Nokia Siemens streicht 2'900 Stellen in Deutschland

1. Februar 2012 um 11:15
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Standort München wird geschlossen: Spontane Demonstrationen, Gewerkschaften protestieren heftig.

Standort München wird geschlossen: Spontane Demonstrationen, Gewerkschaften protestieren heftig.
Schon im November hatte die Geschäftsleitung des finnisch-deutschen Joint Ventures Nokia Siemens Networks (NSN) angekündigt, 17'000 Stellen weltweit abbauen zu wollen. Damals wurde aber noch nicht bekannt gegeben, wo die Masse der Entlassungen stattfinden soll. Jetzt wird es ernst für rund 2'900 Beschäftigte allein in Deutschland. So viele Stellen sollen bis Jahresende in der Bundesrepublik abgebaut, weitere 1'600 innerhalb Deutschlands verschoben werden. Davon betroffen sind nicht nur die 3'600 Mitarbeiter in München, sondern auch an anderen Standorten wie Berlin verschoben werden. München trifft es aber weitaus am härtesten, denn der dortige Standort soll ganz geschlossen werden.
Viele der rund 3'600 Mitarbeiter in der bayerischen Landeshauptstadt München haben heute erst erfahren, dass ihr Standort geschlossen werden soll und gingen morgens gegen 9:45 Uhr vor dem Hauptgebäude auf die Strasse.
NSN-Betriebsrat Carsten Riedl wiederholte die Forderung an Siemens, das Ruder wieder in die Hand zu nehmen und sich nicht hinter dem Konstrukt des Gemeinschaftsunternehmens mit Nokia aus der Verantwortung zu stehlen. Zugleich rief er die Firmenleitung auf, an der Entwicklung rentabler, innovativer Produkte festzuhalten und diese nicht leichtfertig an Unternehmen in Fernost und anderen Ländern abzugeben. Die Industriegewerkschaft Metall Bayern sagte am Vortag, dass man sich gegen den Kahlschlag im Unternehmen wehren werde. Dabei sprachen die Gewerkschafter auch von gravierenden Managementfehlern, für die die Mitarbeiter nun den Kopf hinhalten müssten.
'Die Welt‘ spricht ebenfalls von einem "Jobkahlschlag" bei NSN. Eine Tafel der Demonstranten im Rondell des ursprünglich von und für Siemens gebauten "Solution Experience Center" zeigt, wie sehr die Mobilfunk-Netzwerker durch traurige Erfahrung mit BenQ 2005 und 2006 schon gebeutelt waren, bevor 2007 NSN gegründet wurde. Allerdings hat das Unternehmen seitdem stets rote Zahlen geschrieben. Andere Plakate riefen zum Erhalt des Standortes München auf. In Finnland, Heimat von Nokia, will NSN auch 1'200 Stellen streichen, wie gestern Abend bekannt wurde. (kh)
(Foto: Klaus Hauptfleisch)

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