Uster alleine: Bis Ende 2013 soll das Glasfasernetz gebaut sein. (Maurizio Minetti)

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